Quelle: ZAMG

Matthias Strolz zieht sich von NEOS-Parteispitze zurück

07.05.2018 - 22:57
Strolz ist bald nicht mehr NEOS-Chef© APA (Hochmuth)Strolz ist bald nicht mehr NEOS-Chef

Matthias Strolz hat nach nur sechs Jahren genug von der Politik und hebt die Flügel, um den Pinken davonzufliegen. Er legt in den nächsten Monaten alle politischen Funktionen zurück und scheidet aus dem Nationalrat. Das kündigte der 44-Jährige überraschend am Montag in einer Erklärung an. Er begründete diesen Schritt mit dem Ruf seines Herzens.

Als Favoriten für seine Nachfolge werden die Wiener NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger und der stellvertretende Klubobmann Nikolaus Scherak genannt. Aber auch der Medienmanager und NEOS-Mitbegründer Veit Dengler könnte Strolz nachfolgen.

Der neue Parteichef der NEOS wird jedenfalls auch den Parlamentsklub der Partei anführen. Das stellte Generalsekretär Nikola Donig am Montagabend bei einem "Runden Tisch" im ORF klar. Wer für diese Positionen nominiert wird, soll am Mittwoch in einem erweiterten Vorstand entschieden werden.

Strolz' Rücktritt erfolgt "schrittweise und geordnet". Er wird bis Ende Juni den Parteivorsitz und bis zum Herbst die Führung des Parlamentsklubs abgeben. Danach wird er aus dem Nationalrat ausscheiden und sich völlig aus der Politik zurückziehen.

Strolz hatte die NEOS im Oktober 2012 gegründet und im Jahr darauf in den Nationalrat geführt. Voriges Jahr sind die NEOS zum zweiten Mal ins Parlament eingezogen. Der Rückzug ist auch deshalb überraschend, weil die Pinken heuer in drei von vier Landtagswahlen erfolgreich waren und in Salzburg sogar vor dem Einzug in die Landesregierung stehen.

Strolz selbst nannte aber genau das als einen der Gründe für seinen Rücktritt. Die Aufbauphase der Partei sei erfolgreich absolviert, nun stehe die nächste Wachstumsphase bevor. Das Ziel für die nächsten zehn Jahre sei es, zu einer 20-Prozent-Partei zu wachsen.

"Ich liebe Politik", sagte Strolz. Und er habe vor sieben Jahren auf den Ruf seines Herzens gehört und mit den NEOS "eine politische Kraft der Mitte" in Österreich etabliert. Am Beginn sei die Angst größer als die Lust gewesen. "Aber die Lust ist größer geworden." Anfang 2012 habe man mit dem Aufbau der Partei begonnen. "Und aus einer Idee ist rasch eine Bewegung geworden."

Keiner hätte den NEOS diesen Erfolg in nur sechs Jahren zugetraut, so Strolz. "Mit der Wahl in Salzburg ist unsere Pionierphase, unsere Aufbauphase zum Abschluss gekommen. Wir haben in den letzten sechs Jahren an 30 Wahlen teilgenommen. Ich war immer mitten drinnen und vorne dabei. Seit Jahresbeginn habe ich zunehmend Klarheit darüber bekommen, dass 2018 das Jahr meiner Amtsübergabe sein wird. So wie mich mein Herz in die Aufgabe einer Parteigründung gerufen hat, so sagt mir die Stimme meines Herzen nun, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, die Führungsverantwortung zu übergeben."

Seine Zukunft sei offen "und ich will es offen halten", sagte Strolz. Er habe "einige Buchprojekte im Kopf". "Ich bin nicht Passagier, ich bin der Pilot meines Lebens. Ich werde ein Feld weiterziehen. Wie das Feld heißt, weiß ich nicht." Am Ende seiner Erklärung bedankte sich Strolz mit Tränen in den Augen, "dass mir das Leben diese Aufgabe mit auf dem Weg gegeben hat".

Die politische Konkurrenz zollte dem scheidenden NEOS-Chef Anerkennung. "Respekt und alles Gute für die Zukunft. Sie waren ohne Zweifel ein Bereicherung für die österreichische Politik. Der Erfolg der NEOS ist zweifellos in höchstem Maße Ihnen zu verdanken", sagte SPÖ-Chef Christian Kern.

"Mit Matthias Strolz verlieren die NEOS, aber auch die Opposition insgesamt, einen wortgewaltigen Politiker, der zu bewegen wusste," sagte Peter Kolba, Klubobmann der Liste Pilz. "Wir wünschen Matthias Strolz alles Gute auf seinem weiteren Lebensweg."

Der Bundessprecher der Grünen, Werner Kogler, zollt Strolz "aufrichtige Anerkennung": "Matthias Strolz hat mit seinem erfrischenden und konstruktivem Auftreten einen wichtigen Beitrag für Österreichs Politik geleistet." Der Grüne unterstrich besonders das Engagement des NEOS-Chefs für eine vertiefte und weitreichende Bildungspolitik und seinen Einsatz für Chancengerechtigkeit für alle jungen Menschen.

"Die parlamentarische Zusammenarbeit mit Matthias Strolz war stets von einem offenen Dialog geprägt." Strolz' politische Arbeit sei durch einen Kurs der Entbürokratisierung und der Reformorientierung gekennzeichnet, er habe seine politischen Anliegen mit Authentizität und Leidenschaft verfolgt, sagte ÖVP-Klubobmann August Wöginger.

FPÖ-Klubobmann Walter Rosenkranz wünschte Strolz für seine persönliche und berufliche Zukunft alles Gute. "An Leidenschaft wird es bei ihm wohl nicht mangeln."

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sagte Strolz Montagnachmittag via Twitter "Vielen Dank" für den Einsatz in der Politik, "für deine Leidenschaft bei vielen Themen und auch für deine durchaus kritische Stimme".

NEOS-Allianzpartnerin Irmgard Griss zollte Strolz laut einer Aussendung "Anerkennung und tiefen Respekt" für seinen für österreichische Verhältnisse "absolut ungewöhnlichen Schritt". Sie sah sich in ihrem ersten Eindruck bestätigt, dass "das ein Politiker ist, der Mensch geblieben ist, dem es nicht um persönliche Macht, sondern um das Gemeinwohl geht".

(APA)

Home
Politik
Chronik
Wirtschaft
Sport
Kultur
Society
Life
Reise
Motor
Hightech