Treffen unter Freunden sehen anders aus: Stundenlang verhandelten die obersten Kassenhüter der Eurozone über neue Milliardenhilfen für Schuldensünder Griechenland. Einige Finanzminister kamen mit versteinerter Miene nach Brüssel, auf die üblichen Scherze zur Auflockerung wurde verzichtet. Auch in Berlin macht sich im schier endlosen Rettungsmarathon Ernüchterung breit.
Österreichs Ressortchefin Fekter gab den Tenor vor: "Die Geduld wird ziemlich strapaziert von jenen, die helfen." Luxemburgs Premier Juncker, Chef der Ministerrunde, forderte von Athen, endlich zu handeln: "Wir können nicht mit einem System leben, in dem dauernd nur Versprechen gemacht werden. Es müssen den Worten Taten folgen." In der Debatte habe es gelegentlich einen "harten Austausch" gegeben, sonst sei die Atmosphäre exzellent gewesen. Griechenlands Ressortchef Venizelos schien die Botschaft verstanden zu haben.
Hier und da offen oder versteckt wurde damit gedroht, Griechenland pleitegehen zu lassen. Die Europäer wissen aber genau, dass sie den Partner im Südosten des Kontinents nicht fallenlassen können. "Die Ansteckungsgefahr in der Schuldenkrise wird dramatisch steigen, wenn ein Land scheitert", warnte ein hoher EU-Verantwortlicher.
So könnte das Krisenland Portugal schwer ins Wanken geraten, falls Griechenland scheiterte. Hinter den Kulissen wird täglich darauf gepocht, die Beruhigung auf dem Anleihenmarkt für Risikoländer wie Italien doch bitte nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen.
So jagt ein Sondertreffen in Europas Hauptstadt das andere, an diesem Mittwoch wollen die Euro-Finanzminister das nächste Mal zusammenkommen. Dann soll das Griechenland-Paket mit einem Umfang von 130 Mrd. Euro endlich unter Dach und Fach gebracht werden.
Dass die Geduld auch beim EU-Großfinanzierer Deutschland strapaziert ist, bemüht sich im Berliner Regierungsviertel indes kaum noch jemand zu verbergen. Längst schwant vielen, dass die dramatische Lage in Athen im Grunde nur noch eine Wahl zwischen Pest und Cholera lasse. Kanzlerin Merkel bekannte, der eingeschlagene Kurs sei für sie der "Weg des geringsten Schadens", den sie "noch am meisten verantworten" könne.
(APA)

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