Quelle: ZAMG

Nordkorea offenbar zu konkreten Abrüstungsschritten bereit

29.04.2018 - 14:55
Historisches Gipfeltreffen zwischen Kim Jong-un (l.) und Moon Jae-in© APA(AFP/Korea Summit Press Pool)Historisches Gipfeltreffen zwischen Kim Jong-un (l.) und Moon Jae-in

Nach der historischen Annäherung der beiden koreanischen Staaten zeichnen sich erste Details der geplanten atomaren Abrüstung ab. Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un habe angekündigt, das Atomtestgelände im Mai vor den Augen der Weltöffentlichkeit zu schließen, erklärte das südkoreanische Präsidialamt am Sonntag. Vom Abbau der Anlagen sollten sich Experten und Journalisten vor Ort überzeugen können.

Voraussichtlich ebenfalls im Mai soll das geplante Treffen von Kim mit US-Präsident Donald Trump stattfinden. Zu der Begegnung werde es wohl in drei bis vier Wochen kommen, sagte Trump am Wochenende. Den Druck auf Nordkorea will der Republikaner aufrechterhalten: Die Sanktionen sollen vorerst nicht aufgehoben werden.

Bei dem Gipfel am Freitag hatten sich Nord- und Südkorea darauf geeinigt, die geteilte Halbinsel schrittweise von Atomwaffen zu befreien und den seit fast sieben Jahrzehnten andauernden Kriegszustand zu beenden. Die Übereinkunft auf dem von viel Symbolik geprägten Treffen wurde international begrüßt. Allerdings beinhaltet die Vereinbarung wenig konkrete Details. In Nordkorea wurde der Gipfel in Staatsmedien als Wendepunkt gefeiert. Sie veröffentlichten die Erklärung Kims und des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in sowie 60 Fotos aber erst mit einem Tag Verspätung. Die Berichte erwähnten auch die Diskussion über die Denuklearisierung, ein Thema, das bisher in den nordkoreanischen Medien nur selten erwähnt wurde. Allerdings gingen die Berichte in diesem Punkt nicht ins Detail, vielmehr konzentrierten sie sich auf die Themen Frieden, Wohlstand und die Einheit Koreas.

Experten und Journalisten sollten bald eingeladen werden, die Schließung der Atomanlagen in Nordkorea zu begutachten, sagte der Sprecher von Südkoreas Präsident. An dem Testgelände Punggye Ri gibt es nach Angaben von Kim noch zwei weitere Tunnel. Ein anderer ist nach Einschätzung von Experten eingestürzt. Eine Reihe von Erschütterungen durch Raketentests hätten dazu geführt, dass die Region um das Gelände instabil geworden sei. Kim habe sich auch optimistisch über sein geplantes Treffen mit Trump geäußert, so Moons Sprecher weiter. Im Gespräch mit Nordkorea würden die USA feststellen, dass Kim niemand sei, der eine Atomwaffe auf den Süden, über den Pazifik oder auf die USA abfeuern wolle.

"Die Dinge bewegen sich in die richtige Richtung, Ort und Zeit für ein Treffen mit Nordkorea werden festgelegt", twitterte Trump am Samstagabend nach einem 75-minütigen Telefonat mit Moon. Nach südkoreanischen Angaben besprach Moon mit Trump, wo dessen Begegnung mit Kim stattfinden soll. Dabei seien zwei bis drei mögliche Orte genannt worden. Aus dem Umfeld des Präsidialamts in Seoul verlautete, das Treffen solle weder in den USA noch in Nordkorea oder der entmilitarisierten Zone zwischen den beiden koreanischen Staaten stattfinden. Einem hochrangigen US-Vertreter zufolge ist Singapur in der engeren Auswahl.

Das wegen seines Atom- und Raketenprogramms mit internationalen Sanktionen belegte Nordkorea gilt als wirtschaftlich ausgelaugt. Trump kündigte an, den Druck bis zur vollständigen Denuklearisierung beibehalten zu wollen. Er wolle die Fehler früherer Regierungen nicht wiederholen. Experten zufolge braucht Kim zur Modernisierung der maroden Wirtschaft seines Landes die Aufhebung der Sanktionen.

Russlands Präsident Wladimir Putin bot den koreanischen Staaten unterdessen Unterstützung bei ihrem Kurs der Annäherung an. In einem Telefonat mit seinem südkoreanischen Kollegen Moon sagte er am Sonntag nach Angaben des Präsidialamts, Russland sei bereit zu trilateralen Infrastruktur- und Energieprojekten auf der koreanischen Halbinsel. Moon schlug nach Angaben des südkoreanischen Präsidialamtes Putin eine gemeinsame Machbarkeitsstudie für Projekte zum Ausbau der Bahn-, Gas- und Strominfrastruktur zwischen den beiden koreanischen Staaten vor.

(APA/ag.)

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