Quelle: ZAMG

Demonstration in Wien für Iran-Protestbewegung

06.01.2018 - 20:03
Auch in Deutschland gingen viele Iraner auf die Straße© APA (dpa)Auch in Deutschland gingen viele Iraner auf die Straße

Im Rahmen einer Demonstration haben am Samstag in Wien Hunderte Menschen ihre Unterstützung der Proteste im Iran gegen das Regime und für mehr Grundrechte gezeigt. "Österreich und die EU-Staaten müssen klar gegen das Regime im Iran Position beziehen - eine Reisewarnung reicht nicht", sagte die Veranstalterin Mahsa Abdolzadeh gegenüber der APA.

Die Grüne Bezirksrätin betonte, dass sie die Demonstration als Privatperson organisiert habe. "Diese Veranstaltung gehört keiner politischen Organisation, sondern Iranerinnen im Iran und im Exil", sagte sie auf der Veranstaltung und bat darum, auf jegliche politische und religiöse Symbole zu verzichten. "Mehrere österreichische Organisationen haben das unterstützt, das ist parteiübergreifend", fügte sie hinzu.

Tatsächlich wurden während der friedlichen Demonstration, an der sich laut Polizei 250 Personen beteiligten und laut Veranstaltern 500, kaum politische und religiöse Symbole gezeigt - die israelischen Fahnen, die einige Aktivisten entrollten, wurden nach einer kurzen Diskussion mit Abdolzadeh weggepackt. Als Symbol des Protests dienten bei einigen Teilnehmern weiße Halstücher auf Stangen. Dies verweist auf die unbekannte junge Iranerin, die vergangene Woche auf einem öffentlichen Platz ihr weißes Kopftuch abgenommen und als Fahne an eine Stange montiert hatte, um gegen die Zwangsverschleierung zu protestieren. Mittlerweile ist sie zum Symbol der Proteste gegen das Mullah-Regime geworden.

Auf der Kundgebung sprachen neben Vertretern verschiedener iranischer Menschenrechtsorganisationen, die die Veranstaltung organisiert hatten, auch Albert Steinhauser von den Grünen und Michael Genner, Obmann von "Asyl in Not". "Wenn die Menschen im Iran auf die Straße gehen, riskieren sie, geschlagen und verletzt zu werden, ihren Studien- oder Arbeitsplatz zu verlieren. Sie riskieren ihr Leben, deswegen ist es das Mindeste, dass wir hier stehen", betonte Steinhauser.

Zu den Teilnehmern gehörten viele Exil-Iraner. "In Persien herrscht Unzufriedenheit und Ungerechtigkeit. Der Iran ist ein reiches Land, aber die Regierung verwendet das Geld in Syrien und im Irak, und die Leute verhungern", so eine iranische Demonstrantin. "Die Leute sind arbeitslos und werden von den Mullahs unterdrückt, die das Geld der Menschen in die eigenen Taschen stecken", erklärte eine andere Teilnehmerin. "Es gibt keine Meinungs- und Religionsfreiheit. Ich bin konvertierte Christin und meine Regierung will mich umbringen", fuhr sie fort.

Viele Demonstranten sind zuversichtlich, dass die Proteste im Iran erfolgreich sein werden. "Dieses Mal gehen die Proteste von den Arbeitern, nicht vom städtischen Bildungsbürgertum aus", so Abdolzadeh. "Die Menschen wollen weder die Reformisten, noch die Mullahs. Sie kritisieren das gesamte System und formulieren wirtschaftliche und frauenrechtliche Forderungen und wollen keine weitere Einmischung im Syrienkrieg", erklärte sie.

Auch in den deutschen Städten Berlin und Hamburg haben am Samstag hunderte Menschen bei Kundgebungen ihre Solidarität mit den Demonstranten im Iran gezeigt. Bis zu 1.300 Menschen versammeltem sich laut dem Veranstaltern in Berlin am Brandenburger Tor. In Hamburg versammelten sich nach Polizeiangaben rund 300 Menschen und demonstrierten gegen die Machthaber im Iran.

Nach Berlin seien in 23 Reisebussen auch Teilnehmer aus Hannover, Hamburg, Köln und anderen Regionen angereist, sagte Javad Dabiran vom Nationalen Widerstandsrat Iran (NWRI), der die Demonstration organisiert hatte. "Die Menschen fordern einen Regimewechsel und das Ende der religiösen Diktatur", so Dabiran. Das müsse die internationale Gemeinschaft akzeptieren. Der Zorn der Demonstranten richtete sich gleichermaßen gegen den als reformorientiert geltenden Staatspräsidenten Hassan Rouhani und den religiösen Führer des Landes, Ayatollah Khamenei. Auf den Transparenten standen Slogans wie "Nieder mit Rouhani, nieder mit Khamenei", "Es lebe die Freiheit" und "Wir wollen das Ende der religiösen Diktatur im Iran".

Im Iran sind am Samstag den vierten Tag in Folge Tausende Unterstützer der Regierung auf die Straße gegangen. Demonstrationen zugunsten der Machthaber gab es nach Berichten des Staatsfernsehens in mehr als einem Dutzend Städten. Auf Transparenten und in Sprechchören wurden US-Präsident Donald Trump und Israel scharf angegriffen. "Tod den USA, Tod Israel" skandierten Demonstranten.

Videos in sozialen Netzwerken zeigten eine starke Polizeipräsenz in zahlreichen Städten. Seit Ende Dezember gibt es im Iran immer wieder regierungskritische Proteste. Zeitweise hatte es Demonstrationen in rund 80 Städten gegeben. Diese scheinen aber inzwischen auch wegen der massiven Verfolgung abgeflaut zu sein, wie von Reuters befragte Bewohner in verschiedenen Regionen des Landes erklärten.

Nach den Festnahmen während der jüngsten Proteste ist der Verbleib zahlreicher Menschen unklar. Mehr als 1.000 Menschen sollen während der Demonstrationen und Unruhen in mehr als 80 Städten festgenommen worden sein. Der Vizepräsident der Universität von Teheran, Majid Sarsangi, erklärte laut der Nachrichtenagentur ISNA, die Hochschule habe eine Kommission eingesetzt, um das Schicksal inhaftierter Studenten zu klären.

(APA)

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