Quelle: ZAMG

Erdbeben in Nordkorea wohl nicht durch Atomtest verursacht

23.09.2017 - 16:45
UNO-Experten glauben an natürliche Ursache für das Beben© APA (AFP)UNO-Experten glauben an natürliche Ursache für das Beben

Das Erdbeben am Samstag in Nordkorea ist vermutlich nicht durch einen erneuten Atomtest des kommunistischen Staates ausgelöst worden. Das südkoreanische meteorologische Institut und internationale Atomtestbeobachter gingen von einer natürlichen Ursache aus. Die leichten Erdstöße wurden unweit einer nordkoreanischen Atomtestanlage registriert und hatten Befürchtungen über einen Nukleartest geweckt.

Die chinesische Bebenwarte schloss nicht aus, dass die Erschütterungen durch eine Explosion ausgelöst wurden. Es seien keine seismischen akustischen Wellen gemessen worden, wie sie im Falle eines menschlich herbeigeführten Bebens entstanden wären, erklärte ein Vertreter des meteorologischen Instituts in Seoul. Das Institut gab die Stärke des Bebens in der nördlichen Provinz Hamgyong mit drei an. Dort befindet sich auch die nordkoreanische Atomtestanlage Punggyeri. Auch nach Informationen der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo wird auch in Japan davon ausgegangen, dass es sich um ein natürliches Beben handeln dürfte.

Auch nach Einschätzung der norwegischen Erdbebenwarte Norsar wurde das Erdbeben wahrscheinlich nicht von einem neuen Nukleartest ausgelöst. Die bisher ausgewertete seismischen Signale sprächen eher für ein Nachbeben oder Felseinsturz als für einen neuen Atomtest, teilte Norsar am Samstag mit.

Die Erschütterungen seien geringer gewesen als bei zuletzt ausgeführten Atomtests, erklärte die in Wien ansässige Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO). Bei dem bisher größten nordkoreanischen Atomtest am 3. September war die Stärke des nachfolgenden Bebens bei 6,3 gelegen.

"Die seismischen Aktivitäten waren wahrscheinlich nicht menschengemacht", twitterte der CTBTO-Vorsitzende Lassina Zerbo. Die Ursache werde aber weiter untersucht. Das russische Katastrophenschutzministerium erklärte, im nahegelegenen Wladiwostok sei keine erhöhte Radioaktivität gemessen worden.

Die US-Bebenwarte USGS teilte mit, sie könne noch keine eindeutige Aussage zu dem Beben treffen. Chinesische Experten bezifferten seine Stärke mit 3,4 und sprachen von einer "vermuteten Explosion", ohne aber weitere Details zu nennen. Nordkorea selbst äußerte sich zunächst nicht.

In der Vergangenheit hatten Beben in Nordkorea auf nukleare Tests hingedeutet. Nordkorea hatte erst am Freitag mit dem Test einer Wasserstoffbombe gedroht. Damit reagierte es auf erneute Verbalattacken von US-Präsident Donald Trump in einer Rede vor der UNO-Vollversammlung. Nordkorea hat in der Vergangenheit ungeachtet internationaler Sanktionen wiederholt Atomtests ausgeführt und Raketen getestet. Die sechs bisherigen Atomtests Nordkoreas wurden alle auf dem Gelände Punggye-ri in der Provinz Nord-Hamgyong durchgeführt.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte unterdessen angesichts zunehmend scharfer Töne im Konflikt um Atomtests Nordkoreas erneut eine diplomatische Lösung ein. "Jede Art von militärischer Lösung würde in ein großes Unglück führen", sagte Merkel am Samstag bei einem CDU-Wahlkampftermin in Berlin. Sie bekräftigte das Angebot zu einem Engagement Deutschlands für eine friedliche Lösung.

(APA/dpa/ag.)

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