Quelle: ZAMG

Riad weicht von Linie ab - Khashoggis Tötung war geplant

25.10.2018 - 19:13
Riad weicht von seiner bisherigen Linie in der Affäre ab© APA (AFP)Riad weicht von seiner bisherigen Linie in der Affäre ab

Die Verdächtigen im Fall Khashoggi haben die Tötung des saudischen Journalisten offenbar im Voraus geplant. Die türkischen Ermittler hätten entsprechende Informationen übergeben, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Saudi-Arabiens am Donnerstag mit. Damit weicht Riad von seiner bisherigen Linie ab. Khashoggi-Sohn Salah und seine Familie haben unterdessen Saudi-Arabien in Richtung USA verlassen.

Bisher hatte das Königreich erklärt, der Journalist Jamal Khashoggi sei im Istanbuler Konsulat Saudi-Arabiens versehentlich bei einer Schlägerei ums Leben gekommen. An dieser Version gab es jedoch erhebliche Zweifel. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach in dieser Woche von einem "brutalen Mord".

Der 59 Jahre alte Khashoggi war Anfang des Monats in das Istanbuler Konsulat gegangen, um dort Dokumente für seine geplante Hochzeit abzuholen. Erst nach massivem internationalen Druck hatte Saudi-Arabien vor einigen Tagen zugegeben, dass der regierungskritische Journalist dort ums Leben gekommen war. Die Behörden nahmen 18 Verdächtige fest.

Mehrere Spuren weisen darauf hin, dass auch Personen aus dem näheren Umfeld des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman in den Fall verwickelt sind. Saudi-Arabien weist das zurück. Der 33 Jahre alte Thronfolger hatte die Tat am Mittwoch als "abscheulichen Vorfall" verurteilt, der nicht zu rechtfertigen sei.

Die türkische Regierung spielte unterdessen CIA-Direktorin Gina Haspel während ihres Türkei-Besuchs offenbar die Audioaufnahmen vom Mord an Khashoggi vor. Das berichtete die "Washington Post" unter Berufung auf nicht genannte Quellen. In dem Artikel hieß es, "eine Person, die das Band kennt, sagte, es sei überzeugend und könnte den Druck auf die USA erhöhen, Saudi-Arabien für den Tod Khashoggis zur Rechenschaft zu ziehen."

Haspel war am Dienstag in der Türkei angekommen, nach wachsenden Zweifeln in der US-Regierung an den Unschuldsbekundungen des saudischen Königshauses. Die Türkei hatte die angeblichen Aufnahmen bisher streng geheim gehalten.

Wochenlang hatten türkische Regierungsmitarbeiter anonym fast täglich neue Details aus den angeblichen Aufnahmen an türkische und US-Medien weitergegeben. Demnach war Khashoggi von einem 15-köpfigen, eigens für die Tat aus Saudi-Arabien angereisten Spezialkommando gefoltert und ermordet worden. Die Bänder selbst machte die türkische Regierung jedoch nicht öffentlich. Es blieb auch unklar, wie sie die Aufnahmen bekommen haben könnte. Regelmäßig taucht die Vermutung auf, dass die Türkei das Konsulat mit Abhörgeräten ausspioniert hat.

Unterdessen hat das Europaparlament in Straßburg mit überwältigender Mehrheit eine Resolution wegen der Tötung von Khashoggi verabschiedet. Saudi-Arabien wird darin zu einer umfassenden Aufklärung der Tat aufgefordert. Außerdem wird darin die Bedeutung der Pressefreiheit und der Schutz von Journalisten unterstrichen.

Der ÖVP-Delegationsleiter Othmar Karas hatte zuvor ein gemeinsames Vorgehen der EU und ein Verbot von Waffenlieferungen an Saudi-Arabien gefordert. "Moral geht vor Geschäft", so Karas. Der SPÖ-Europaabgeordnete Josef Weidenholzer hatte die Ermordung Khashoggis als "eine unvorstellbare Bestialität, wie aus einem Horrorfilm" bezeichnet. Das saudi-arabische "Regime konnte sich jahrelang alles leisten", kritisierte sein SPÖ-Kollege Eugen Freund und der Grüne Michel Reimon forderte die Bundesregierung auf Waffenexporte in das Königreich, angesichts von allein 27.000 exportierten Glock-Pistolen im Jahr 2017, zu verbieten.

(APA/ag.)

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