Quelle: ZAMG

Ex-Kanzlerberater Silberstein bleibt vier Tage in Haft

14.08.2017 - 16:30
Silberstein soll in eine Schmiergeldaffäre verwickelt sein© APA (AFP)Silberstein soll in eine Schmiergeldaffäre verwickelt sein

Der heute festgenommene ehemalige Berater von Kanzler Christian Kern (SPÖ), Tal Silberstein muss jedenfalls vier Tage in Haft bleiben. Das hat ein Gericht in der israelischen Stadt Rischon Lezion verfügt, berichtete der israelische Kanal 2 Montagnachmittag. Ebenso wie Silberstein wird auch Geschäftsmann Beny Steinmetz vier weitere Tage in Gewahrsam genommen.

Nur wenige Wochen nach dem Rückzug von Kampagnen-Manager Stefan Sengl ist der Kanzlerpartei auch noch ihr prominentester Berater abhanden gekommen. Tal Silberstein wurde in Israel festgenommen. Die SPÖ trennte sich umgehend von ihrem auf Umfragen spezialisierten Experten.

Im Zentrum der Vorwürfe in Israel steht freilich der Geschäftsmann Beny Steinmetz, der Ende vergangenen Jahres bereits unter Hausarrest gestanden war. Er ist ein enger Partner von Silberstein, hat aber ebenfalls eine Österreich-Connection. Steinmetz war zwischen 2013 und 2015 geschäftlich mit dem Tiroler Investor Rene Benko und dessen Immobilienfirma Signa verbunden. Der israelische Diamantenhändler und Multimilliardär finanzierte teilweise die Übernahme der deutschen Kaufhauskette Karstadt via einem Joint Venture mit Signa. Seit 2015 gehen Benko und Steinmetz wieder getrennte Wege.

Die nun vorliegenden Vorwürfe haben damit freilich überhaupt nichts zu tun, sondern drehen sich vor allem um Vorgänge in Guinea und Rumänien. Laut "Jerusalem Post" waren bei der heutigen Einvernahme aber auch Ermittler der US-Bundespolizei FBI und aus der Schweiz involviert. Es soll um fiktive Geschäfte und Geldwäsche gehen. In der Schweiz war Steinmetz bereits im März einvernommen worden.

Insgesamt wurden nach Angaben der israelischen Polizei gegenüber der APA am Vormittag fünf Personen festgenommen. Gleichzeitig wurden mehrere Hausdurchsuchungen durchgeführt. Noch am Nachmittag soll entschieden werden, ob die Betroffenen in Haft kommen. Laut einem israelischen Radiobericht hat die Polizei vor einem Gericht in Rischon Lezion um Haftverlängerung von acht Tagen für Steinmetz und Silberstein gebeten.

Letzterer ist seinen Job in Österreich jedenfalls los. Nachdem die Festnahme am Vormittag bekannt geworden war, zog die SPÖ die Reißleine. Bundesgeschäftsführer und Wahlkampfleiter Georg Niedermühlbichler verkündete, dass wegen "aus Israel bekannt gewordenen rechtlichen Vorwürfe" die Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung eingestellt werde.

Silberstein hatte die Sozialdemokraten mit seinem Team vor allem in Sachen Umfragen und Motivforschung beraten. Der Israeli gilt als gewiefter Kampagnen-Manager und war in Österreich auch schon für die Wiener SPÖ und die NEOS aktiv. Silberstein diente auch als Berater für die früheren israelischen Premiers, Ehud Olmert und Ehud Barak, sowie für diverse Spitzenpolitiker in Rumänien. Dort stand Silberstein übrigens lange im Visier von Korruptionsjägern. Eine geschäftliche Verbindung bestand auch mit Österreichs Alt-Kanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ).

Vorerst werden die Agenden Silbersteins in der SPÖ intern übernommen. Ob statt ihm neue externe Berater zugezogen werden, war am Montag noch unklar.

(APA)

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