Quelle: ZAMG

Täter nach Terroralarm in Stockholm weiter flüchtig

07.04.2017 - 23:29
Nach dem Täter wird gefahndet© APA (AFP)Nach dem Täter wird gefahndet

Nach dem Lkw-Anschlag in Stockholm fahndet die Polizei weiter nach dem Täter. Ein am Freitagabend in einem Vorort von Stockholm festgenommener Mann sei nicht derjenige, der den Lkw durch eine Menschenmenge in der Innenstadt gesteuert habe, erklärte ein Polizeisprecher bei einer Pressekonferenz.

Der Festgenommene hat sich nach Angaben der Polizei am Abend in einem Geschäft auffällig verhalten. Deshalb sei eine Polizeistreife auf ihn aufmerksam geworden und habe ihn festgenommen. Die Person stimme mit dem Mann überein, der auf einem Bild unweit des Tatorts aufgetaucht war. "Wir haben eine Anzahl von Personen kontrolliert, die interessant waren, und vor einer Weile eine Person festgenommen, an der wir besonders interessiert sind", hieß es.

Die Polizei geht von einem Terroranschlag aus, bestätigte der Sprecher auf der Pressekonferenz. "Wir haben eine Arbeitshypothese, dass das hier eine Terrortat ist", sagte Sprecher Stefan Hector. Ein weiterer Sprecher sagte: "Wir haben eine Anzahl von Personen kontrolliert, die interessant waren, und vor einer Weile eine Person festgenommen, an der wir besonders interessiert sind."

Laut der Nachrichtenagentur TT teilte die Polizei zudem mit, bei der Attacke seien vier Personen ums Leben gekommen. Zunächst war von drei Todesopfern die Rede. Am Abend hieß es bei den Stockholmer Behörden, eine Person sei im Krankenhaus gestorben. Es würden zudem 15 Verletzte behandelt, darunter auch Kinder. Neun Personen seien schwer verletzt. Von betroffenen Österreichern war zunächst nichts bekannt.

Am Nachmittag war ein Lkw im Zentrum der Hauptstadt in eine Menschenmenge gerast. Die Polizei fahndete mit einem Foto nach einem Mann, der einen grauen Kapuzenpullover trug. Sie schloss nicht aus, dass weitere Personen involviert waren. Die Polizei warnte die Bevölkerung davor, in die Innenstadt zu kommen.

Der Angriff ereignete sich auf der Straße Drottninggatan, einer auch bei Touristen beliebten Einkaufsmeile. Dort raste ein Lastwagen in ein Kaufhaus. Augenzeugen berichteten, der Lkw sei in Zick-Zack-Linien auf Menschen zugefahren. "Er hat Menschen getroffen, es war furchtbar", sagte ein Australier. "Er hat einen Kinderwagen mit einem Kind darin getroffen, zerstört." Auf der Straße lagen mit Tüchern abgedeckte Körper. Bei dem Lastwagen handelte es sich um einen Bier-Transport. Er sei gestohlen worden, teilte der Sprecher einer Brauerei mit. Ein maskierter Mann sei ins Führerhaus gesprungen, habe den Motor gestartet und sei davongefahren.

Zahlreiche Polizei- und Krankenwagen eilten ins Stadtzentrum. Dort war die Lage insgesamt sehr angespannt. Der U-Bahn-Verkehr wurde auf Anweisung der Polizei vorerst eingestellt und der Hauptbahnhof evakuiert. Auch der gesamte Zugverkehr von und zum Hauptbahnhof der schwedischen Metropole wurde für den Rest des Tages ausgesetzt. Auch der Verkehr zwischen Schweden und Dänemark über die Öresund-Brücke wurde nach Angaben der Betreiber zeitweise beschränkt, offenbar um Fahndungsmaßnahmen der schwedischen Polizei zu unterstützen. Die Polizei erklärte, es habe keinen Hinweis auf einen unmittelbar bevorstehenden Anschlag gegeben.

Die Hintergründe der Tat blieben zunächst unklar. Regierungschef Stefan Löfven sagte aber, alles deute auf einen "terroristischen Akt" hin: "Schweden ist angegriffen worden." Die Attacke erinnert an eine Reihe von Anschlägen, bei denen Anhänger der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) in den vergangenen Monaten mit Fahrzeugen in Menschenmengen gerast waren. Im Dezember hatte ein Attentäter einen Laster auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin gelenkt und zwölf Menschen getötet. In London kamen im März fünf Menschen vor dem britischen Parlament ums Leben. Eine weitere Attacke in Nizza brachte im Sommer vergangenen Jahres 86 Menschen den Tod.

Der schwedische König Carl Gustav zeigte sich entsetzt: "Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien", erklärte das Staatsoberhaupt.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte in Brüssel: "Ein Angriff auf einen unserer Mitgliedsstaaten ist ein Angriff auf uns alle." EU-Ratspräsident Donald Tusk twitterte: Schweden könne auf jede erdenkliche Hilfe bauen. "Mit dem Herzen bin ich an diesem Nachmittag in Stockholm." Die Vereinten Nationen verurteilten den mutmaßlichen Anschlag in der schwedischen Hauptstadt Stockholm.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen nannte den mutmaßlichen Terroranschlag eine "entsetzliche, verabscheuungswürdige Tat". "Mein Mitgefühl ist bei den Opfern und ihren Angehörigen", schrieb er auf Facebook. Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) schrieb auf Facebook: "Fürchterliche Nachrichten aus Schweden. (...) Unsere Gedanken sind bei den Hinterbliebenen der Opfer." Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) schrieb auf Facebook: "Ich verurteile den hinterhältigen Terroranschlag (...) Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Familien und Freunden. Wir trauern mit ihnen." Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) zeigte sich "tief betrübt über die tragischen Ereignisse" in Stockholm. "Stehen in dieser Stunde der Trauer SWE-Freunden bei; werden allen Formen des Terrorismus gemeinsam begegnen", formulierte er auf Twitter.

Der burgenländische ÖVP-Klub war zum Zeitpunkt des Gewaltakts gerade zu Besuch in Stockholm. Er habe die Ereignisse "hautnah" miterlebt, berichtete Landesparteiobmann Thomas Steiner im Gespräch mit der APA. Er und etwa 20 weitere Mitreisende seien gerade in einem Restaurant eine Straße weiter gewesen, als sie "viel Bewegung" und "laufende Menschen" auf der Straße bemerkt hätten. Hubschrauber seien gekreist und er habe gesehen, wie eine verletzte Frau vorbeigetragen wurde, erzählte der Parteichef. Polizei und Soldaten hätten alles abgesperrt und sie seien ins nahegelegene Hotel geschickt worden. Von den Mitreisenden sei niemand betroffen. "Wir haben Glück gehabt", so der Parteichef.

Das Innenministerium hat nach Angaben von Ressortsprecher Karl-Heinz Grundböck "aktuell keinen Hinweis auf irgendeinen Bezug zu Österreich", was den Anschlag in Stockholm betrifft. "Hinweise auf eine konkrete Bedrohungssituation in Österreich bestehen derzeit nicht", ergänzte er.

(APA/dpa)

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