Quelle: ZAMG

Zusammenstoß pro-türkischer Miliz mit syrischer Armee droht

28.12.2018 - 20:18
Syrische Kurden fürchten türkische Militäroffensive© APA (AFP)Syrische Kurden fürchten türkische Militäroffensive

Angesichts eines drohenden Angriffs der türkischen Armee auf die syrische Kurdenmetropole Manbij ist die syrische Armee am Freitag in die Stadt eingerückt. Die bisher von den USA unterstützte Kurdenmiliz YPG hatte Präsident Bashar al-Assad zuvor aufgefordert, Manbij vor türkischen Truppen und Milizen zu schützen.

Kurz darauf erklärten von der Türkei unterstützte Rebellen, sie rückten zusammen mit türkischen Streitkräften auf Manbij vor, in "voller Bereitschaft, militärische Operationen zur Befreiung der Stadt zu starten". Damit drohte ein Aufeinandertreffen mit der syrischen Armee.

Mit der YPG an der Spitze und mit Hilfe der USA vertrieben die Syrischen Demokratischen Streitkräfte (SDF) 2016 die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) aus Manbij im Norden Syriens. Die Stadt grenzt an das Gebiet, das von den türkisch unterstützten Milizen kontrolliert wird. In der Stadt haben auch US-Truppen einen Stützpunkt, die den SDF im Kampf gegen den IS halfen. Ein US-Vertreter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, in Manbij seien noch immer US-Soldaten. Diese hätten in der Stadt noch keine syrischen Truppen gesehen.

Anders als die USA betrachtet die Türkei die YPG als terroristische Gruppierung und kündigte ihre Zerschlagung an. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte am Freitag, die Türkei werde Manbij in Ruhe lassen, wenn die "terroristischen Organisationen" das Gebiet verlassen hätten. Zugleich kündigte er an, am Samstag eine Delegation nach Moskau zu schicken, um mit dem wichtigsten Verbündeten Syriens über die Lage zu beraten. Er signalisierte, dass die Türkei keine Eile habe, einen Angriff zu starten.

Die Gebiete um die nördlich gelegene Stadt gehörten zu Syrien, betonte Erdogan. Aber: "Unser Ziel ist es, der YPG eine Lektion zu erteilen und wir sind gewillt, dies zu tun", so der türkische Präsident.

Für die YPG wurden die türkischen Drohungen zu einer realen Gefahr, als US-Präsident Donald Trump vor einer Woche den Abzug der US-Soldaten aus Syrien befahl und der Türkei damit freie Hand gegen die Kurden im Norden Syriens gab. Bereits am Montag hatte die von der Türkei unterstützte Rebellengruppe Nationale Armee ihre Präsenz im Raum Manbij verstärkt und angekündigt, die Milizen YPG aus der Stadt zu vertreiben.

Diese wandte sich daraufhin an Assad mit der Bitte um Schutz. Die Kämpfer der Miliz seien aus der Stadt abgezogen, um den IS bekämpfen, teilte die YPG mit. "So laden wir die syrische Regierung - zu der wir gehören - ein, Streitkräfte zu entsenden, um die Stellungen einzunehmen und Manbij angesichts der türkischen Gefahren zu schützen", erklärte die YPG.

Die syrische Armee verkündete am Freitag, sie habe Manbij eingenommen. Die syrische Flagge sei in der Stadt gehisst worden. Die Armee garantiere die Sicherheit aller syrischen Bürger und aller anderen Personen in dem Gebiet. Die meist gut informierte Syrische Beobachtungsgruppe für Menschenrechte erklärte, die Armee habe Positionen zwischen der Stadt und der von der Türkei unterstützten Miliz bezogen. Die Truppen seien nicht in die Stadt eingerückt.

Russland begrüßte den Einzug der syrischen Armee in Manbij. Dies sei eine positive Entwicklung, sagte ein Sprecher des Präsidialamtes in Moskau. Auch der Iran äußerte sich positiv: "Das Hissen der syrischen Flagge ist ein wichtiger Schritt für die Einheit Syriens", so Außenamtssprecher Bahram Ghassemi. Diese neue Entwicklung könne die Institutionalisierung einer legalen Regierung in Syrien und ein Ende des jahrelangen Konflikts zur Folge haben, betonte der Sprecher dem iranischen Außenministerium zufolge.

(APA/dpa/ag.)

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