Quelle: ZAMG

Mehr als 230 Tote nach Anschlag in Mogadischu

15.10.2017 - 16:15
Weitere Opfer wurden aus den Trümmern geborgen© APA (AFP)Weitere Opfer wurden aus den Trümmern geborgen

Bei dem schwersten Bombenanschlag in der Geschichte Somalias sind in der Hauptstadt Mogadischu am Samstag mehr als 230 Menschen getötet worden. Der Leiter des Madina-Krankenhauses, Mohamed Yusuf, bestätigte den Tod von 221 Menschen, das Erdogan-Krankenhaus sprach von weiteren zehn Toten. Zudem wurden demnach bei der Explosion einer Lastwagenbombe rund 300 Menschen verletzt.

Etliche Opfer seien aus den Trümmern der beschädigten oder zerstörten Gebäude geborgen worden, sagte der Polizist Mohamed Dahir. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Der Informationsminister Abdirahman Yarisow machte aber die sunnitische Terrormiliz Al-Shabaab dafür verantwortlich. Was genau das Ziel des Anschlags war, war zunächst unklar. In der Gegend befinden sich etliche Hotels, Läden, Restaurants und Regierungsgebäude.

In Somalia kommt es immer wieder zu Anschlägen durch Al-Shabaab. Die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida in Verbindung stehenden militanten Sunniten wollen in dem Land am Horn von Afrika einen sogenannten Gottesstaat mit strikter Auslegung des islamischen Rechts (Scharia) errichten. Eine 22.000 Mann starke Truppe der Afrikanischen Union (AU) unterstützt die somalischen Streitkräfte im Kampf gegen die Terrormiliz.

Der Lastwagen explodierte am Nachmittag vor einem Hotel unmittelbar an einer stark befahrenen Kreuzung des beliebten Geschäftsviertels Hodan. Durch die Wucht der Explosion wurden mehrere Gebäude zerstört oder schwer beschädigt, darunter die diplomatische Vertretung von Katar.

Ein Polizeibeamter, Ibrahim Mohamed, sagte, es handle sich um "das schlimmste Attentat" in der Geschichte Somalias. Demnach könnte die Zahl der Toten noch weiter steigen, da einige der Verletzten in Lebensgefahr schwebten. Mohamed sagte, die meisten der Toten seien bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Der Leiter des Sanitätsdienstes von Mogadischu, Abdukadir Haji Aden, sagte, alle Krankenhäuser seien voll mit Opfern, "das ist eine beispiellose Tragödie".

In Hodan befinden sich zahlreiche Hotels, Restaurants und Geschäfte. Das Hotel "Safari", vor dem der Lastwagen explodierte, ist bei Somaliern sehr beliebt, Regierungsvertreter sind dort aber nur selten anzutreffen. Zielscheibe von Anschlägen der Shabaab-Miliz sind in der Regel eher Hotels, in denen Regierungsmitarbeiter verkehren.

Dennoch machte Präsident Mohamed Abdullahi Mohamed die Shabaab für den Anschlag verantwortlich. Zielscheibe des "schrecklichen Angriffs der Shabaab" seien unschuldige Zivilisten und nicht Regierungsvertreter gewesen, sagte er in einer Fernsehansprache. Der Präsident ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.

Die Tat verdeutliche die Grausamkeit ihrer Urheber, die "ohne jedes Mitleid" und ohne einen Unterschied zu machen unschuldige Menschen töteten. Am Sonntag besuchte der Präsident eines der Krankenhäuser, in dem mehr als 200 Verletzte behandelt wurden.

Die mit dem Terrornetzwerk Al Kaida verbündete Shabaab-Miliz kämpft in dem Land am Horn von Afrika seit Jahren gewaltsam für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats und hat sich den Sturz der von der internationalen Gemeinschaft unterstützten Regierung zum Ziel gesetzt.

Truppen der Afrikanischen Union (AU) hatten die Miliz 2011 aus Mogadischu vertrieben. Die bewaffneten Rebellen sind aber weiterhin im Land Afrika aktiv. Neben Angriffen auf somalische oder ausländische Militärstützpunkte verüben sie immer wieder auch Anschläge in Mogadischu.

(APA/dpa)

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