Quelle: ZAMG

Inoffizielle IS-Hauptstadt Raqqa gefallen

17.10.2017 - 18:58
Raqqa war letzte wichtige IS-Bastion© APA (AFP)Raqqa war letzte wichtige IS-Bastion

Die ehemalige IS-Hochburg Raqqa ist nach monatelangen Kämpfen von der Herrschaft der Jihadisten befreit worden. Die Militäroperation der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) in der ehemals inoffiziellen Hauptstadt der Extremisten sei beendet, sagte ein Sprecher des kurdisch geführten Bündnisses. Nun werde nach letzten Widerstandsnestern der IS-Kämpfer gesucht.

Nach Schätzungen könnten sich in der Stadt noch etwa 100 IS-Kämpfer aufhalten, sagte der Sprecher der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition, Ryan Dillon, am Dienstag zu Reportern. Raqqa sei zu mehr als 90 Prozent befreit, fügte er hinzu. Der IS stehe in der Stadt "am Rande einer verheerenden Niederlage".

Mit dem Fall Raqqas verliert der Islamische Staat, der die Stadt 2014 erobert hatte, nach Mossul im Nordirak auch seine wichtigste Hochburg in Syrien. Als heimliche Hauptstadt der Extremisten war der schmucklose Ort am Fluss Euphrat Zentrum der Anschlagsplanung der mächtigsten Terrororganisation der Welt. In Raqqa, das einst mehr als 200.000 Einwohner zählte, wurden in den vergangenen Jahren nach Einschätzung westlicher Geheimdienste Angriffe globalen Ausmaßes geplant.

Nachdem sich in den vergangenen Tagen bereits Hunderte syrische IS-Kämpfer ergeben hatten, kämpften zuletzt nur noch einige Dutzend ausländische Jihadisten im Zentrum der Stadt. Tausende Zivilisten hatten aus der belagerten Stadt fliehen können.

Nach der Befreiung des nationalen Krankenhauses sowie des bedeutenden Naim-Platzes am Dienstag hielten die Extremisten am Ende nur noch ein Stadion im Zentrum. Dort hatte der Islamische Staat öffentliche Hinrichtungen ausführt. In den kommenden Tagen werden die Kämpfer die teilweise schwer zerstörte Stadt nach letzten Widerstandsnestern und Sprengfallen durchsuchen.

Die Kämpfe um Raqqa kosteten nach Angaben von Menschenrechtlern 3.250 Menschen das Leben, darunter mehr als ein Drittel Zivilisten. Nach Zählung der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte waren 1.130 der Menschen, die seit dem Sturm auf die nun eroberte Stadt im Juni starben, Unbeteiligte. Zudem würden Hunderte weitere Menschen vermisst.

Für einen Teil der zivilen Opfer dürften dabei die Luftangriffe der US-geführten Internationalen Koalition verantwortlich gewesen sein. Die Bombardements des Bündnisses trafen immer wieder auch Menschen, die nichts mit den Kampfhandlungen zu tun hatten. Es wurde auch davon berichtete, dass IS-Kämpfer Unbeteiligte als lebende Schutzschilde missbrauchten.

Der IS hatte in den vergangenen Monaten bereits die wichtigsten Teile seines Herrschaftsgebietes in Syrien und im Irak verloren, in dem er einst ein Kalifat ausgerufen hatte. Nachdem die Extremisten an fast allen Fronten zurückgedrängt wurden, bleibt ihnen als Rückzugsort neben größeren Wüstenregionen nur noch das Siedlungsgebiet am Euphrat im Grenzgebiet von Syrien und dem Irak.

Das siegreiche SDF-Bündnis wurde bei der Schlacht um Raqqa von Luftangriffen der US-geführten Internationalen Koalition sowie durch Spezialeinheiten am Boden unterstützt. Die Bombardements töteten dabei auch Hunderte Zivilisten. Die humanitäre Situation in der Stadt war in den vergangenen Monaten teilweise desaströs. Hunderttausende Unbeteiligte waren vor den Kämpfen aus der Region geflohen.

Die SDF werden von den kurdischen Volksschutzeinheiten YPG geführt, ihm gehören aber auch arabische Kämpfer an. Im November vergangenen Jahres hatten die SDF die Offensive auf Raqqa begonnen. Nachdem die Stadt eingekreist worden war, begann der Sturm auf die IS-Bastion Anfang Juni.

(APA/dpa)

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