Quelle: ZAMG

"Fest der Freude" mit Absage an Nationalismus

08.05.2017 - 21:17
Kern dankte Widerstand und alliierten Befreiern© APAKern dankte Widerstand und alliierten Befreiern

Mit einer Absage an jegliche nationalistische Tendenz ist am Montag das "Fest der Freude" begangen worden. Mehrere hundert Menschen fanden sich auf dem Wiener Heldenplatz ein, um die Befreiung Österreichs vom nationalsozialistischen Regime vor 72 Jahren zu feiern. Schwerpunkt des Abends bildete abermals ein Gratis-Konzert der Wiener Symphoniker unter dem Dirigenten Adam Fischer.

"Er ist der Tag der Befreiung von der dunkelsten und finstersten Herrschaft, die unser Land jemals überkommen ist", sprach Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) in seinem Eröffnungs-Statement. Er dankte nicht nur dem Widerstand im Dritten Reich, sondern auch den Befreiern der alliierten Truppen: "Ohne diese Courage, ohne diesen Mut, den viele aufgebracht haben, gäbe es unser Österreich nicht", so Kern.

Nicht nur der Kanzler wandte sich gegen den "plumpen, furchtbaren Nationalismus", auch Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) erinnerte an die Verantwortung, totalitären Tendenzen entgegenzutreten. Der "Gedanken des niemals gegeneinander, des niemals wieder" müsse in die Tat umgesetzt werden, wobei vor allem auch die Politik gefordert sei. Dass der frühere "Tag der Kapitulation" zu einem Fest der Freude wurde, sei Zeitzeugen zu danken.

Dass noch vor Jahren deutsch-nationale Burschenschafter auf dem Heldenplatz trauerten, brachte Organisator Willi Mernyi vom Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) in Erinnerung. Auch Wiens Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) appellierte an alle, sich vorbehaltlos zu freuen, "den Zweifel, den können wir morgen wieder auspacken". Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) freute sich ebenso darüber, dass sich "niemand, der das Kriegsende betrauert" auf dem Heldenplatz befinde.

Das Konzert wurde mit der Uraufführung des Auftragswerks "Here & Now" des heimischen Komponisten Kurt Schwertsik eröffnet. Weiters im Programm: Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert e-moll op. 64, das von dem jungen Wiener Geiger Emmanuel Tjeknavorian interpretiert wurde, sowie mehrere Werke von Ludwig van Beethoven. Als Schlusspunkt stand die "Ode an die Freude" aus dessen Neunter Symphonie auf dem Programm.

Zuvor hatte Kern bei einer Gedenkfeier im Kanzleramt vor einer Rechten in neuem Gewand gewarnt. "Der 8. Mai ist ein Tag der Freude" - Kern ließ in seiner Rede keinen Zweifel daran, was das Kriegsende nicht nur für das offizielle Österreich bedeutet. In Anwesenheit von Bundespräsident Alexander Van der Bellen sowie von Vertretern der Glaubensgemeinschaften und Opferverbänden gedachte der Regierungschef aber auch der Opfer des Nationalsozialismus und würdigte den Widerstand im Dritten Reich.

Dabei äußerte Kern auch die Sorge, dass sich die "Fratze des Rassismus und Antisemitismus" wieder vermehrt "in ungeschminkter Form" zeige. Der Bundeskanzler erinnerte dabei an den Anstieg rechtsextremer Straftaten sowie an die "neue Rechte", die lediglich aus den alten Rechtsradikalen in neuem Gewand bestehe. Seien früher Nazi-Parolen auf Häuser geschmiert worden, gebe es diese heute in Form von Facebook-Postings.

Auch Mitterlehner erinnerte an teilweise Versäumnisse bei der Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Österreich, wie die sich lange haltende "Opferrolle". Und wie Kern sieht er die Europäische Union als Mittel gegen nationalistische Strömungen. Die EU sei auch anfänglich das Mittel gewesen, "dem Krieg die Grundlage zu entziehen", sagte er in seiner Rede, denn: "Internationalität trennt nicht, sie verbindet."

Die Deportation der Kärntner Slowenen vor 75 Jahren brachte die Zeitzeugin und Kärntner Slowenin Katja Sturm-Schnabl ins Gedächtnis. Bauern seien dabei zu Staats- und Volksfeinden erklärt worden, deren Höfe an deutsche Aussiedler aus Italien übergeben worden. Wer nicht in die Wälder fliehen konnte und sich den Partisanen anschloss, sei in Konzentrationslagern umgekommen, so Sturm-Schnabl, deren Schwester durch Nationalsozialisten ermordet wurde.

Auch Freiheitliche und Grüne warnten anlässlich der Befreiung vom Nationalsozialismus vor 72 Jahren vor Extremismus. So trat FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache via Aussendung dafür ein, "jedweder Form des Antisemitismus entschieden entgegenzutreten". Vor "besorgniserregenden antidemokratischen Tendenzen in unserer Gesellschaft" warnte Grünen-Chefin Eva Glawischnig.

(APA)

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