Quelle: ZAMG

EU drängt auf Frauenquote in Aufsichtsräten

14.11.2012 - 15:05
Viviane Reding will endlich ernst machen© APA (epa)Viviane Reding will endlich ernst machen

Die EU-Kommission drängt auf die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote von 40 Prozent in Aufsichtsräten und bei nicht geschäftsführenden Direktoren von börsenotierten Unternehmen bis 2020. EU-Justizkommissarin Reding erklärte am Mittwoch, bei der Gleichstellung von Frauen und Männern seien in diesem Bereich keine Fortschritte erkennbar gewesen. Deshalb seien gesetzliche Maßnahmen notwendig.

In Ländern wie Belgien, Frankreich und Italien seien kürzlich entsprechende Regelungen eingeführt worden, die erste Erfolge zeigten. "Diese Beispiele machen deutlich, dass zeitlich befristete gesetzgeberische Maßnahmen einen Unterschied bewirken können", so Reding. Der Vorschlag der Kommission werde dafür sorgen, dass Frauen bei der Besetzung von Aufsichtsratspositionen den Vorzug erhalten, wenn sie in diesem Gremium unterrepräsentiert und ebenso qualifiziert wie ihre männlichen Kollegen sind.

EU-Kommissionspräsident Barroso betonte die Bedeutung einer ausgewogeneren Besetzung wirtschaftlicher Führungspositionen. Die großen börsenotierten Unternehmen in Europa müssten nun zeigen, dass sie es mit der Gleichstellung von Frauen und Männern ernst meinten. Die Kommission kritisiert, dass in Europas Spitzenunternehmen von sieben Top-Positionen in der Unternehmensleitung nur eine mit einer Frau besetzt sei.

Österreichs Frauenministerin Heinisch-Hosek hat den Vorschlag der EU-Kommission für eine Frauenquote in Aufsichtsräten begrüßt. "Die Zeit in Europa ist reif für die Quote", sagte Heinisch-Hosek. "Als nationale Partnerin von Viviane Reding hat die Kommission meine volle Unterstützung. 40 Prozent Frauen in Aufsichtsräten bis 2020, das wäre ein wichtiger Schritt hin zu mehr Chancengleichheit", so Heinisch-Hosek.

Wirtschaftsminister Mitterlehner dagegen äußerte sich ablehnend. "Private Unternehmen müssen die Freiheit haben, sich ihr Personal selbst auszusuchen. Mit Strafen verbundene Frauenquoten sind inmitten einer schwierigen Konjunkturentwicklung genau das falsche Signal", erklärte der Minister am Mittwoch. Auch die deutsche Bundeskanzlerin Merkel lehnt eine Frauenquote in Führungspositionen von Unternehmen auf europäischer Ebene ab.

(APA)

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