Quelle: ZAMG

Kern bleibt bei Inserate-Boykott gegen "Österreich"

26.09.2017 - 12:47
Kern bleibt standhaft© APA (Archiv)Kern bleibt standhaft

Bundeskanzler und SPÖ-Chef Christian Kern bleibt bei seinem Interview- und Wahlkampfinserate-Boykott gegenüber der Tageszeitung "Österreich". "Irgendwo gibt es Grenzen", sagte Kern am Dienstag bei einer Pressekonferenz zur Berichterstattung des Blattes. "Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner verteidigte indes den Abdruck eines internen Papiers, das Kern u.a. ein "Glaskinn" attestiert hatte.

Kern räumte bei einem Pressetermin auf Nachfrage ein, dass der von ihm verkündete Boykott die in dem Papier erhobenen Unterstellungen durchaus befeuern könnte: "Das wird es wohl werden, aber ich sehe das in größter Gelassenheit." Gleichzeitig betonte der SPÖ-Vorsitzende, dass er bei seiner Linie bleibe: "Ich denke, die Kollegen haben da mehrfach Grenzen überschritten, bis zu einem Punkt, wo ich sagen muss, ja, ich nehme das zur Kenntnis, dass man das dort so macht. Aber dann bitte ich auch zur Kenntnis zu nehmen, dass das für mich kein Medium ist, über das ich mit den Österreichern und Österreicherinnen kommunizieren möchte. Ich sehe das ganz gelassen, da ist jeder seines Glückes Schmied."

Vorteile erwartet sich Kern durch seinen Schritt keine, im Gegenteil: "Wird es im Wahlkampf helfen? Gewiss nicht, das ist mir bewusst. Das wird Nachteile haben für uns, die werden das weiter machen, werden diese Kampagne vielleicht jetzt noch wütender führen, das mag schon alles sein. Aber auf der anderen Seite: Irgendwo gibt es Grenzen. Ich möchte nicht meinen Söhnen jedes Wochenende erklären, dass das ein Blödsinn ist, was sie in der Zeitung lesen", sagte der Kanzler.

"Österreich" hatte aus internen Papieren eines ehemaligen SPÖ-Beraters berichtet, in denen Kern unter anderem vorgehalten wurde, eitel zu sein und auf Journalistenkritik oft mimosenhaft und wie eine "Prinzessin" zu reagieren. Die Gratiszeitung hatten den Kanzler zuletzt in Fotomontagen sogar in Prinzessinnenkleidung abgebildet. Fellner sieht das Vorgehen seiner Zeitung als richtig an: "Der Abdruck des 'Dossiers', auf das der Kanzler wie eine Super-Mimose reagiert, war journalistische Pflicht", schrieb er. Kern solle überlegen, ob seine Reaktion angemessen war, ein Regierungschef "sollte kein Mimoserl und keine 'Prinzessin' sein".

Kern hatte Montagabend via Facebook einen Inserate-Stopp Richtung "Österreich" verkündet und später seinen Facebook-Eintrag auf "Wahlkampf-Inserate" präzisiert. Laut Fellner geht es bei den gestoppten Inseraten "um die atemberaubende Summe von 50.000 Euro, die weder den Wahlsieg noch den wirtschaftlichen Erfolg von 'Österreich' beeinflussen werden". Aber: "Politiker sollten nicht als 'Strafe' für ihnen nicht genehme Berichte Interview-Verbote und Inseraten-Boykotte verhängen. "Das ist schlechter Stil à la Donald Trump", so Fellner.

Der Herausgeber erinnerte daran, auch das geheime "Strategie-Papier" von ÖVP-Chef Sebastian Kurz veröffentlicht zu haben. Dieser habe darauf "deutlich professioneller und auch souveräner reagiert als der Kanzler". Fellner hält fest, dass "Österreich" - "im Gegensatz zu den Hyper-Empfindlichkeiten unseres Kanzlers" - in diesem Wahlkampf keine Kampagnen führt, man werde Kern auch weiter fair behandeln. Fellner: "Inseraten-Stornos werden uns in unserer Berichterstattung ebenso wenig beeinflussen wie Inseraten-Buchungen."

Innerhalb der SPÖ gibt es schon seit längerem Stimmen, die sich für einen Inseraten-Stopp in "Österreich" und anderen Boulevardmedien aussprechen, allerdings nicht wegen etwaiger Kritik am SPÖ-Chef, sondern wegen der hetzenden Berichterstattung, die diesen Medien vorgeworfen wird. Die "Sektion 8" der SPÖ hatte etwa gefordert, dass Medien, die "Angstmache" und das "Ausspielen von Bevölkerungsgruppe" betreiben nicht durch Inserate unterstützt werden sollten. Zwischen "Österreich" und der Sektion 8 gab es deswegen auch eine rechtliche Auseinandersetzung vor dem Handelsgericht.

Unterdessen geht Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) rechtlich gegen die Zeitung von Wolfgang Fellner vor. "Weder Dr. Alfred Gusenbauer noch sein Büro waren direkt oder indirekt an der Erstellung des von 'Österreich' zitierten 'Strategiepapiers' beteiligt", erklärte Gusenbauers Anwalt Michael Rami am Dienstag. Sämtliche dieser Behauptungen seien unwahr. Aus diesem Grund habe Gusenbauer am Montag rechtliche Schritte gegen "Österreich" eingeleitet, heißt es weiter.

(APA)

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