Quelle: ZAMG

Gefangene in Syrien systematisch gefoltert und getötet

07.02.2017 - 14:41
Bürgerkrieg in Syrien© APA (AFP)Bürgerkrieg in Syrien

In Syrien werden laut Amnesty International Häftlinge systematisch gefoltert und getötet: Jede Woche würden im Militärgefängnis Saydnaya bei Damaskus bis zu 50 Häftlinge unter völliger Geheimhaltung erhängt, berichtet die Menschenrechtsorganisation. Bis zu 13.000 Gefangene seien so ermordet worden, dazu kämen Tausende Tote, die durch Hunger, Durst, Folter oder Misshandlung umgekommen seien.

Der Bericht stützt sich auf Recherchen eines Jahres: Von Dezember 2015 bis Dezember 2016 führte AI ausführliche Interviews mit insgesamt 84 Personen. Amnesty sprach mit ehemaligen Häftlingen, Gefängnispersonal und Offizieren von Saydnaya, syrischen Anwälten und Richtern sowie internationalen Experten. Zudem wurden Satellitenbilder ausgewertet, die neue Massengräber zeigen.

Syriens Regierung setze die Gefangenen in Saydnaya zudem bewusst unmenschlichen Haftbedingungen aus, kritisierte Amnesty. So komme es zu Folter, Vergewaltigungen oder dem Entzug von Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung. Durch diese "Vernichtungspolitik" sei eine riesige Zahl an Häftlingen getötet worden. Dem Bericht zufolge wurden die Insassen vor der Hinrichtung in Schnellverfahren von einem Militärgericht zum Tode verurteilt.

AI geht davon aus, dass im Zeitraum von September 2011 bis Dezember 2015 zwischen 5.000 und 13.000 Gefangene - in der großen Mehrheit Zivilisten - erhängt wurden. Hohe Regierungsvertreter, Militärs und Geheimdienstpersonal sind laut AI in die systematischen Hinrichtungen involviert. Bereits im August 2016 hatte AI dokumentiert, dass in syrischen Gefängnissen - namentlich in Saydnaya - mindestens 17.000 Gefangene getötet wurden.

Die im Zuge der neuen Recherchen gesammelten Zeugenaussagen der wenigen Menschen, die durch Bestechung oder durch eine präsidentielle Amnestie aus Saydnaya herausgekommen sind, bestätigten die systematische Folter und Erniedrigungen, Vergewaltigungen sowie Nahrungs- und Wasserentzug, schreibt AI.

Bei diesen Praktiken handle es sich um Verbrechen gegen die Menschlichkeit, erklärte Amnesty weiter. Sie seien von höchster Stelle der syrischen Regierung genehmigt worden. Ziel sei es, jede abweichende Meinung in der syrischen Bevölkerung zu vernichten. Es gebe starken Grund zur Annahme, dass dies bis heute weitergehe.

Das Papier erhöht den Druck auf die Regierung in Damaskus. "Der Bericht sollte ein Neustart für eine Diskussion über das sein, was wir seit fünf Jahren sagen: dass das Regime ein kriminelles Regime ist", erklärte ein Sprecher des Oppositionsbündnisses Nationale Syrische Koalition, Ahmed Ramadan, am Dienstag.

Amnesty International forderte die Vereinten Nationen zu einer Untersuchung auf. Internationale Beobachter müssten Zugang zu syrischen Gefängnissen erhalten, sagte Markus N. Beeko, Generalsekretär von Amnesty in Deutschland. Ramadan erklärte, in den Gefängnissen des Regimes seien Tausende ohne Prozess hingerichtet worden. Die meisten seien willkürlich festgenommen worden.

Nach Schätzungen syrischer Menschenrechtler sind seit 2011 sogar bis zu 50.000 Menschen in Regierungsgefängnissen gestorben, viele durch Folter. Vor drei Jahren waren mehr als 50.000 Fotos von Toten veröffentlicht worden, die ein früherer Militärfotograf mit dem Decknamen Caesar 2013 aus dem Land geschmuggelt hatte. Die Bilder zeigen Tausende ausgemergelte Leichen mit schweren Misshandlungsspuren.

(APA)

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