Quelle: ZAMG

Russland, Iran und Türkei wollen Waffenruhe in Syrien

04.04.2018 - 18:12
Einigkeit fürs Foto und in Sachen Waffenruhe© APA (AFP)Einigkeit fürs Foto und in Sachen Waffenruhe

Die Präsidenten Russlands, des Iran und der Türkei streben eine rasche und dauerhafte Waffenruhe im Bürgerkriegsland Syrien an. Es sei beabsichtigt, "Ruhe am Boden" zu schaffen und Zivilisten in "Deeskalations-Gebieten" zu schützen, teilten Wladimir Putin, Hassan Rouhani und Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch in Ankara mit. Die USA kündigten unterdessen ein "rasches Ende" des Syrien-Einsatzes an.

In ihrer Abschlusserklärung bekräftigten die drei Staatsführer "ihre Entschlossenheit, aktiv in Syrien zu kooperieren, um zu einer dauerhaften Waffenruhe zwischen den Konfliktparteien zu gelangen". Konkrete Schritte wurden aber nicht präsentiert. Russland, der Iran und die Türkei sind selbst militärisch in Syrien aktiv, doch setzen sie sich seit Jänner 2017 im sogenannten Astana-Prozess für ein Ende der Kämpfe ein.

Bei den Astana-Gesprächen wurde die Einrichtung von vier Deeskalationszonen vereinbart, in denen eine Waffenruhe zwischen Rebellen und Regierungstruppen gelten soll. Allerdings wurden diese Waffenruhen kaum eingehalten und in der Deeskalationszone in Ost-Ghouta sind die Rebellen nach einer wochenlangen Offensive der Regierungstruppen zum Abzug gezwungen.

Wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana am Mittwoch meldete, wurde die am Montag begonnene Evakuierung der letzten Rebellenbastion in Ost-Ghouta fortgesetzt. Zwei Busse mit Kämpfern der Rebellengruppe Jaish al-Islam und ihren Angehörigen hätten die Stadt Duma in Richtung der Stadt Jarablus an der Grenze zur Türkei verlassen, berichtete Sana.

Die Gespräche zwischen der Türkei, dem Iran und Russland finden parallel zu den Friedensverhandlungen in Genf statt, die von der UNO organisiert werden. Erdogan, Rouhani und Putin bezeichneten den Astana-Prozess nun als "die einzige effektive internationale Initiative" zur Reduzierung der Gewalt in Syrien, die zudem den Genfer Gesprächen neuen Schwung verliehen habe.

Putin forderte die internationale Gemeinschaft auf, Syrien mehr Hilfe zu leisten. "Kaum jemand tut etwas außer dem Iran, der Türkei und Russland", kritisierte der russische Präsident, dessen Streitkräfte seit Jahren mit den syrischen Regierungstruppen die Hochburgen der Rebellen belagern und Hilfslieferungen blockieren.

Erdogan betonte, die Türkei werde nicht anhalten, bevor Manbij und andere von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) kontrollierte Gebiete in Nordsyrien "sicher" seien. "Die Türkei kann keinen Frieden finden, bevor Syrien Frieden findet", sagte Erdogan, der im Jänner eine Militäroffensive gestartet hatte, um die YPG aus der nordsyrischen Region Afrin zu vertreiben.

Rouhani erklärte, der Kampf gegen "Terroristen" müsse andauern und alle Überbleibsel der Terrorgruppen müssten aus Syrien vertrieben werden. "Kein Land hat das Recht, Entscheidungen über die Zukunft Syriens zu fällen. Die Zukunft Syriens gehört dem syrischen Volk", sagte Rouhani, dessen Land Machthaber Bashar al-Assad seit Beginn des Aufstands 2011 militärisch unterstützt.

Der Dreier-Gipfel in Ankara war das zweite derartige Spitzentreffen zu Syrien nach einem Gipfel am 22. November im südrussischen Sotschi. Wie Erdogan, Putin und Rouhani ankündigten, soll der nächste Syrien-Gipfel in Teheran stattfinden. Ein Datum dazu wurde nicht genannt. Im Syrien-Konflikt sind seit 2011 rund 350.000 Menschen getötet worden. Alle Bemühungen zur Beendigung des Blutvergießens waren bisher erfolglos.

Das Weiße Haus kündigte unterdessen ein "rasches Ende" des US-Militäreinsatzes in Syrien an. Sprecherin Sarah Sanders machte am Mittwoch in einer Erklärung aber auch deutlich, dass der Abzug nicht sofort erfolgen werde. Die USA blieben zusammen mit ihren Verbündeten dem Ziel verpflichtet, die verbliebene "niedrige Präsenz" von Jihadisten der Miliz "Islamischer Staat" (IS) zu vernichten, erklärte sie. Die Jihadistenorganisation sei in dem Land bereits jetzt "fast völlig vernichtet", erklärte Sanders. Angaben zu dem Zeitplan für den US-Truppenabzug machte sie aber nicht.

(APA/dpa/ag.)

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