Quelle: ZAMG

Hunderttausende Menschen bei Pro-Spanien-Demo in Barcelona

29.10.2017 - 22:41
Massendemonstration in Barcelona gegen Abspaltung von Spanien© APA (AFP)Massendemonstration in Barcelona gegen Abspaltung von Spanien

Hunderttausende Katalanen haben in der Regionalhauptstadt Barcelona gegen eine Loslösung von Spanien demonstriert. Die Angaben über die Teilnehmerzahl reichten von 300.000 bis 1,3 Millionen. Viele Demonstranten forderten in Sprechchören, dass der von Madrid für abgesetzt erklärte Regionalpräsident Carles Puigdemont "ins Gefängnis" müsse.

"Die Straßen gehören nicht nur den Anhängern der Unabhängigkeit!", sagte der Arzt Alex Ramos, einer der Organisatoren der Großkundgebung und Anhänger der spanischen Sozialisten. Nach der Ausrufung der Unabhängigkeit durch das katalanische Parlament am Freitag hatte es eine Großkundgebung der Unabhängigkeitsbefürworter gegeben.

Die Demonstranten vom Sonntag, im Schnitt offenbar älter als die vom Freitag, bejubelten jeden Hubschrauber der spanischen Polizei, der über der Menge flog. Am Freitag hingegen waren die Hubschrauber ausgebuht worden. "Katalonien, das sind wir alle!", lautete das Motto der Sonntagsdemonstration. Die katalanische Polizei gab die Zahl der Demonstranten mit 300.000 an, ein Vertreter der spanischen Zentralregierung sprach von einer Million Demonstranten, die Veranstalter von 1,3 Millionen.

Der spanische Außenminister Alfonso Dastis hob in einem Interview mit dem britischen Sender Sky News hervor, es sei kaum vorstellbar, wie die Unabhängigkeitsbefürworter in Katalonien "weiter regieren wollen". Die "Realität" dringe langsam ins Bewusstsein der Katalanen und sie würden "merken, dass sie nichts ohne die rechtsstaatliche Autorität machen können".

Puigdemont sei weiterhin der Präsident Kataloniens und werde es bleiben, hatte zuvor der ebenfalls für abgesetzt erklärte Vizepräsident Oriol Junqueras in einem Beitrag für die katalanische Zeitung "El Punt Avui" beharrt. Er unterzeichnete den Beitrag mit "Vizepräsident der Regierung Kataloniens".

Am Samstag forderte Puigdemont die Katalanen zum "demokratischen Widerstand" gegen die Zwangsverwaltung durch die Zentralregierung in Madrid auf. In einer Fernsehansprache kündigte er an, weiter für den Aufbau eines "freien Landes" zu arbeiten.

Madrid hatte nach der Unabhängigkeitserklärung die Zwangsverwaltung Kataloniens beschlossen und eingeleitet. Die spanische Vizeregierungschefin Soraya Saenz de Santamaria übernahm die Kontrolle über die Verwaltung in Katalonien. Der katalanische Polizeichef Josep Lluis Trapero wurde ebenfalls für abgesetzt erklärt. Für den 21. Dezember setzte Madrid Neuwahlen in Katalonien an.

Bereits am Montag übernimmt die spanische Zentralregierung die Amtsgeschäfte in der Region. Ministerien und Behörden nehmen in der Hauptstadt Barcelona die Arbeit unter Madrider Leitung auf. Die Zwangsverwaltung der wirtschaftsstarken Autonomen Gemeinschaft soll mindestens bis zur Abhaltung der Neuwahlen laufen.

Das Schicksal des abgesetzten Regionalpräsidenten Puigdemont blieb weiterhin unklar. Nach Medienberichten könnte der spanische Generalstaatsanwalt José Manuel Maza schon am Montag die Festnahme des liberalen Politikers anordnen. Sollte der 54-Jährige wegen Auflehnung gegen die Staatsgewalt oder gar Rebellion verurteilt werden, drohen ihm bis zu 30 Jahre Haft.

(APA/dpa/ag.)

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