Quelle: ZAMG

Trump kündigte Raketenangriff in Syrien an

11.04.2018 - 22:58
Der US-Präsident warnte, die "Raketen werden kommen"© APA (AFP)Der US-Präsident warnte, die "Raketen werden kommen"

US-Präsident Donald Trump hat als Vergeltung für den mutmaßlichen Giftgaseinsatz in Douma am Mittwoch einen Raketenangriff auf Syrien angekündigt. Auf Twitter schrieb er am Mittwoch, Russland habe gedroht, angreifende Raketen abzuschießen. "Mach dich bereit Russland, denn sie werden kommen, hübsch und neu und 'intelligent!'", drohte Trump. Syriens Streitkräfte räumten indes weitere Stützpunkte.

Die Äußerung Trumps wurde allgemein als Provokation Moskaus aufgefasst. Damit ist eine militärische Konfrontation der Großmächte einen Schritt näher gerückt. Eine Sprecherin des russischen Außenministeriums erklärte, "intelligente Raketen" sollten Terroristen treffen und nicht rechtmäßige Regierungen. Der russische Botschafter im Libanon, Alexander Sassypkin, hatte zuvor erklärt, dass Russland - die Schutzmacht Syriens - jegliche US-Rakete auf syrischem Hoheitsgebiet abfangen werde. Es droht eine direkte Konfrontation der beiden Atommächte.

Das ohnehin belastete Verhältnis zwischen Washington und Moskau ist damit weiter drastisch abgekühlt. Trump ging am Mittwoch sogar noch einen Schritt weiter: "Unser Verhältnis zu Russland ist jetzt schlechter, als es das je war, und das schließt den Kalten Krieg mit ein", schrieb der US-Präsident auf Twitter.

Trump gab Russland eine Mitschuld für eine Eskalation des Konflikts. Moskau dürfe sich nicht mit einem "Tier" verbünden, das mit Gas töte, fügte er hinzu und meinte damit offensichtlich den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad. Syrien reagierte äußerlich gelassen.

Ein Militärschlag ist nach Aussage des Weißen Hauses aber nicht die einzige US-Option zur Lösung der Syrien-Krise. "Es ist sicher eine Option, aber das heißt nicht, dass es die alleinige Option ist", sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, am Mittwoch in Washington. US-Präsident Trump habe eine Reihe von Möglichkeiten, nicht nur militärische. Zunächst sollten die Gespräche mit den Partnern Israel, Saudi-Arabien, Frankreich und Großbritannien fortgeführt werden.

Russlands Präsident Wladimir Putin rief zur Vernunft auf. "Die weltweite Lage wird immer chaotischer", sagte er in Moskau. "Wir hoffen, dass letztlich der gesunde Menschenverstand die Oberhand gewinnt und die internationalen Beziehungen in eine konstruktive Richtung gehen", sagte er der Agentur Interfax zufolge bei einem Treffen mit ausländischen Botschaftern im Kreml. Auf die Drohungen Trumps mit einem Angriff in Syrien ging Putin nicht ausdrücklich ein.

Die syrischen Streitkräfte räumten derweil mehrere Militärstützpunkte. Unter diesen sei auch die Militärbasis Dmeir, von der aus zuletzt die Luftangriffe der Regierung auf die belagerte Rebellenhochburg Ost-Ghouta ausgeführt wurden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Bereits am Dienstag hatte die syrische Armee damit begonnen, sich von einigen Stützpunkten zurückzuziehen, um einer möglicherweise bevorstehenden amerikanischen Attacke weniger Angriffsfläche zu bieten. Die Streitkräfte sind in volle Alarmbereitschaft versetzt worden.

Anlass des eskalierenden Konflikts ist ein mutmaßlicher Giftgasangriff in der syrischen Stadt Douma, bei dem Dutzende Menschen getötet und verletzt worden sein sollen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilte am Mittwoch mit, bei etwa 500 Patienten, die in Krankenhäusern behandelt worden seien, seien Symptome festgestellt worden, die auf einen Kontakt mit giftigen Chemikalien schließen ließen.

Der Westen macht Syriens Präsident Assad dafür verantwortlich. Syrien und Russland weisen die Vorwürfe zurück. Russland sprach von einer Inszenierung durch die Extremisten, um dem Westen einen Vorwand für ein militärisches Eingreifen zu liefern.

Trump hatte vor einem Jahr bereits als Vergeltung für einen Giftgaseinsatz in der nordsyrischen Stadt Khan Sheikhun einen Raketenangriff auf eine syrische Luftwaffenbasis angeordnet. Nach Angaben von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron könnten beide Länder nun wieder "chemische Einrichtungen unter Kontrolle des Regimes angreifen".

Den Ernst der derzeitigen Lage sieht man auch im Flugverkehr. Mehrere internationale Airlines ändern ihre Flugrouten. Air France modifizierte die Flugpläne für Reiseziele in der Nähe des Bürgerkriegslands, darunter die Städte Beirut und Tel Aviv, wie die französische Fluglinie am Mittwoch mitteilte. Auch die libanesische Fluggesellschaft Middle East Airlines kündigte ab Donnerstag abgeänderte Routen für Flüge nach Beirut an. Die Lufthansa-Gruppe erklärte, der betreffende Luftraum im östlichen Mittelmeer werde durch ihre Airlines als "Vorsichtsmaßnahme" bereits seit längerem nicht überflogen. Das gilt auch für die Austrian Airlines (AUA), wie die Fluglinie am Mittwoch mitteilte.

Die tatsächlichen Umstände des mutmaßlichen Giftgaseinsatzes in Douma sind nach wie vor unklar. Syrien bestreitet, Giftgas in Douma eingesetzt zu haben. Ein Bericht der investigativen Internetplattform Bellingcat legt aber nahe, dass die syrischen Streitkräfte den folgenschweren Angriff ausführten. Es sei "sehr wahrscheinlich", dass Dutzende Menschen bei der gemeldeten Attacke am Samstag durch einen Giftgas-Angriff von Helikoptern getötet wurden, die von einem nahen syrischen Luftwaffenstützpunkt kamen.

Flugzeug-Beobachter hätten Hubschrauber vom Typ Mi-8 Hip etwa eine halbe Stunde vor dem Angriff von der Dmeir-Basis in Richtung Ost-Ghouta losfliegen sehen. Dieselben Helikopter seien kurz vor dem Angriff in der Stadt Duma in Ost-Ghouta selbst gesichtet worden. Zudem zeige Bildmaterial nach dem Angriff einen Gaszylinder auf dem Dach eines Hauses, in dem eine große Anzahl von Toten gefunden wurde. Ähnliche Zylinder seien schon bei vorherigen Gas-Attacken von Mi-8 Hip-Hubschraubern abgeworfen worden. Experten der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) sollen die Vorwürfe demnächst vor Ort überprüfen.

(APA/dpa/ag.)

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