Quelle: ZAMG

Pädagogik-Paket wurde mit Regierungsparteien beschlossen

12.12.2018 - 16:00
ÖVP und FPÖ verteidigten das Pädagogikpaket© APAÖVP und FPÖ verteidigten das Pädagogikpaket

Das Pädagogik-Paket ist am Mittwoch mit den Stimmen der Regierungsparteien ÖVP und FPÖ beschlossen worden. Damit werden unter anderem die Ziffernnoten und das Sitzenbleiben ab der zweiten Klasse wieder eingeführt. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) hatte zuvor die Maßnahmen einmal mehr verteidigt. Er sprach von einem insgesamt "runden Paket". Kritik gab es von der Opposition.

Eine "klare Notensystematik" sowie transparente Leistungskriterien würden wieder eingeführt, lobte Faßmann das Pädagogik-Paket der Regierung. Dabei gebe es kein "entweder, oder", sondern ein "sowohl, als auch", erwähnte er individuelle Beurteilungen, die ebenso stattfänden. Die Klassenwiederholung sei "manchmal auch sinnvoll". Nicht zuletzt freute sich der Minister über vereinzeltes Lob der Opposition, etwa beim freiwilligen zehnten Schuljahr.

Zwar erkannte SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid auch positive Aspekte im Pädagogik-Paket, etwa freiwilliges zehntes Schuljahr und verpflichtender Förderunterricht, der Rest sei jedoch "ein Rückschritt ins 20. Jahrhundert". "Was sagt Ihnen 'Befriedigend'? Nicht wirklich viel", meinte sie in Richtung Regierungsfraktionen zu den Ziffernnoten. Das Paket sei ideologische Parteipolitik auf dem Rücken der Kinder.

"Natürlich ist unsere Entscheidung, die wir hier treffen, eine politische Entscheidung", belehrte Rudolf Taschner von der ÖVP seine Vorrednerin - "denn es behandelt die Polis", sei also eine Entscheidung für die Gesellschaft. Mit Ziffernnoten werde "eine klare und präzise Aussage getroffen", den Lehrern komme dabei eine "gutachterliche Tätigkeit" zu. Zudem sei das Paket "eigentlich nur ein Gerüst", das noch mit Leben erfüllt werde.

"Dass wir im Schulsystem längst was machen müssen, da sind wir uns einig", bekannte Douglas Hoyos-Trauttmansdorff (NEOS). Was allerdings nicht genüge, seien "Retro-Schritte", sprach er ebenfalls die Wiedereinführung der Ziffernnoten an. Er sieht darin "inhaltsleere Symbolpolitik", vielmehr müsse man den Pädagoginnen und Pädagogen vor Ort vertrauen und ihnen die pädagogische Autonomie geben.

Der freiheitliche Abgeordnete Wendelin Mölzer sah in seinem Redebeitrag vor allem die "sozialistische Bildungspolitik" mit verantwortlich, dass Kinder in der Schule schlecht abschneiden. Mit dem Pädagogik-Paket habe man eine Kursumkehr geschafft und den Weg einer "ideologiemotivierten Schulpolitik" verlassen, "abseits von Kuschel- und Wohlfühl-Pädagogik im 68er-Stil".

Für Stephanie Cox von der Liste Jetzt (vormals Liste Pilz) ist eine "positive Grundhaltung gegenüber dem Lernen" ein wichtiges Element für das Erlernen von Neuem - und weniger Ziffernnoten und Sitzenbleiben. Sie forderte Empathie, Kreativität und Lösungskompetenz ein - "was die Regierung im Moment macht, erinnert mich eher an Law and Order". Der Druck auf Lehrer, Schüler und Eltern werde damit erhöht.

Das Pädagogik-Paket bringt an Volksschulen die Wiedereinführung von Ziffernnoten und des Sitzenbleibens ab der zweiten Klasse. An den Neuen Mittelschulen (NMS), die das "Neue" aus dem Namen verlieren, wird es ab der sechsten Schulstufe (2. Klasse) zwei unterschiedliche Leistungsniveaus ("Standard" und "Standard-AHS") geben, und zwar mit zwei einander überlappenden Notenskalen. Schulautonom erhalten die NMS die Möglichkeit, zur Leistungsdifferenzierung ab der sechsten Schulstufe in Deutsch, Mathe und Englisch dauerhafte Gruppen einzurichten.

Die Debatte der "Dringlichen Anfrage" der NEOS war schlicht eine Fortsetzung der Aussprachen über die diversen Schuldebatten unmittelbar davor. NEOS-Klubobfrau Beate Meinl-Reisinger regte sich über die Bildungspolitik der Regierung auf, Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) wies das zurück.

Ganz im Gegenteil zählte der Ressortchef auf, was er schon alles auf den Weg gebracht hat, etwa die neue 15a-Vereinbarung zu den Kindergärten, die Deutschförderklassen, das 10. freiwillige Schuljahr und die Bildungsdirektionen. Dass er Expertenmeinungen negiere, bestritt der Minister. So habe sich erst zuletzt beim Hearing zum Schulpaket gezeigt, dass es eben eine Diversität wissenschaftlicher Einschätzungen gebe, was die Notengebung angehe.

In der Begründung der "Dringlichen" hatte Meinl-Reisinger ein vernichtendes Bild der Bildungspolitik der Regierung gezeichnet. Sie erkannte keine Innovation und vermisste den Blick über den Tellerrand zu erfolgreichen Bildungssystemen im Ausland. Die Schulpolitik werde vielmehr von parteipolitischem Machtkalkül geleitet statt vom Ansatz, was evidenzbasiert die beste Lösung sei. Damit produziere man arbeitslose Menschen, die dadurch auch noch Kosten verursachten. Es sei das größte Verbrechen, dass nicht jedes Kind mitgenommen werde.

(APA)

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