Quelle: ZAMG

Weltweite Anerkennung für Friedensnobelpreisträger

05.10.2018 - 20:58
Die Jury entschied sich für die beiden Aktivisten© APA (AFP/GETTY)Die Jury entschied sich für die beiden Aktivisten

Die Vergabe des Friedensnobelpreises an zwei Vorkämpfer gegen sexuelle Gewalt in Konfliktregionen ist international auf breite Zustimmung gestoßen. Politiker und Organisationen aus aller Welt würdigten am Freitag die Verdienste der yezidischen Aktivistin Nadia Murad und des kongolesischen Gynäkologen Denis Mukwege.

Mukwege widmete die Auszeichnung den weiblichen Opfern von Vergewaltigungen und Gewalt weltweit. Auch Murad erklärte, der Preis sei wichtig für alle Frauen, die sexueller Gewalt ausgesetzt seien.

Mukwege und Murad würden geehrt "für ihre Anstrengungen, der sexuellen Gewalt als Kriegswaffe ein Ende zu bereiten", so die Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen: "Denis Mukwege und Nadia Murad haben beide ihr eigenes Leben riskiert, indem sie mutig gegen Kriegsverbrechen kämpfen und Gerechtigkeit für die Opfer fordern."

Mukwege habe als Helfer sein ganzes Leben der Verteidigung von Opfern sexueller Gewalt gewidmet, die in den brutalen kriegerischen Wirren seiner Heimat im Ost-Kongo verübt worden sei, erklärte Reiss-Andersen. Murad, die nach ihrer Befreiung aus den Fängen der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) nach Deutschland floh, würdigte das Komitee als "Zeugin, die von jenem Missbrauch erzählt, der ihr selbst und anderen widerfahren ist".

Die heute 25-jährige Murad war im August 2014 im Irak von Kämpfern der IS-Miliz verschleppt, misshandelt, vergewaltigt und versklavt worden. Sechs Brüder und ihre Mutter wurden von der IS-Miliz getötet. Ihr selbst gelang nach drei Monaten mit Hilfe einer Nachbarsfamilie die Flucht.

Über Griechenland gelangte sie nach Deutschland, wo sie im Rahmen eines Yezidinnen-Projekts in Baden-Württemberg aufgenommen wurde. Seit September 2016 setzt sie sich als UNO-Sonderbotschafterin für die Rechte der Opfer von Menschenhandel ein.

Murad erklärte, die Auszeichnung sei ein bedeutender Sieg für Opfer sexueller Gewalt. "Es war nicht einfach für mich, über das zu reden, was mit zugestoßen ist", sagte sie in einem Telefoninterview, das auf der Website des Nobelkomitees veröffentlicht wurde. "Besonders für Frauen im Nahen Osten ist es nicht leicht, darüber zu sprechen, eine Sexsklavin gewesen zu sein."

Zudem forderte sie Menschen verschiedener Religionen auf, sich auszusöhnen und Konflikte beizulegen. "Ich hoffe, dass dieser Preis dazu führen kann, dass sich Menschen gegenseitig akzeptieren, obwohl sie verschiedene Religionen haben und dass sie in Frieden miteinander leben können", sagte sie.

Mukwege widmete den Friedensnobelpreis allen Frauen, "die in Kriegen verletzt wurden und jeden Tag mit Gewalt konfrontiert sind". Die Auszeichnung sei ein wichtiger Schritt, um den Opfern sexueller Gewalt Wiedergutmachung zu gewähren, sagte er vor seiner Klinik in Bukavu im Osten der Demokratischen Republik Kongo.

Der 63-jährige Arzt betreute in den vergangenen Jahren 50.000 Vergewaltigungsopfer in dem von ihm 1999 gegründeten Krankenhaus in Bukavu. Er behandelte Frauen, Kinder und kleine Babys. Als Mukwege 2014 den Sacharow-Preis erhielt, berichtete er, insgesamt seien im Kongo mehrere hunderttausend Frauen vergewaltigt worden. Schwangeren Frauen werde der Bauch aufgeschlitzt, ihre ungeborenen Kinder würden verstümmelt.

Die Entscheidung des Nobelkomitees wurde international begrüßt. Die Vereinten Nationen würden die Arbeit der irakischen Menschenrechtsaktivistin und des kongolesischen Arztes weiterhin unterstützen, teilte Generalsekretär Antonio Guterres am Freitag auf Twitter mit. "Indem sie die Opfer sexueller Gewalt in Konflikten verteidigen, verteidigen sie unsere gemeinsamen Werte", erklärte er.

"Ihr kraftvoller Einsatz hat Menschen weltweit berührt und geholfen, ungeheuer wichtige Ermittlungen der Vereinten Nationen zu den erschütternden Verbrechen anzustoßen, die sie und so viele andere durchstehen mussten", sagte Guterres zum Engagement Murads.

Zur Arbeit des Gynäkologen Mukwege, der im Kongo Tausende Opfer von Gruppenvergewaltigungen behandelt, sagte Guterres: "Als talentierter und sensibler Chirurg hat er nicht nur zerbrochene Körper geheilt, sondern auch Würde und Hoffnung wiederhergestellt."

Die Auszeichnung erkenne "unzählige Opfer weltweit an, die zu häufig stigmatisiert, versteckt und vergessen worden sind", teilte er mit. UNO-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet lobte Mukwege und Murad als "außerordentlich mutige, hartnäckige und effektive Aktivisten".

Iraks Präsident Barham Saleh bezeichnete die Vergabe des Friedensnobelpreises an Murad als "Ehre für alle Iraker, die gegen Terrorismus und Fanatismus gekämpft haben". Er lobte die Yezidin für ihren "Mut zur Verteidigung der Menschenrechte der Opfer von Terror und sexueller Gewalt".

Auch Mukwege erhielt Glückwünsche und Kritik aus der Heimat. Regierungssprecher Lambert Mende würdigte in Kinshasa die "sehr wichtige Arbeit" des Frauenarztes. Zugleich warf er ihm vor, seine Arbeit zu "politisieren". Mukwege ist ein Kritiker des kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila, der im Dezember aus dem Amt scheidet, und forderte mehr internationales Engagement zur Beendigung der bewaffneten Konflikte im Kongo.

Die EU-Kommission gratulierte Mukwege und Murad für ihre "wirklich noble Arbeit". Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini erklärte, beide hätten ihr "Leben riskiert, um anderen zu helfen, sie zu schützen und sie zu retten". Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes (TDF) nannte die Auszeichnung ein "starkes Zeichen gegen die sexualisierte Gewalt an Frauen".

Bundespräsident Alexander Van der Bellen bezeichnete die Zuerkennung des Preises an Mukwege und Murad auf Twitter als "Auszeichnung für ihren Kampf für die Würde und die Rechte der Menschen". Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gratulierte den Nobelpreisträgern ebenso wie Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ). Der Kampf gegen sexuelle Gewalt bleibe eine "Top-Priorität" der österreichischen Außenpolitik, twitterte Kneissl.

(APA/dpa/ag.)

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