Quelle: ZAMG

Trump: Nordkorea verspricht Verzicht auf Raketentests

10.03.2018 - 23:09
Trump und Kim Jong-un dürften sich bald gegenüberstehen© APA (AFP)Trump und Kim Jong-un dürften sich bald gegenüberstehen

US-Präsident Donald Trump geht davon aus, dass Nordkorea seine Zusagen im Vorfeld der geplanten Begegnung mit Staatschef Kim Jong-un im Mai einhält. "Nordkorea hat seit dem 28. November 2017 keine Raketentests mehr durchgeführt und versprochen, das während unserer Treffen weiter so zu halten", twitterte Trump am Samstag. "Ich glaube, sie werden dieser Verpflichtung nachkommen!"

Der US-Präsident versuchte damit offenbar verbreiteter Skepsis entgegenzutreten, dass Kim tatsächlich zu einer Denuklearisierung Nordkoreas bereit ist. Auch hatte es bei Experten Verwunderung ausgelöst, dass Trump die am Donnerstag durch Südkorea übermittelte Einladung des Staatschefs zu einem Treffen sofort angenommen hatte - ohne weitere Sondierungen oder eine sichtbare Strategie.

So hatte Trump-Sprecherin Sarah Sanders am Freitag mit einer Äußerung, nach der Nordkorea vor einem Treffen zwischen Trump und Kim konkrete Schritte zu einer Denuklearisierung unternehmen müsse, Verwirrung ausgelöst. Das Weiße Haus war danach um die Klarstellung bemüht, dass es sich um keine zusätzlichen Vorbedingungen handle. Mit der Äußerung seien lediglich betont worden, dass es Konsequenzen hätte, wenn Kim entgegen seinen Versprechen doch wieder Tests durchführen oder versuchen würde, für Ende März geplante gemeinsame amerikanisch-südkoreanischen Militärübungen zu stören.

Trump telefonierte inzwischen auch mit dem japanischen Regierungschef Shinzo Abe. Dieser sei "sehr begeistert" über den bevorstehenden Dialog mit Nordkorea, schrieb Trump am Samstag ebenfalls auf Twitter. Zuvor hatte der Republikaner auch mit Chinas Staatschef Xi Jinping telefoniert, der ihm nach seinen Angaben seine Anerkennung darüber aussprach, "dass die USA lieber daran arbeiten, das Problem diplomatisch zu lösen anstatt die ominöse Alternative zu wählen".

Zugleich rissen die Mahnungen an den US-Präsidenten nicht ab. "Das ist nicht (Trumps frühere Reality-Serie) 'The Apprentice' oder ein Reality-TV-Event", mahnte der frühere US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Bill Richardson, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. "Das ist eine Verhandlung mit einem unberechenbaren Führer, der mindestens 20 Atomwaffen hat und die USA bedroht."

Das Treffen sei den Versuch wert, zugleich aber ein "riesiges Wagnis", sagte der erfahrene Diplomat. Er mache sich Sorgen über Trumps mangelnde Vorbereitung und "fehlende Disziplin".

Der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, bezeichnete das geplante Treffen in der "Bild"-Zeitung vom Samstag als "gute Nachricht". Ein Gespräch sei aber noch "kein Verhandlungsdurchbruch". Außerdem wäre ein Treffen Kims mit Trump ein "enormer propagandistischer Erfolg für Pjöngjang".

Die frühere US-Außenministerin Hillary Clinton - Trumps unterlegene Rivalin bei der Präsidentschaftswahl 2016 - warnte in der niederländischen Zeitung "Algemeen Dagblad", die US-Regierung sehe nicht die "Gefahr" direkter Gespräche mit Pjöngjang. Es fehle den USA derzeit an erfahrenen Diplomaten.

Schweden bot sich unterdessen als Vermittler bei möglichen Gesprächen zwischen den USA und Nordkorea über das umstrittene Atomprogramm des asiatischen Landes an. "Wenn wir irgendwie aushelfen können, werden wir es tun", sagte Ministerpräsident Stefan Löfven am Samstag in Luxemburg nach Angaben der Nachrichtenagentur TT. Wie genau Schwedens Hilfe aussehen könnte, ließ er offen.

Man wolle abwarten, bis das Land darum gebeten werde, sagte Löfven. Die schwedische Zeitung "Dagens Nyheter" berichtete unter Berufung auf anonyme Quellen, Nordkoreas Außenminister Ri Yong-ho werde bald seine schwedische Amtskollegin Margot Wallström treffen. Ein Sprecher Wallströms kommentierte diesen Bericht nicht. Er betonte aber, Schweden sei wie andere Länder an einer friedlichen Lösung des Konflikts interessiert.

Löfven verwies am Samstag darauf, dass sein Land seit den frühen 1970er-Jahren eine Botschaft in Pjöngjang unterhalte und vor Ort auch die Interessen der USA vertrete. Man müsse aber bedenken, dass die Hauptakteure in dem Konflikt die beiden Koreas sowie die USA und China seien. "Sie müssen eine Basis finden, um voranzukommen", zitierte TT den Regierungschef weiter.

Schweden hatte bereits bei der Freilassung des in Nordkorea inhaftierten US-Studenten Otto Warmbier mitgewirkt. Ende 2015 war der damals 21-jährige nach einer Gruppenreise in dem Land bei der Ausreise festgenommen und wegen "feindlicher Handlungen gegen den Staat" zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden. Wenige Tage nach seiner Rückkehr in die USA im Juni 2016 starb er - er hatte damals bereits 15 Monate lang im Koma gelegen. Bei einem Besuch Löfvens im Weißen Haus bedankte sich US-Präsident Trump am Dienstag für die damalige Hilfe Schwedens im Fall Warmbier.

(APA/ag.)

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