Quelle: ZAMG

Mugabe-Rücktritt machte Weg für Neuanfang in Simbabwe frei

21.11.2017 - 22:42
Tausende feierten in den Straßen von Harare© APA (AFP)Tausende feierten in den Straßen von Harare

Zeitenwende in Simbabwe: Nach fast vier Jahrzehnten an der Macht und unter wachsendem Druck ist Simbabwes Präsident Robert Mugabe zurückgetreten und hat den Weg für einen Neuanfang frei gemacht. Bei einer Sondersitzung des Parlaments verkündete Parlamentspräsident Jacob Mudenda am Dienstag Mugabes sofortigen Rücktritt. In den Straßen der Hauptstadt Harare feierten die Menschen ausgelassen.

Ein Parteisprecher sagte, der von Mugabe gefeuerte Ex-Vizepräsident Mnangagwa solle voraussichtlich bereits am Mittwoch zum Übergangspräsidenten ernannt werden. Das Zentralkomitee der Regierungspartei Zanu-PF habe sich für Mnangagwa als Interims-Staatschef ausgesprochen.

In seinem Rücktrittsschreiben erklärte Mugabe, sein Rückzug erfolge aus freien Stücken. Grund für seinen Schritt sei seine Sorge um das Wohlergehen des Landes und sein Wunsch nach einer "glatten, friedlichen und gewaltfreien Machtübergabe".

Jahrzehntelang hatte Mugabe Simbabwe mit harter Hand und zunehmend autokratischem Führungsstil regiert. Seine Herrschaft galt lange Zeit als unangefochten. In den vergangenen Tagen überstürzten sich dann die Ereignisse: Nachdem Mugabe seinen Stellvertreter Emmerson Mnangagwa entlassen hatte, um seine Frau Grace zu seiner designierten Nachfolgerin zu machen, stellte das Militär den Präsidenten unter Hausarrest. Die Regierungspartei Zanu-PF setzte den greisen Mugabe als ihren Parteichef ab und setzte ihm eine Frist bis Montag, um freiwillig als Präsident zurückzutreten.

Nachdem Mugabe die Frist verstreichen ließ, kündigte das Parlament ein Amtsenthebungsverfahren an. Diesem kam der Staatschef nun schließlich zuvor und legte sein Amt nieder. Im Parlament begrüßten die Abgeordneten die Nachricht applaudierend.

Nach der Rücktrittserklärung brach in den Straßen der Hauptstadt Harare Jubel aus, Autos fuhren hupend durch die Straßen, Menschen tanzten ausgelassen. "Wir sind so glücklich, endlich wird sich etwas ändern", sagte die 32-jährige Togo Ndhalamlambi. "Ich bin so froh, dass Mugabe weg ist. 37 Jahre Diktatur sind kein Witz. Ich hoffe auf ein neues Simbabwe, das vom Volk regiert wird", sagte der 18-jährige Tinashe Chakanetsa.

Armeechef Constantino Chiwenga rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. Die Menschen sollten "maximale Zurückhaltung walten lassen und Recht und Gesetz einhalten", erklärte er. Chiwenga hatte den Machtwechsel in der vergangenen Woche eingeläutet, indem er Militärfahrzeuge in Harare auffahren und den Präsident unter Hausarrest stellen ließ.

Mugabe hatte das ehemalige Rhodesien 1980 in die Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Großbritannien geführt. Er war zunächst Regierungschef, bevor er 1987 Präsident wurde. Seine Gegner werfen ihm einen autoritären Regierungsstil vor und machen ihn für Jahrzehnte der Misswirtschaft verantwortlich.

Die britische Premierministerin Theresa May erklärte in einer ersten Reaktion auf Mugabes Rücktritt, damit habe das Land nun "die Möglichkeit, einen neuen Weg zu gehen - ohne die Unterdrückung, die seine Herrschaft gekennzeichnet hat".

Die USA sehen im Rücktritt Mugabes eine historische Chance für das Volk von Simbabwe. "Wir hoffen nun auf freie und faire Wahlen", sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert, am Dienstag in Washington. Unter der derzeit herrschenden Militärregierung müsse das Gesetz geachtet werden, forderte sie. Das Land könne nun seine internationale Isolation beenden und das Volk müsse selbst über seine Zukunft entscheiden können.

(APA/ag.)

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