Quelle: ZAMG

Durchbruch im Handelsstreit: EU und USA gehen aufeinander zu

25.07.2018 - 23:20
Beide Seiten fühlen sich im Recht© APA (AFP)Beide Seiten fühlen sich im Recht

Die USA und die EU haben sich überraschend auf die Beilegung ihres Handelsstreits geeinigt. US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker vereinbarten am Mittwoch bei einem Krisentreffen im Weißen Haus, Gespräche über die Abschaffung von Zöllen auf Industriegüter beginnen zu wollen. Während der Verhandlungen wollen beide Seiten auf neue Zölle verzichten, erklärte Juncker.

"Wir haben heute einen Deal geschlossen", sagte Juncker. So wolle man über die Angleichung von Standards reden und gemeinsam an einer Reform der Welthandelsorganisation (WTO) arbeiten. Er bestätigte zudem, dass die EU künftig mehr Sojabohnen und Flüssiggas aus den USA importieren wolle.

Trump sagte: "Wir haben uns genau hier im Weißen Haus getroffen, um eine neue Phase in den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union zu starten. Eine Phase enger Freundschaft, starker Handelsbeziehungen, in denen wir beide gewinnen werden."

Die Einigung von Washington wurde in Deutschland, das US-Zölle auf Autos hart getroffen hätte, bejubelt. "Zölle runter, nicht rauf! Freier Handel & Mio Jobs gesichert!", schrieb der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier auf Twitter. Juncker und Handelskommissarin Cecila Malmström hätten "großartig" verhandelt. Die Grundsatzeinigung trieb am Abend auch die Wall Street an, die wichtigsten Aktienindizes schlossen teils deutlich im Plus. Die Technologie-Auswahlindizes Nasdaq 100 und Nasdaq Composite schwangen sich sogar zu Rekordhöhen auf.

Juncker war nach Washington gereist, um eine weitere Eskalation des Handelsstreits abzuwenden. Trump hatte bereits Sonderzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte verhängt. Die EU reagierte mit Vergeltungszöllen auf US-Produkte wie Whiskey, Jeans und Motorräder im Wert von 2,8 Milliarden Euro. Trump ließ aber auch Sonderzölle auf den Import europäischer Autos prüfen, was vor allem deutsche Autobauer hart treffen würde. Die EU bereitete für diesen Fall weitere Vergeltungsmaßnahmen vor.

Trump bezeichnete Juncker zu Beginn des Spitzentreffens als einen "klugen" und "zähen" Mann. Der US-Präsident sagte: "Wir wollen nur, dass es faire Wettbewerbsbedingungen für unsere Landwirte, für unsere Produzenten, für alle gibt." Die USA wären sehr zufrieden, wenn es keine Zölle, keine Handelshindernisse und keine Subventionen gäbe. Zuvor hatte Trump auf Twitter mit zusätzlichen Importzöllen gedroht.

Kurz vor ihrem Gespräch hatten beide Politiker klargemacht, dass sie sich im Recht sehen und von der jeweils anderen Seite ein Einlenken erwarten. "Wir sitzen hier nicht auf der Anklagebank. Insofern brauchen wir uns auch nicht zu verteidigen", sagte Juncker im ZDF.

Die Einigung im Handelsstreit führte zu einer Börsenrallye. Der Dow Jones Industrial stieg um 0,68 Prozent auf 25 414,10 Punkte, nachdem er am Dienstag von überwiegend guten Unternehmenszahlen profitiert hatte. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 0,91 Prozent auf 2846,07 Punkte nach oben. Der Nasdaq 100 verzeichnete ein Plus von 1,38 Prozent auf 7508,59 Punkte. Seine Bestmarke liegt nun bei gut 7511 Punkten.

(APA/dpa)

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