Quelle: ZAMG

Österreich wählt einen neuen Nationalrat

15.10.2017 - 16:50
6,4 Millionen Österreicherinnen und Österreicher zur Wahl aufgerufen© APA6,4 Millionen Österreicherinnen und Österreicher zur Wahl aufgerufen

Trotz Traumwetters im ganzen Land dürfte die Nationalratswahl am Sonntag bei starker Beteiligung ablaufen. Aus praktisch allen Ländern wurde reger Zulauf in die Wahllokale vermeldet. Die Spitzenkandidaten zeigten sich allesamt demonstrativ zuversichtlich.

Im Innenministerium reagierte man am Nachmittag verärgert darauf, dass auf einzelnen Social-Media-Accounts Zwischenergebnisse oder gar Hochrechnungen publiziert werden. Diese seien "purer Nonsens". Es gebe für diese Daten keinerlei Grundlage. Überall, wo entsprechende Meldungen kursierten, werde das BMI mit einer Klarstellung antworten.

Wer Favorit des Urnengangs ist, konnte man problemlos an der Zahl der anwesenden in- und ausländischen Kamerateams bei den jeweiligen Stimmabgaben ablesen. Nicht bei Amtsinhaber Christian Kern tummelten sich die Journalistentrauben sondern bei ÖVP-Obmann Sebastian Kurz, der allen Umfragen zu Folge gute Chancen auf Platz eins hat.

Dies focht freilich Kern, der in Begleitung seiner Frau nach einem Morgen-Lauf im Wahllokal in Wien-Neubau erschien, nicht wirklich an. Er sei voll Optimismus: "Wir haben uns eine längere Feier vorgenommen", so der SPÖ-Chef, dessen Partei in den vergangenen Tagen wieder Zuversicht geschöpft hatte.

Herausforderer Kurz schritt wenig später in seinem Heimatbezirk Meidling zur Urne und blieb beim Wording seiner Wahlkampagne. Er hoffe "auf ein gutes Ergebnis, damit echte Veränderung möglich wird", sagte der ÖVP-Chef nach der Stimmabgabe. Den Wahltag will er bis zum Vorliegen der Ergebnisse wie Kern mit der Familie verbringen. Der SPÖ-Vorsitzende möchte allerdings nebenbei noch den ein oder anderen Blick auf das Spiel seines Lieblingsfußballvereins Austria werfen, der am Nachmittag bei Sturm Graz gastiert.

Zeit mit der Stimmabgabe ließ sich wie meist FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache, der erst am Nachmittag in seinem Herkunftsbezirk Landstraße sein Kreuzerl machte. Klarerweise demonstrierte auch der Chef der Freiheitlichen Zuversicht. Strache hofft auf Zugewinne, gehe sich das beste freiheitliche Ergebnis, also gut 27 Prozent aus, wäre das eine erfreuliche Überraschung.

Stimmen die Meinungsumfragen, dürfte es bei den Grünen am Sonntagabend lange Gesichter geben. Davon ließ sich Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek aber nicht den Vormittag verderben. "Ich bin zuversichtlich, dass das Ergebnis besser wird, als es in den letzten Tagen und Wochen in den Umfragen war", sprach Lunacek und entschwand zu einem philharmonischen Konzert.

"Wir haben alles getan, was zu tun ist", befand NEOS-Spitzenkandidat Matthias Strolz, dessen Partei gemäß Umfragen den Wiedereinzug in den Nationalrat durchaus schaffen sollte. Dass er auch am Sonntag noch glaubte, die Reise in Richtung Zweistelligkeit antreten zu können, war gemäß der zuletzt publizierten Daten allerdings mutig.

Nicht mehr ganz so siegessicher war Peter Pilz. Der Ex-Grüne versucht es ja diesmal mit einer eigenen Liste: Ob er den Einzug ins Parlament schaffen würde, wisse er nicht: "Ein paar Stunden vor der Wahl verflüchtigt sich jede Gewissheit".

Auch das Staatsoberhaupt schritt zur Wahlurne: Bundespräsident Alexander van der Bellen gab am Vormittag zusammen mit Gattin Doris Schmidauer in der Volksschule Spalowskygasse in Wien-Mariahilf seine Stimme ab. Es sei "viel möglich", meinte Van der Bellen auf Fragen von Journalisten nach dem möglichen Wahlausgang. Er traue den vielen Umfragen "nicht sehr".

Er hoffe jedenfalls auf eine hohe Wahlbeteiligung, denn: "Wählen ist kein Luxus, sondern Pflicht". Auf die Frage, ob er eine Regierungsbeteiligung der FPÖ angesichts der sehr kritischen Position der Freiheitlichen zu EU akzeptieren würde, meinte Van der Bellen, er lege "großen Wert auf eine proeuropäische Regierung". Österreich sei in der Union "besser aufgehoben, die Folgen der Brexit-Entscheidung der Briten müssten allen zu denken geben.

Zum Prozedere nach der Wahl erklärte der Bundespräsident, dass er jedenfalls am Dienstag die derzeitige Bundesregierung nach deren Demissionierung mit der Fortführung der Geschäfte beauftragen werde. Ansonsten werde in der kommenden Woche "viel telefoniert und gesprochen".

Aufregung ganz anderer Art gab es in zwei Wahllokalen. Im oststeirischen Hartberg verschüttete ein 77-Jähriger, der mit der Politik "unzufrieden" ist, einen mitgebrachten Kanister mit Benzin. Passanten hinderten ihn daran, den Treibstoff anzuzünden. Davor hatte der Mann auch noch die Wahlbeisitzer mit einem Taschenmesser bedroht. In einem kleinen Ort im Bezirk Melk musste die Wahl für 20 Minuten unterbrochen werden, weil ein potenzieller Wähler diese gestört hatte.

Im Gegensatz zu früheren Nationalratswahlen werden die bereits ausgezählten Ergebnisse diesmal auch nicht an Medien vor dem Wahlschluss 17 Uhr weiter gereicht. Dies gilt auch für die Wahlbeteiligung. Damit dürfte es diesmal ein wenig länger als sonst dauern, bis valide Ergebnisse vorliegen.

(APA)

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