Nach den blutigsten Krawallen in der ägyptischen Fußballgeschichte mit mindestens 71 Toten und 1.000 Verletzten haben sich die Schuldzuweisungen am Donnerstag vor allem gegen Polizei und Militär gerichtet. Die Muslimbruderschaft kritisierte, dass die Sicherheitskräfte bei dem Fußballspiel in Port Said weggeschaut hätten. Andere machten Schlägerbanden des früheren Mubarak-Regimes verantwortlich.
Wie Regierungschef Ganzouri am Donnerstag mitteilte, wurden der Sicherheitschef von Port Said und die Führung des Fußballverbands ihrer Ämter enthoben. Als Konsequenz aus den Krawallen am Mittwochabend in der Hafenstadt Port Said trat auch der Gouverneur der Stadt zurück.
Der regierende Oberste Militärrat rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Die bei der Parlamentswahl siegreichen Muslimbrüder sprachen von "geplanten" Ausschreitungen. Sie seien eine "Botschaft der Anhänger des alten Regimes" des gestürzten Staatschefs Mubarak, sagte der Abgeordnete Essam el-Erian von der Partei der Muslimbrüder.
Bei dem Spiel zwischen den Mannschaften Al-Masry aus Port Said und Al-Ahli aus Kairo waren unmittelbar nach dem Abpfiff Fans von Al-Masry auf das Spielfeld gestürmt und hatten die Anhänger der gegnerischen Mannschaft mit Flaschen und Steinen beworfen, wie Augenzeugen berichteten. Das Fernsehen zeigte Fans, die in Panik davonliefen. Im Internet waren Fotos von blutüberströmten Spielern zu sehen. Ahli-Fans, die eine prominente Rolle bei der vor einem Jahr begonnenen Revolution in Ägypten spielten, kündigten Demonstrationen gegen den herrschenden Militärrat an. Die Spieler des Klubs wollen nie wieder antreten.
Nach Angaben von Innenminister Mohammed Ibrahim wurden die meisten der Opfer erdrückt. Demnach gab es 248 Verletzte. Rettungskräfte sagten, einige der Getöteten hätten Stichwunden gehabt, andere schwere Kopfverletzungen. Auf der Straße nach Kairo waren Schüsse zu hören. Die Polizei nahm 47 Menschen fest. Nachdem Soldaten am Stadtrand von Port Said Stellung bezogen, kehrte am Donnerstag wieder Ruhe in der Hafenstadt ein.
Die Europäische Union verlangte eine unabhängige Untersuchung zu den blutigen Krawallen. Die EU-Außenpolitikbeauftragte Ashton erklärte am Donnerstag: "Ich hoffe, eine sofortige und unabhängige Untersuchung wird Licht in die Hintergründe dieses tragischen Ereignisses bringen."
(APA/dpa/ag.)

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