Quelle: ZAMG

Neuer Höchststand bei Kinderbetreuungsplätzen

02.07.2018 - 17:25
26,1 Prozent der unter Dreijährigen in Kindertagesheim© APA26,1 Prozent der unter Dreijährigen in Kindertagesheim

Die Zahl der Kinderbetreuungsplätze hat einen neuen Höchststand erreicht. Im Kindergartenjahr 2017/18 besuchen laut Statistik Austria insgesamt 68.168 Kinder unter drei Jahren eine Kinderbetreuungseinrichtung. Einen neuen Rekordwert bedeuten auch die 236.779 betreuten Drei- bis Fünfjährigen.

Seit 2008 die erste Vereinbarung zwischen Bund und Ländern über Förderungen für den Ausbau der Kinderbetreuung abgeschlossen wurde, hat sich die Anzahl der betreuten unter Dreijährigen mehr als verdoppelt. Der Zuwachs im Zehnjahresvergleich beträgt 40.148 Kinder (+143,3 Prozent). Mittlerweile besucht bereits jedes vierte Kind (26,1 Prozent) dieser Altersklasse ein Kindertagesheim. 2007/2008 waren es noch 11,8 Prozent. Bei den Drei- bis Fünfjährigen betrug der Zuwachs im gleichen Zeitraum 29.128 Kinder (14,0 Prozent).

Bei den unter Dreijährigen gab es in den vergangenen zehn Jahren in allen Bundesländern starke Zuwächse. Den größten Anstieg wies Oberösterreich auf, dort hat sich die Anzahl der betreuten Plätze mit aktuell 7.347 Kindern sogar fast verdreifacht (+198,2 Prozent). Auch in Niederösterreich und in der Steiermark wurde mit +185,9 Prozent bzw. +183,8 Prozent ein deutlicher Anstieg verzeichnet. Trotz der Zunahme werden in Oberösterreich und in der Steiermark - gemessen an der Wohnbevölkerung - aber nach wie vor die wenigsten Kinder unter drei Jahren in Kindertagesheimen betreut (16,1 Prozent bzw. 14,8 Prozent). In Wien war die Betreuungsquote in dieser Altersklasse immer schon weit höher als in anderen Bundesländern, derzeit beträgt sie 44,2 Prozent. Neben Wien liegt nur noch das Burgenland (31,4 Prozent) deutlich über dem Österreich-Durchschnitt von 26,1 Prozent.

Nach den einzelnen Jahresklassen betrachtet, besucht österreichweit mehr als die Hälfte der Zweijährigen eine Kinderbetreuungseinrichtung (52,4 Prozent), bei den Einjährigen liegt die Betreuungsquote bei 23,6 Prozent. Von den Kindern, die das erste Lebensjahr noch nicht vollendet haben, sind 2,5 Prozent in einem Kindertagesheim untergebracht.

Die Betreuungsquote der Drei- bis Fünfjährigen, die ein Kindertagesheim bzw. als vorzeitig Eingeschulte bereits eine Schule besuchen, liegt derzeit österreichweit bei 93,7 Prozent (2007/08: 85,8 Prozent). Das Burgenland mit 97,8 Prozent und Niederösterreich mit 97,1 Prozent weisen dabei die höchsten Werte auf, Kärnten (88,1 Prozent) und die Steiermark (88,2 Prozent) liegen klar unter dem Österreich-Durchschnitt.

Familienministerin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) sah sich durch die aktuellen Daten bestätigt. "Speziell der Anstieg bei den unter Dreijährigen zeigt uns, dass genau hier weiterhin investiert werden muss. Im Zuge der 15a-Verhandlungen wird der Ausbau für die unter Dreijährigen daher auch im Fokus stehen", so Bogner-Strauß. Derzeit finden zwischen den beteiligten Ministerien die letzten Abstimmungen dazu statt, hieß es weiters. Man rechne mit einer "zeitnahen Einladung" zur nächsten Verhandlungsrunde an die Bundesländer.

Die SPÖ sieht die Regierung beim Ausbau der Kinderbetreuung säumig. "Wir haben in den letzten Jahren viel erreicht, aber jetzt hat Schwarz-Blau die Stopptaste gedrückt", kritisierte Frauenchefin Heinisch-Hosek am Montag angesichts aktueller Zahlen der Statistik Austria. Ministerin Bogner-Strauß unternehme überhaupt nichts gegen den von ihr konstatierten Stillstand.

"Lächerliche 1.000 Euro wurden von der schwarz-blauen Bundesregierung für das nächste Jahr budgetiert", so die SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende. Statt sich ausschließlich über die Wiener Kindergärten Gedanken zu machen, solle sich die Ministerin für den österreichweiten Ausbau der Kinderbetreuungsplätze stark machen. Gerade am Land fehlten immer noch viele Kindergartenplätze, würden zu Mittag schließen oder hätten viele Schließtage in den Ferien.

Mehr Planungssicherheit und eine nachhaltige Finanzierung forderten die Gemeinden im Zusammenhang mit der Entwicklung der Kinderbetreuungsplätze. Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl wünschte sich einen raschen Abschluss der entsprechenden 15a-Verhandlungen zwischen Bund und Ländern.

"Die Gemeinden planen jetzt fürs nächste Kindergartenjahr und wenn wir das Angebot der Kinderbetreuung sichern und auch ausbauen wollen, brauchen die Gemeinden jetzt Klarheit und Finanzierungssicherheit über mehrere Jahre hinweg", so Riedl. Ohne Einigung auf eine 15a-Vereinbarung sei das bestehende Kinderbetreuungsangebot gefährdet und der weitere Ausbau kaum möglich, warnte der Gemeindebundpräsident.

(APA)

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