Quelle: ZAMG

Khashoggi möglicherweise von Spezialkommando enthauptet

17.10.2018 - 14:46
Von Jamal Khashoggi fehlt noch immer jede Spur© APA (AFP)Von Jamal Khashoggi fehlt noch immer jede Spur

Der saudisch-arabische Journalist Jamal Khashoggi soll im Istanbuler Konsulat seines Landes erst gefoltert und dann enthauptet worden sein. Die türkische Zeitung "Yeni Safak" berichtete am Mittwoch unter Berufung auf eine angebliche Audioaufnahme von dem Geschehen. Demnach sollen ihm saudi-arabische Agenten während eines Verhörs die Finger abgeschnitten und ihn später geköpft haben.

Im Bemühen um die Aufklärung von Kashoggis Verschwinden ist unterdessen US-Außenminister Mike Pompeo in der Türkei angekommen. Pompeo traf am Flughafen in Ankara den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. An dem rund 30-minütigen Gespräch nahmen demnach auch der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu und Geheimdienstchef Hakan Fidan teil. Pompeo habe sich anschließend noch mal zu einem Einzelgespräch mit Cavusoglu getroffen.

Vor seiner Reise in die Türkei war Pompeo am Dienstag in der saudischen Hauptstadt Riad. Dabei habe der Kronprinz Pompeo zugesichert, dass die saudischen Ermittler ein vollständiges und transparentes Ergebnis vorlegen werden. "Mein Urteil nach den Treffen ist, dass es ein ernsthaftes Bekenntnis gibt, alle Fakten zu finden und Verlässlichkeit zu garantieren, auch die Verlässlichkeit gegenüber hochrangigen saudischen Führungsfiguren und Beamten", heißt es in einem Statement Pompeos. Nun müssten die Ergebnisse abgewartet werden.

Mit offensiver Krisendiplomatie versuchen die Vereinigten Staaten, Licht ins Dunkel im Fall des verschwundenen saudischen Journalisten zu bringen. US-Präsident Donald Trump telefonierte bereits mit dem saudischen König Salman sowie dessen Sohn, Kronprinz Mohammed bin Salman. Der Kronprinz soll dem US-Präsidenten versichert haben, dass die saudische Führung nichts von den angeblichen Vorkommnissen in der saudischen Botschaft in Istanbul gewusst habe.

Trump sagte am Dienstagabend in einem Interview des US-Senders Fox Business, entscheidend sei, ob die saudische Führung von den Vorkommnissen gewusst habe. "Wenn sie davon gewusst hätten, dann wäre das sehr schlecht", sagte Trump. Türkische und saudische Ermittler hatten zuvor eine neunstündige Durchsuchung des saudischen Konsulats in Istanbul abgeschlossen und hatten auch das Privathaus des Konsuls durchsucht. Der Diplomat war türkischen Medien zufolge kurz zuvor nach Saudi-Arabien abgereist.

Der internationale Druck auf Saudi-Arabien steigt. Nach den USA haben nun auch die Außenminister der G-7-Staaten und die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini vom Königreich Aufklärung verlangt. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es, die Verantwortlichen für sein Verschwinden müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Man setze auf die Zusammenarbeit der Türkei und Saudi-Arabiens und hoffe darauf, dass das Königreich eine "gründliche, glaubwürdige, transparente und sofortige Ermittlung" vornehme. Zu den G-7-Staaten gehören die USA, Großbritannien, Frankreich, Kanada, Deutschland, Japan und Italien.

Unterdessen haben die türkischen Minister um Geduld bei der Aufklärung gebeten. "Jeder soll auf das Ergebnis der Ermittlung warten", sagte Innenminister Süleyman Soylu. Staatsanwalt oder Polizei würden die Ergebnisse dann der ganzen Welt präsentieren. Er selbst habe "Gewissheit" über das Schicksal Khashoggis, sagte Soylu, müsse aber die Ergebnisse der Ermittlung abwarten. Außenminister Cavusoglu sagte nach dem Treffen mit Pompeo, er werde Medienberichte zum Verschwinden Khashoggis nicht kommentieren.

Khashoggi war am 2. Oktober in das saudische Konsulat gegangen, um dort Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen. Seine türkische Verlobte wartete vor dem Gebäude über Stunden vergeblich darauf, dass der Journalist wieder herauskam. Khashoggi, der am 13. Oktober 60 Jahre geworden wäre, lebte seit mehr als einem Jahr im selbst gewählten US-Exil und schrieb unter anderem für die Zeitung "Washington Post" regierungskritische Artikel über Saudi-Arabien.

Für das Weiße Haus steht in dieser Affäre viel auf dem Spiel, da sich Trump in seiner Nahost-Politik sehr stark auf das sunnitische Saudi-Arabien stützt. Seit Amtsantritt des US-Präsidenten hat sich das zuvor abgekühlte Verhältnis zwischen den beiden Partnern deutlich verbessert. Die USA und Saudi-Arabien sehen vor allem im schiitischen Iran einen gemeinsamen Feind, den bekämpfen wollen.

Die Aufmerksamkeit richtet sich in der Affäre insbesondere auf den saudischen Kronprinzen. Der 33 Jahre alte Sohn des Königs ist der starke Mann des Landes und gilt als künftiger Herrscher. Während er einerseits Reformen vorantreibt und das Land gesellschaftlich liberalisiert, geht er hart gegen Kritiker vor.

(APA/ag.)

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