Der serbisch-orthodoxe Patriarch Irinej I, der sich derzeit in Österreich aufhält, hat in einer Predigt die Bedeutung des Kosovo für die Serben unterstrichen. Der Kosovo sei "unsere unheilbare Wunde", sagte der Kirchenführer in der serbisch-orthodoxen Kirche in Linz. Er erinnerte daran, dass während des 2. Weltkrieges ca. 250.000 Serben "aus der Region Kosovo-Metohija" vertrieben worden seien.
Patriarch Irinej befürworte ausdrücklich eine Aufnahme Serbiens in die EU, lasse sich aber nicht "von der einen oder anderen politischen Position vereinnahmen", hieß es dazu in einer Presseaussendung der Kirchengemeinde. In Sachen Kosovo vertrete er die traditionelle Position der Serbischen Orthodoxen Kirche. Seine "große Offenheit für den Dialog" bedeute nicht gleichzeitig Nachgiebigkeit in wichtigen Fragen. Die Sorge Irinejs gelte im Kosovo primär der Not leidenden serbischen Bevölkerung und den serbischen Kirchen und Klöstern, nicht den staatspolitischen Aspekten dieses Problems.
Der Kosovo beherbergt bedeutende Klöster, auch die traditionelle Patriarchatskirche in Pec, wo der im Jänner gewählte Patriarch am 3. Oktober feierlich in sein Amt eingeführt wird. Pec, seit 1253 Sitz serbischer Erzbischöfe, gilt weiter als spirituelles Zentrum. Bei einem ersten Besuch im Kosovo nach seiner Wahl hatte Irinej erklärt, dass der Kosovo "nicht vom serbischen Volk, der serbischen Geschichte und Kultur" getrennt werden solle.
Das Patriarchatskloster Pec wird von Truppen der internationalen Kosovo-Streitkräfte bewacht. 2004 war es bei Unruhen zu schweren Übergriffen und Zerstörungen serbischer Kirchen durch die albanische Mehrheitsbevölkerung gekommen. 2010 befand der Internationale Gerichtshof in Den Haag in einem Gutachten, die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo stehe nicht im Widerspruch zum Völkerrecht.
(APA)

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