Quelle: ZAMG

Kim lenkt im Streit um Raketentests vor US-Gebiet Guam ein

15.08.2017 - 20:42
Kim will Washington beobachten© APA (AFP/KCNA VIA KNS)Kim will Washington beobachten

Im Atomkonflikt mit den USA rückt Nordkorea offenbar vorerst von seinen Angriffsplänen auf die Umgebung des US-Außengebiets Guam ab. Er wolle das Verhalten Washingtons "noch etwas länger beobachten", ließ der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un am Dienstag über die staatliche Nachrichtenagentur KCNA verlautbaren. China sprach von einem "Wendepunkt" und forderte eine Rückkehr zum Dialog.

Laut KCNA ließ sich Kim am Montag vom Militär ausführlich über die Pläne informieren, Raketen in Richtung der Pazifikinsel Guam abzuschießen, auf der die USA mehrere Stützpunkte unterhalten. Anschließend kündigte er demnach an, die Pläne für derartige Tests zunächst zurückzuhalten. Gleichzeitig rief er die USA auf, alle Provokationen gegen sein Land "sofort" zu stoppen, andernfalls werde Nordkorea seinen Angriffsplan umsetzen.

Um die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel zu entschärfen und einen "gefährlichen militärischen Konflikt" zu vermeiden, müssten die USA als erste "eine geeignete Option" unterbreiten und darauf Taten folgen lassen, wurde Kim zitiert.

Damit spielte er möglicherweise auf großangelegte Militärmanöver der USA und Südkoreas an, die noch in diesem Monat beginnen sollen. Pjöngjang hat derartige Übungen in der Vergangenheit immer wieder verurteilt und im Gegenzug für ein Ende der Militärmanöver ein Moratorium für weitere Atom- und Raketentests angeboten. Washington und Seoul halten aber an den Übungen fest.

Nordkorea und die USA hatten die gegenseitigen Drohungen im Atomstreit zuletzt immer weiter verschärft. US-Präsident Donald Trump hatte gewarnt, die USA würden "mit Feuer und Wut" auf neuerliche Raketentests reagieren. Nordkorea drohte daraufhin mit einem Angriff nahe Guam.

Beobachter werteten Kims jüngste Äußerungen vom Dienstag als Zeichen der Deeskalation. Auch China sprach von einem "Wendepunkt" in dem Konflikt. Jetzt sei die Zeit gekommen, um "zu Friedensgesprächen zurückzukehren", sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking. Es komme nun darauf an, dass alle Beteiligten "dazu beitragen, das Feuer zu löschen, anstatt Öl ins Feuer zu gießen". Der chinesische Nordkorea-Experte Jian Qiangyi von der Yanbian Universität sagte, Kim wolle Spannungen abbauen. "Es ist ein Rückzieher."

Die chinesische Außenamts-Sprecherin lobte zugleich einen Beitrag von US-Verteidigungsminister James Mattis und US-Außenminister Rex Tillerson im "Wall Street Journal". Darin schrieben sie, die USA hätten "kein Interesse an einem Regimewechsel" in Pjöngjang. Beide Seiten müssten den Worten nun Taten folgen lassen, forderte sie.

Jian betonte, dass sich Pjöngjang in dem Konflikt wenig um seinen traditionellen Verbündeten und großen Nachbarn China schere. "Der Schlüssel liegt bei den USA", sagte der Experte.

Südkoreas Präsident Moon Jae-in sagte am Dienstag, Seoul wolle einen Krieg auf der Koreanischen Halbinsel um jeden Preis vermeiden. Ohne das Einverständnis Südkoreas könne es keine Entscheidung für einen Militäreinsatz geben.

Auf Guam lösten die jüngsten Äußerungen Kims Erleichterung aus. Beamte sprachen von "beinahe ekstatischen" Reaktionen, nachdem der nordkoreanische Machthaber von seinen Drohungen abgerückt sei.

Zuvor hatte ein falscher Alarm die Einwohner Guams in Angst und Schrecken versetzt. Knapp eine halbe Stunde nach Mitternacht, um 0.25 Uhr (Ortszeit), sendeten am Dienstag Radio- und Fernsehsender der Insel versehentlich eine Gefahrenwarnung ohne genauere Informationen. Es habe sich um "menschliches Versagen" gehandelt, teilte ein Sicherheitsberater mit.

Nach dem vorläufigen Einlenken des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un im Tauziehen mit Washington drängen China und Russland auf Friedensgespräche zur Beilegung des Konflikts. Aus dem chinesischen Außenministerium hieß es am Dienstag, alle Beteiligten sollten jetzt dazu beitragen, den Brand zu löschen statt noch mehr Öl ins Feuer zu gießen.

Das russische Außenministerium teilte nach einem Telefongespräch zwischen den Außenministern Sergej Lawrow und Wang Yi mit, es sei dabei um Möglichkeiten gegangen, "aus der Konfrontationsspirale auf der koreanischen Halbinsel herauszukommen".Zuvor hatte Kim erklärt, vorläufig keine Raketen auf die Umgebung des US-Außengebiets Guam abschießen lassen zu wollen.

Nach den Worten von US-Außenminister Rex Tillerson ist Washington "weiterhin" an einem Dialog mit Nordkorea interessiert. Der Ball befinde sich allerdings in Kims Feld. Tillerson hatte zuvor bereits gemeinsam mit Pentagon-Chef Jim Mattis Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Als Bedingung für Verhandlungen nannte er aber Belege für Nordkoreas guten Willen - etwa die "sofortige Einstellung von Provokationen" wie Atomwaffen-, Raketen- und andere Rüstungstests.

(APA/dpa/ag.)

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