Quelle: ZAMG

Mehrere Tote und Verletzte bei Doppelanschlag in London

22.03.2017 - 22:56
Rund um das Parlamentsgebäude wurde abgesperrt© APA (AFP)Rund um das Parlamentsgebäude wurde abgesperrt

Am Jahrestag der Anschläge von Brüssel sind bei einem Angriff in London vor dem britischen Parlament und auf der Westminister Brücke vier Menschen getötet und mindestens 20 verletzt worden. Die Polizei erklärte, sie gehe bis auf weiteres von einem terroristischen Vorfall aus. Unter den Toten seien ein Polizist und der mutmaßliche Angreifer, sagte Terrorabwehrchef Mark Rowley.

Der genaue Hergang war zunächst unklar. Die Behörden gingen bis Mittwochabend von einem Einzeltäter aus. Er stach Augenzeugen zufolge auf einen Polizisten unmittelbar vor dem Parlamentsgebäude ein, bevor er von anderen Beamten niedergeschossen wurde. Auf der nahe gelegenen Westminster Brücke raste laut Behörden ein Auto in eine Gruppe Menschen. Die Polizei verstärkte ihre Einheiten in der gesamten Hauptstadt und rief die Öffentlichkeit auf, die Gegend rund um das Parlament zu meiden. Premierministerin Theresa May setzte eine Krisensitzung ihres Sicherheitsstabs an.

Viele Details waren zunächst unklar. Ein Journalist der "Daily Mail" sagte dem Lokalradiosender LBC, er habe gesehen, wie ein Angreifer durch offene Pforten auf das Parlamentsgelände gerannt sei. Er sei auf einen Polizisten mit etwas losgegangen, das wie ein Stock ausgesehen habe. "Der Polizist fiel zu Boden und das war ziemlich schrecklich anzusehen." Dann sei der Angreifer Richtung Eingang zum Unterhaus gerannt, der von den Abgeordneten genutzt werde. "Er kam etwa 20 Meter weit bevor zwei Typen in Zivil mit Waffen auf ihn schossen." Die laufende Parlamentssitzung wurde sofort unterbrochen. Reuters-Reporter hörten laute Knallgeräusche. Kurz darauf sahen sie, wie zwei Menschen am Boden in einem Hof auf dem Parlamentsgelände lagen. Zahlreiche bewaffnete Polizisten stürmten in das Gebäude.

Auf der Westminster Brücke, die über die Themse führt, boten sich ebenfalls schreckliche Szenen. Eine Frau, die zum Zeitpunkt des Geschehens in einem Reisebus saß, der die Brücke überquerte, sagte Sky News, sie habe gesehen, wie ein Auto plötzlich außer Kontrolle geraten sei. "Und dann fuhr es in Fußgänger auf der Brücke." Die Rettungsdienste seien eingetroffen. Menschen seien in alle Richtungen gerannt. Ein Reuters-Fotograf sagte, er habe mindestens ein Dutzend Verletzte auf der Brücke gesehen. Einige bluteten stark, und eine Person lag offenbar unter einem Bus.

Mehrere Opfer hätten "katastrophale Verletzungen" erlitten, zitierte die Nachrichtenagentur Press Association einen Arzt aus dem St. Thomas Krankenhaus, das gegenüber vom Parlament auf der anderen Flussseite liegt. Die Regierung in Paris teilte mit, drei Verletzte seien Franzosen. Lokalmedien zufolge handelte es sich um Schüler im Alter von 15 oder 16 Jahren. Die Jugendlichen seien auf der Brücke von einem Auto angefahren worden. Eine Frau wurde schwer verletzt aus der Themse gezogen, wie die Londoner Hafenbehörde mitteilte.

Premierministerin May verurteilte den Doppelanschlag beim Parlament in London als "krank und verkommen". Die Menschen in Großbritannien würden Terror niemals nachgeben, das Leben werde wie gewohnt weitergehen, sagte May bei einer Ansprache am Mittwochabend in London. "Morgen früh wird das Parlament zusammentreten wie immer."

May kündigte am Abend an, dass die Terrorwarnstufe in Großbritannien trotz des Doppelanschlags nicht erhöht wird. Nach einer Sitzung mit ihrem Sicherheitskabinett im Regierungssitz Downing Street in London bestätigte sie auch, dass es sich bei dem Angreifer um einen Einzeltäter handelte.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel reagierte ebenfalls bestürzt auf die mutmaßlichen Terroranschläge von London und sagte den Briten Solidarität im Anti-Terror-Kampf zu. "Auch wenn der Hintergrund dieser Taten noch präzise aufzuklären ist, bekräftige ich für Deutschland und seine Bürger: Im Kampf gegen jede Form von Terrorismus stehen wir fest und entschlossen an der Seite Großbritanniens".

"Ich denke in diesen Stunden in Anteilnahme und Solidarität an unsere britischen Freunde und an alle Menschen in London", erklärte Merkel am Mittwoch in Berlin. Sie habe mit Bestürzung von den Angriffen auf Polizisten und Passanten im britischen Parlament und in dessen Nähe erfahren, schrieb Merkel in der Erklärung.

Österreichs Politiker verurteilten die Anschläge in London Mittwochabend umgehend in den Sozialen Medien. Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ), Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) und Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) äußerten ihr Mitgefühl für die Opfer und deren Angehörige.

US-Präsident Donald Trump telefonierte nach der Terrorattacke in London mit Premierministerin Theresa May und sagte ihr volle Unterstützung zu. Wie der Sprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, weiter sagte, lässt sich Trump über die Ereignisse und Ermittlungen auf dem Laufenden halten. Zuvor hatte auch US-Außenminister Rex Tillerson im Namen der USA kondoliert. Die USA verurteilten diese "schrecklichen Gewaltakte, und ob sie von gestörten Einzelpersonen oder von Terroristen ausgeführt wurden, für die Opfer macht das keinen Unterschied".

(APA/ag.)

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