Quelle: ZAMG

Dienstleistungsscheck entwickelt sich langsam

05.09.2010 - 10:47
Scheck sollte Schwarzarbeit bekämpfen© APAScheck sollte Schwarzarbeit bekämpfen

Der Dienstleistungsscheck, ein Prestigeprojekt des damaligen Wirtschaftsminister Bartenstein, beginnt sich langsam zu entwickeln. Wurden in der Anfangsphase des Projekts zur Legalisierung etwa von Putzfrauen und Gartenarbeitern kaum 100.000 Euro pro Monat eingenommen, sind es mittlerweile deutlich über 200.000, geht aus den jüngsten Zahlen des Sozialministeriums hervor.

Trotzdem wird der Großteil dieser Haushaltshilfstätigkeiten schwarz erledigt. Pfusch-Experte Friedrich Schneider von der Uni Linz geht von einem Faktor acht aus. Im Juni dieses Jahres haben insgesamt 2.359 Personen einen Dienstleistungsscheck eingelöst. Der Gesamtwert der in Zahlung gebrachten Scheine betrug 225.799 Euro. Das heißt, ein Beschäftigter kam im Schnitt auf monatlich gut 100 Euro. Schneider, der zahlreiche Studien zur Schattenwirtschaft veröffentlicht hat, ist überzeugt, dass diese Summe nicht dem wahren Einkommen entspricht, der Rest also schwarz bezahlt wird. Besonders gerne schwarz gearbeitet laut Schneider beim Putzen - 90 Prozent würden hier schwarz gemacht.

Dass der Dienstleistungsscheck noch immer nicht so recht in Fahrt kommt, liegt nach Ansicht Schneiders an den Rahmenbedingungen. Am besten wäre es nach Ansicht des Linzer Uni-Professors, wenn der Scheck einfach bei einer Trafik oder einer Bank einzulösen wäre. Derzeit ist das nicht möglich. Zwar kann der Dienstgeber die Dienstleistungsschecks bei Trafiken oder Postämtern erwerben, die Auszahlung erfolgt aber durch die Gebietskrankenkassen.

Der Dienstleistungsscheck ist auch so konstruiert, dass nicht jegliche Tätigkeit damit entlohnt werden kann. Jene mit längerer Ausbildung - also etwa Pflege - kann nicht auf diesem Gebiet entlohnt werden.

Laut Schneider-Studie richtet die Schattenwirtschaft erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden an: Im Vorjahr lag der Pfusch bei 20,50 Mrd. und soll heuer sogar auf 21,32 Mrd. oder 8,67 Prozent des offiziellen BIP wachsen.

(APA)

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