Deutschlands Bundespräsident Wulff büßt als Folge seiner Kredit- und Medienaffäre extrem an Ansehen ein. Laut der ARD-Umfrage "Deutschlandtrend" halten ihn nur noch 16 Prozent der Bürger für ehrlich und nur 43 Prozent bescheinigen dem Staatsoberhaupt "Respekt vor den geltenden Gesetzen". In der Beliebtheitsskala löste der 52-Jährige sogar Außenminister Westerwelle als Schlusslicht ab.
SPD-Chef Sigmar Gabriel bezeichnete am Freitag Wulff im Amt für gescheitert. Mit Grünen-Chef Cem Özdemir und dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck gerieten weitere Politiker wegen Verbindungen zum Party-Manager Manfred Schmidt in Erklärungsnot. Die niedersächsische CDU hielt beiden Parteien Scheinheiligkeit vor.
Dem Deutschlandtrend zufolge plädiert inzwischen eine klare Mehrheit der Deutschen von 54 Prozent für einen Rücktritt Wulffs. Im Vergleich zu Mitte Jänner sind dies acht Punkte mehr. 43 Prozent sind der Ansicht, der Niedersachse solle Hausherr im Schloss Bellevue bleiben. Lediglich 22 Prozent halten ihn inzwischen noch für glaubwürdig, und nur ein Drittel der Bürger ist mit seiner Arbeit zufrieden.
Bei der Staatsanwaltschaft Hannover sind inzwischen mehr als 100 Strafanzeigen von Bürgern gegen Wulff eingegangen. Binnen 24 Stunden seien allein zehn Anzeigen hinzugekommen, sagte Behördensprecher Hans-Jürgen Lendeckel am Freitag auf Anfrage. In den Anzeigen würden "querbeet die Vorwürfe aufgegriffen, die zuvor in den Medien berichtet worden sind". Es bleibe aber dabei, dass die Vorwürfe vor allem im Zusammenhang mit Wulffs Hauskredit und Urlaubsreisen "weiterhin keinen strafprozessualen Anfangsverdacht begründen".
(APA/ag.)

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