Quelle: ZAMG

Assange seit halbem Jahr in Botschaft Ecuadors

20.12.2012 - 22:36
Der Australier sprach vom Balkon der Botschaft© APA (epa)Der Australier sprach vom Balkon der Botschaft

Nach einem halben Jahr Zuflucht in der Londoner Botschaft Ecuadors hat sich Wikileaks-Gründer Julian Assange am Donnerstag auf dem Balkon der Vertretung seinen Anhängern gezeigt. Der 41 Jahre alte Australier forderte die Behörden in Großbritannien und Schweden auf, über seine Ausreise aus der Botschaft zu verhandeln.

"Die Tür ist offen und sie war immer offen, für alle, die mit mir unter normalen Umständen sprechen wollen und die mir freies Geleit geben wollen", sagte er. Assange floh im Juni nach einer eineinhalbjährigen Justizschlacht in die Londoner Botschaft des südamerikanischen Landes, um sich einer Auslieferung nach Schweden zu entziehen. Ecuador gewährte ihm inzwischen auch politisches Asyl. In Schweden werden Assange Sexualstraftaten vorgeworfen; eine Anklage existiert jedoch nicht. Assange bestreitet die Vorwürfe. Er befürchtet, Schweden könnte ihn an die USA weiterreichen, wo ihm wegen der für die USA nachteiligen Veröffentlichungen seiner Plattform Wikileaks lebenslange Haft droht.

"Vor sechs Monaten kam ich in dieses Gebäude", sagte Assange vom Balkon der Botschaft im Zentrum Londons aus. "Sie wurde mir zur Heimat, zum Büro und zum Fluchtpunkt", betonte er. Er dankte seinen Gastgebern für die Geduld und ihre Haltung. Er könne arbeiten und kommunizieren - anders als mehr als 200 Journalisten weltweit, die derzeit im Gefängnis säßen.

Wikileaks wird laut Assange in Zukunft jedenfalls nicht kürzertreten. Im kommenden Jahr werde die Plattform eine Million Dokumente veröffentlichen - und die Veröffentlichungen würden "alle Länder der Welt betreffen", sagte der Australier. 2012 bezeichnete Assange als "großes Jahr", in dem Wikileaks Dokumente über Syrien und zu anderen Themen veröffentlicht habe.

Außerdem kritisierte er die Regierung der USA und anderer westlicher Länder. "Wahre Demokratie gibt es nicht im Weißen Haus", sagte er. Wahre Demokratie sei vielmehr der "Widerstand von Menschen, die mit der Wahrheit gegen Lügen vom Tahrir bis London bewaffnet sind". Der Tahrir-Platz in Kairo gilt als einer der Schlüsselorte des Aufstands in Ägypten.

(APA/dpa)

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