Quelle: ZAMG

Mehrere Berichte über mutmaßlichen C-Waffenangriff in Syrien

08.04.2018 - 15:33
Bestürzende Berichte der Rettungskräfte© APA (AFP)Bestürzende Berichte der Rettungskräfte

Bei Angriffen der syrischen Armee auf die letzte verbliebene Rebellenhochburg Duma in Ost-Ghouta sind Dutzende Menschen getötet worden. Hilfsorganisationen berichteten von einem mutmaßlichen Einsatz von Chemiewaffen. 150 Menschen sollen getötet, mehr als 1.000 verletzt worden sein. Damaskus weist einen C-Waffen-Angriff zurück. Indes wurde eine Einigung über einen Rebellenabzug aus Duma erzielt.

Nach Angaben der syrischen Hilfsorganisation Weißhelme warf ein Hubschrauber am Samstagabend eine Fassbombe mit Chemikalien über der Stadt Duma (Douma) ab. Ganze Familien seien in ihren Schutzunterkünften erstickt. Auf ihrem Twitter-Konto veröffentlichten die Helfer schockierende Fotos der mutmaßlichen Opfer.

Auch die Hilfsorganisation UOSSM geht von einem Giftgasangriff aus. Sie bezifferte die Zahl der Toten am Sonntag mit "weit über 70", befürchtet aber, dass sie auf über 100 steigen könnte. Retter hätten große Probleme, an die Opfer zu gelangen. Unter den Opfern sei eine beträchtliche Zahl von Kindern, sagte ein Sprecher. Es sei über den Geruch von Chlor berichtet worden, Retter glaubten jedoch an die Verwendung von Sarin-Gas, sagte ein Sprecher. "Das ist eine der schlimmsten chemischen Attacken in der syrischen Geschichte", erklärte der UOSSM-Vorsitzende Ghanem Tayara am Samstag. Die Berichte konnten zunächst nicht unabhängig verifiziert werden.

Der Hilfsorganisation SAMS zufolge traf eine Bombe mit Chlorgas ein Krankenhaus in Duma. Dabei seien sechs Menschen getötet worden. Ein zweiter Angriff mit verschiedenen Chemikalien habe ein Gebäude in der Nähe getroffen. Dabei seien 35 Menschen ums Leben gekommen. Die meisten Opfer seien Frauen und Kinder gewesen. Die Organisation werde mit den Vereinten Nationen sowie den Regierungen in den USA und Europa Kontakt aufnehmen. Im Internet kursierten Videos mit rund einem Dutzend Leichen von Kindern, Frauen und Männern, von denen einige Schaum vor dem Mund hatten. Die US-Regierung prüft Berichte über einen möglichen Giftgasangriff und sieht möglicherweise Handlungsbedarf.

Die syrische Nachrichtenagentur Sana verwarf die Berichte unterdessen als unwahr. "Einige Medien, die für ihre Unterstützung der Terroristen bekannt sind, haben behauptet, dass die Armee chemische Waffen in der Stadt Duma benutzt habe", hieß es da. Derartige Berichte dienten nur dazu, das Vorrücken der syrischen Armee zu hindern. Die syrische Armee war zuvor begleitet von schweren Luftangriffen auf Duma vorgerückt. Dabei waren zahlreiche Zivilisten getötet worden.

Auch die der Opposition nahe stehende Syrische Beobachterstelle für Menschenrechte teilte mit, sie könne einen Giftgaseinsatz nicht bestätigen. Die in London ansässige Organisation, die sich auf ein Aktivisten-Netzwerk in Syrien stützt, erklärte, sie habe Informationen über elf Tote in Duma. Diese Menschen seien in dichtem Rauch nach einem Angriff mit einer konventionellen Waffe erstickt.

Das russische Militär wies ebenso Vorwürfe von Aktivisten und Hilfsorganisationen zurück, nach denen die syrischen Truppen Giftgas eingesetzt hätten. Es handle sich um "fabrizierte Anschuldigungen", sagte Generalmajor Juri Jewtuschenko der Agentur Interfax zufolge. Zugleich sagte er, dass der Abzug von Rebellenkämpfern aus Duma am Sonntag wieder fortgesetzt werden solle.

Die syrische Regierung hat unterdessen nach eigenen Angaben eine Einigung mit der islamistischen Rebellengruppe Jaish al-Islam über den Abzug aus Duma erzielt. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana mitteilte, soll die Evakuierung der Rebellen innerhalb der nächsten 48 Stunden stattfinden. Der Einigung zufolge sollen die Kämpfer von Jaish al-Islam von Duma in die Rebellenhochburg Jarablus im Norden des Landes gebracht werden. Im Gegenzug für ihren freien Abzug aus Duma sollten die Rebellen mehrere Geiseln freilassen. Laut Sana fuhren am Sonntagnachmittag Dutzende Busse in die Stadt, mit denen die Kämpfer fortgebracht werden sollten.

(APA/dpa/ag.)

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