Quelle: ZAMG

Stichwahl-Kandidaten in Salzburg wollen sauberen Wahlkampf

27.11.2017 - 13:34
Handshake zwischen Preuner und Auinger© APA (Gindl)Handshake zwischen Preuner und Auinger

In der Stadt Salzburg sind am Montag die Vorbereitungen für die Bürgermeisterstichwahl in zwei Wochen angelaufen. Die beiden Kandidaten hofften im APA-Gespräch, am 10. Dezember auch die Wähler jener Parteien mobilisieren zu können, die es gestern nicht in die Stichwahl geschafft haben. Sie wollen dazu ihr Profil schärfen und die Unterschiede zu ihrem jeweiligen Konkurrenten besser herausarbeiten.

ÖVP-Vizebürgermeister Harald Preuner (er kam im ersten Wahlgang auf 35,01 Prozent) und sein SPÖ-Herausforderer Bernhard Auinger (31,88 Prozent) betonten aber, weiter sachlich bleiben zu wollen. "Jetzt auf Dirty Campaigning zu schwenken, wäre abschreckend und würde die Wahlbeteiligung weiter senken. Die Bürger wollen Lösungen", sagte Preuner. Auch Auinger ging nicht davon aus, dass der Wahlkampf nun untergriffiger werde. "Ich möchte auf jeden Fall sachlich bleiben. Ich denke, das ist im Sinne der Wähler." Zugleich stellten sich die beiden Kandidaten auf intensive Wahlkampftage ein. Sie wollen mit ihren Unterstützern vorwiegend auf Telefonate, Hausbesuche, Verteilaktionen und die persönliche Präsenz auf der Straße setzen.

"Die Herausforderung ist, diejenigen, die uns gestern die Stimme gegeben haben, erneut zur Wahl zu bringen", sagte Preuner. "Und wir wollen natürlich für die Wähler der anderen Parteien ein Angebot sein." Dazu gelte es, die Unterschiede zu Auinger herauszuarbeiten und auf die eigenen Stärken zu verweisen. "Mein Vorteil ist klar die langjährige Erfahrung, was ich als interimistischer Bürgermeister auch bewiesen habe." Er wolle neben den allgegenwärtigen Themen wie Verkehr und Wohnen auch verstärkt über Sicherheit und Wirtschaft reden.

"Wenn statt sechs nur mehr zwei Kandidaten im Rennen sind, spitzt es sich thematisch zu", betonte auch Auinger. Er sei der klar modernere, innovativere und jüngere Kandidat und wolle damit auch die Wähler der Grünen, der NEOS, der FPÖ und die von Christoph Ferch ansprechen. Unterschiede zu Preuner ortet er nicht nur bei der Bildung und Kinderbetreuung, vor allem in der Kulturpolitik stehe er um 180 Grad anders da.

Die Wahlbeteiligung ist gestern mit 43,79 Prozent auf den niedrigsten Wert seit Einführung der Bürgermeisterdirektwahl im Jahr 1999 gesunken. Die Ursache ortete der Salzburger Politologe Reinhard Heinisch im APA-Gespräch in gleich mehreren Faktoren. Die Stadtpolitik sei nicht besonders gespalten, der Wahlkampf "lau" und der Spätherbst als Wahltermin nicht so optimal gewesen. Dass sich Umfragen zufolge bereits eine Stichwahl zwischen Preuner und Auinger abzeichnete, habe vor allem bei den Gelegenheitswählern der Eindruck erweckt, sie könnten mit ihrer Stimme nichts mehr bewirken.

Die Stichwahl könnte für den Wähler spannender werden, wegen des Kopf-an-Kopf-Rennens zwischen Preuner und Auinger sei die Situation offener, erklärte der Politologe. Mit "Wohlfühlmottos" auf Wahlplakaten wie im bisherigen Wahlkampf seien vermutlich keine Wähler anderer Parteien oder Gelegenheitswähler anzulocken, meinte Heinisch. Bei der Mobilisierung der Wähler rechnete Heinisch für Auinger "leichte strukturelle Vorteile" aus. Im Gegensatz zu Preuner habe dieser aufgrund seines geringeren Bekanntheitsgrades "noch Luft nach oben".

Umfragen zufolge würden NEOS-Anhänger auch mit der SPÖ liebäugeln, und von den Grün-Wählern könnte auch ein größerer Anteil zur SPÖ wechseln. FPÖ-Wähler hingegen würden weniger bereit sein, einem Kandidaten einer anderen Partei ihre Stimme zu geben. Zudem sei in der Stadt Salzburg ein Bürgermeister einer Mitte-Links-Partei Tradition. "Preuner startet hingegen von einer größeren Basis aus", so Heinisch. Denn das klassische, konservative Bürgertum in der Stadt, werde wieder zur Wahlurne gehen.

Wahlkarten für die Stichwahl können übrigens ab heute bestellt und ab Dienstag persönlich abgeholt werden. Für Verwunderung sorgte am Montag im Wahlamt auch, dass zwar 7.593 Salzburger eine Wahlkarte beantragten haben, also durchaus bekundeten, wählen zu wollen, ein Sechstel davon ihre Stimme schließlich aber nicht abgab. Zwar würden erfahrungsgemäß einige wenige Dutzend Stimmen zu spät einlangen, eine Erklärung für die Diskrepanz habe man aber nicht. Auffällig war gestern auch die geringe Zahl an ungültigen Stimmen: Hatten 2014 im ersten Wahlgang 5,6 Prozent ungültig gewählt, waren es gestern nur mehr 0,64 Prozent.

(APA)

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