Quelle: ZAMG

Suche nach mutmaßlichem Haupttäter von Spanien läuft

20.08.2017 - 16:48
In der Sagrada Familia wurde der Terroropfer gedacht© APA (AFP)In der Sagrada Familia wurde der Terroropfer gedacht

Drei Tage nach den Anschlägen in Barcelona und Cambrils läuft die Fahndung nach dem mutmaßlichen Haupttäter auf Hochtouren. Die Polizei wisse nicht, ob sich der 22-jährige Marokkaner noch in Spanien aufhalte, teilte die katalanische Polizei am Sonntag mit. In ganz Katalonien wurden Straßensperren errichtet.

Aufgrund des Funds von 120 Gasflaschen geht die Polizei davon aus, dass die Terrorzelle von Barcelona eigentlich "einen oder mehrere" Bombenanschläge geplant hatte. Der gesuchte 22-jährige Younes Abouyaaqoub soll laut Medienberichten am Donnerstagnachmittag den Lieferwagen in die Menschenmenge auf der Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona gesteuert haben.

Die katalanische Polizei erklärte indes, es stehe weiterhin nicht fest, wer den Lieferwagen gefahren habe. Es sei unklar, ob sich der gesuchte 22-Jährige noch in Spanien befinde, sagte der katalanische Polizeichef Josep Lluis Trapero am Sonntag.

Die zwölfköpfige Terrorzelle soll von den Orten Ripoll und Alcanar in Katalonien aus agiert haben. In Alcanar hätten die Verdächtigen mindestens 120 Gasflaschen für "einen oder mehrere Anschläge" in der katalanischen Hauptstadt gehortet, teilte die Polizei mit. Die Gasflaschen hätten sich auf einem Anwesen in Alcanar befunden, wo durch eine Explosion in der Nacht zum Donnerstag die ursprünglichen Anschlagspläne durchkreuzt worden seien.

Die Attentäter hatten daraufhin mit Fahrzeugen die zwei Anschläge in Barcelona und Cambrils am Donnerstag und in der Nacht auf Freitag verübt, bei denen insgesamt 14 Menschen getötet und mehr als 120 verletzt worden waren. Zu der Terrorzelle zählte den Ermittlungen zufolge ein marokkanisches Bruderpaar - der 17-jährige Moussa Oukabir, der zusammen mit vier weiteren mutmaßlichen Attentätern in Cambrils erschossen wurde, und sein 27-jähriger Bruder Driss Oukabir, der in Ripoll festgenommen wurde. Der 17-Jährige war zunächst als möglicher Fahrer des Lieferwagens bei dem Anschlag in Barcelona genannt worden.

Trotz des flüchtigen mutmaßlichen Haupttäters sei die Terrorzelle "zerschlagen", sagte der Innenminister der katalanischen Regionalregierung, Joaquim Form, am Sonntag. Zu den Anschlägen in Barcelona und Cambrils hatte sich die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt.

In Ripoll wurde am Samstag die Wohnung des Imams Abdelbaki Es Satty durchsucht, der nach Informationen der Zeitung "El País" möglicherweise bei der Explosion in Alcanar getötet wurde. Es Sattys Mitbewohner sagte laut Agenturberichten, er habe den Imam am Dienstag zum letzten Mal gesehen. Der islamische Geistliche habe ihm gesagt, dass er seine Frau in Marokko besuche.

In Ripoll lebten die meisten Mitglieder der Terrorzelle. Laut Medienberichten war der Imam der spanischen Polizei bekannt. Er soll selbst wegen kleinerer Straftaten im Gefängnis gewesen sein und habe dort Häftlinge getroffen, die an dem verheerenden islamistischen Anschlag von Madrid 2004 beteiligt waren.

Inzwischen liegen noch 54 Terroropfer verletzt im Krankenhaus, wie die katalanischen Notfalldienste mitteilten. Zwölf Patienten seien in kritischem Zustand, 25 weitere schwer verletzt - darunter viele Ausländer. Zwei Deutsche befinden sich in Lebensgefahr. Laut Außenministerium gibt es derzeit keine Hinweise auf Österreichern unter den Todesopfern, eine Frau aus Österreich wurde leicht verletzt.

Traurige Gewissheit nach dem Terroranschlag: Ein australischer Bub, dessen Schicksal seit der Todesfahrt auf dem Boulevard "Las Ramblas" als ungewiss galt, ist tot. Die katalanischen Notfalldienste teilten mit, sie hätten den Siebenjährigen als eines der Opfer der Attacke identifiziert. Die Mutter war bei dem Attentat schwer verletzt und von ihrem Kind getrennt worden.

Der Vater war am Samstag nach Spanien gereist. Spanische Medien berichteten, die Polizei habe den Tod des Buben nicht bestätigen wollen, bevor der Vater in Barcelona eingetroffen sei. Weiter wurden auch der Tod eines Italieners und eines Belgiers bestätigt.

In der Basilika Sagrada Familia in Barcelona nahmen am Sonntag rund 2.000 Menschen, unter ihnen auch König Felipe, der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy und der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont, an der Trauerfeier für die Opfer der Terroranschläge in Katalonien teil. Die Feier "für den Frieden" wurde vom Erzbischof von Barcelona, Juan José Omella, geleitet. Die Messe begann um kurz nach 10.00 Uhr mit feierlicher Orgelmusik.

Auf den Dächern rund um die berühmte Kirche von Gaudi waren Scharfschützen postiert, am Boden patrouillierten schwerbewaffnete Polizisten. Vor der Basilika versammelten sich hunderte Menschen.

Die Bürger von Barcelona wollen am kommenden Samstag mit einer Großdemonstration gegen Terrorismus und extremistische Gewalt protestieren. Zu der Kundgebung hätten Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau und der katalanische Regierungschef Puigdemont aufgerufen, berichtete die Zeitung "La Vanguardia" am Sonntag. Sie stehe unter dem Motto "No tinc por" - Katalanisch für: "Ich habe keine Angst."

Der Satz war bereits kurz nach dem Attentat auf dem beliebten Boulevard Las Ramblas mit 14 Toten erstmals aufgetaucht. Er gilt seither als Symbol für den Widerstand der Bevölkerung und ihren Willen, sich vom Terror nicht einschüchtern zu lassen. Die Demonstration soll am kommenden Samstag um 18.00 Uhr beginnen und an der Placa de Catalunya enden.

(APA/dpa/ag.)

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