Quelle: ZAMG

Ärztekammer-Krisengipfel gegen Hausarzt-Verlust

15.03.2017 - 21:55
Steinhart richtete einige Bitten an die Ministerin© APA (Hochmuth)Steinhart richtete einige Bitten an die Ministerin

Die Warnung vor einem Verlust des Hausarztes und dem Einzug von gewinnorientierten Großkonzernen ins Gesundheitswesen stand am Mittwochabend im Mittelpunkt eines "Krisengipfels" der Ärztekammer im Wiener Museumsquartier. Vor einigen hundert Medizinern warnten die Funktionäre neuerlich vor der neuen Primärversorgung.

Ärztekammer-Vizepräsident Johannes Steinhart versicherte, dass die Veranstaltung nichts mit dem laufenden Ärztekammer-Wahlkampf zu tun habe. Im Gegenteil, die Politik lege gerade jetzt ihre Pläne für die neue Primärversorgung auf den Tisch und wolle sie noch vor dem Sommer beschließen.

An die neue Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) richtete Steinhart drei Vorschläge und Bitten: Sie möge "endlich mit uns reden und zwar wirklich reden". Sie solle sich den Referentenentwurf für die Primärversorgung genau anschauen, weil der sei "das Papier nicht wert". Und sie solle mit Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) vereinbaren, die 630.000 Euro für die Effizienz-Studie über die Sozialversicherungen zu sparen, weil "Gefälligkeitsgutachten brauchen wir nicht". Der Obmann der niedergelassenen Ärzte stellte neuerlich den Hauptverband infrage und plädierte für eine Debatte über die Anzahl der notwendigen Krankenkassen.

Steinhart erläuterte ausführlich seine Kritikpunkte am vorliegenden Gesetzesentwurf und warf der Politik vor, den Beruf des freien Arzte infrage zu stellen. "Der Beruf des Arztes soll vom Arztsein befreit werden und zu einem Facharbeiter degradiert werden." Den Vorwurf des Blockierens wies der Vizepräsident zurück, das Gegenteil sei der Fall verwies er auf Reformkonzept der Ärztekammer. Die Sozialversicherung sei "der wahre Blockierer", so würden etwa in Wien 90 bis 100 Gruppenpraxen von der Gebietskrankenkasse verhindert. Steinhart plädierte für eine Vielzahl an verschiedenen Versorgungsformen - von Einzelordinationen über Kooperationen von Ärzten, Vernetzung bis zu Gruppenpraxen. Und Erstversorgungszentren (PHC) solle man ausprobieren, etwa mit fünfjährigen Pilotprojekten.

Auch Ärztekammerpräsident Artur Wechselberger plädierte für einen Ausbau der Primärversorgung, aber anders als es die Politik wolle. Er warf der Politik "Versorgungssandkastenspiele" vor und betonte, dass eine Zentralisierung zu höheren Wartezeiten für die Patienten führen würde. Stattdessen plädierte er für einen Ausbau des funktionierenden Systems der Hausärzte, eine Attraktivierung der Ärzte-Arbeitsplätze, eine bessere Ausbildung und Zusammenarbeitsformen. Die Ärzte sollten als Angehörige eines freien Berufes die Zukunft selbst mitgestalten. Reformen seien notwendig, und die Ärzte wüssten auch wie.

Der Wiener Präsident Thomas Szekeres warf der Politik vor, den Hausarzt abschaffen und stattdessen Zentren mit Kapitalgesellschaften erreichten zu wollen. Der Obmann der Spitalsärzte, Harald Mayer, meinte, die Spitalsärzte seien "Lückenbüßer" eines Versagens des Systems. Sie müssten Aufgaben übernehmen, "für die sie nicht da sind" und in den Ambulanzen Patienten behandeln, die dort nicht hingehören. Der Obmann der Allgemeinmediziner, Gert Wiegele, stellte eine schon einmal gescheiterte Ambulanzgebühr zur Diskussion und meinte, man solle auch darüber diskutieren, Patienten nur mit Überweisung des Hausarztes in Ambulanzen zu behandeln.

(APA)

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