In den vergangenen Monaten hat Wissenschaftsministerin Karl die Universitäten angesichts der Budgetkonsolidierung auf eine Stagnation ihrer Budgets ab 2013 vorbereitet. Nun will sie für mehr Geld kämpfen und meldet einen zusätzlichen Finanzbedarf von mindestens 250 Mio. Euro pro Jahr ab 2013 an. Auch der Präsident der Universitätenkonferenz Hans Sünkel bezeichnet die Uni als unterfinanziert.
Die Universitäten bräuchten "dringend eine solide und nachhaltige Finanzierung auf deutlich höherem Niveau als derzeit, wir sind schlicht und ergreifend weit unterfinanziert", erklärte der Präsident der Universitätenkonferenz. Sünkel bezifferte im Gespräch mit der APA den Finanzbedarf der Unis ab 2013 mit "zumindest 300 Mio. Euro pro Jahr, exklusive der für Bauten notwendigen Mittel", die von Karl geforderten Studiengebühren hielte er für "ein nettes Add on". Studiengebühren werden vom Koalitionspartner SPÖ klar abgelehnt. Für SPÖ-Klubobmann Cap werden Studiengebühren "mit der SPÖ auch nicht wieder eingeführt". Österreich habe ohnehin zu wenig Akademiker. Das Bildungssystem sei "noch immer sozial zu selektiv", Studiengebühren würden die Situation verschärfen.
Karl bezifferte den Finanzbedarf mit 750 Mio. Euro für die Jahre 2013 bis 2015 - oder rund elf Prozent mehr als in der laufenden Leistungsvereinbarungsperiode 2010 bis 2012. Gibt es ab 2013 keine neuen Gelder, müssten Unis geschlossen oder Professoren entlassen werden, sagte Karl. Unischließungen will Sünkel "nicht einmal andenken, das sollte man nicht einmal im entferntesten in den Kopf bekommen". Es gebe im Uni-Bereich sicher "da und dort Effizienzsteigerungsmöglichkeiten", diese seien aber im gesamten öffentlichen Bereich möglich, und zwar in wesentlich größerem Umfang. Auch die Ankündigung, Professoren entlassen zu müssen, nimmt Sünkel nicht ernst. Das könne nur symbolisch gemeint sein. "Kein Mensch würde daran denken, das tatsächlich umzusetzen".
"Eine finanzielle Katastrophe" - oder in Zahlen ausgedrückt: 800 Euro pro Semester - würde nach Berechnungen des Verbands Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) der Vorschlag von Wissenschaftsministerin Karl für die Studenten bedeuten. Die Vertreter des VSStÖ gehen davon aus, dass die von Karl kolportierte Finanzierungslücke von "zumindest 250 Millionen Euro pro Jahr" ab 2012 im Universitätsbudget mit Studiengebühren finanziert werden soll.
In der derzeit laufenden Leistungsvereinbarungsperiode erhalten die Unis rund 6,51 Mrd. Euro - das ist laut Daten des Ministerium ein Zuwachs von knapp zehn Prozent gegenüber der vorangegangenen Periode 2007-2009, die wiederum einen Zuwachs von rund zwölf Prozent gegenüber 2004 bis 2006 eingebracht hatte.
(APA)

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