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Niavaranis "Interview"-Gäste

Tex Rubinowitz: "Ich finde Sex unappetitlich, Worte meistens auch"

17.02.2011 - 12:25
Wenn es irgendwo zwischen gediegenen Zeitungslayouts plötzlich Kugelschreiber-krakelig wird, dann steckt Tex Rubinowitz dahinter. Der Autor und Kult-Cartoonist (Falter, FAZ, Der Standard...) antwortet Niavarani.
© Tex Rubinowitz

Michael Niavarani stellt Tex Rubinowitz seine relevanten Fragen.


Allgemein

Michael Niavarani: Wie heißen Sie?

Tex Rubinowitz

MN: Wie geht es Ihnen?

Unentspannt, gehetzt

MN: Wie spät ist es?

18 Uhr

MN: Wie ist das Wetter?

Wird grad dunkel, nass

MN: Wo sind Sie gerade?

Kratziges Franz West Sofa, im Fernseher läuft Simpsons


Beruf

MN: Was sind Sie von Beruf?

Witzezeichner, Autor, Musiker, Schwimmer

MN: Haben Sie an Ihrer Karriere gezielt gearbeitet, oder hat die Liebe für Ihre Arbeit zu Ihrer Karriere geführt?

Hat sich zufällig ergeben

MN: Der ungerechtfertigte Erfolg eines Konkurrenten oder der eigene ungerechtfertigte Misserfolg - was ärgert Sie mehr und warum?

Weil ich weiß, dass ich in manchen Dingen besser aber erfolgloser bin, kann ich mich nicht ärgern, weil ich am Ende gewinnen werde

MN: Wie viel Prozent Ihres Jobs würden Sie auch gerne ausüben, wenn Sie dafür kein Geld bekämen?

100%


Leben

MN: Sind Sie dort, wo Sie immer hinwollten?

Ja

MN: Haben Sie noch ein großes Ziel (welches?), oder reicht Ihnen Ihr momentaner Status?

Reicht im Großen und Ganzen, mit dem Film, den ich grad geschrieben hab, will ich aber nach Locarno oder San Sebastian

MN: Sind Sie eher glücklich oder eher unglücklich?

Eher glücklich

MN: Haben Sie manchmal das Gefühl, Sie müssten sich für Ihr Glück rechtfertigen? (Warum?)

Umgotteswillen, nein, ich muss es aber auch nicht erklären, weil's ja sowieso nicht geht, und ich durch zu viel Scheiße gewatet bin, ich müsste die Scheiße erklären, dann würde jeder verstehen, aber niemand will Scheiße hören

MN: Wenn alles gerade gut läuft in Ihrem Leben, haben sie dann Angst, dass Sie etwas davon verlieren könnten, oder genießen Sie Ihr Glück, egal, was danach kommen mag? Waren Sie schon immer so?

Nein, war immer wackelig, Glück kann ich schlecht genießen, Angst hab ich allerdings keine

MN: Wenn Sie etwas wissen, was wenige Menschen wissen und was auf Ihre Bildung hinweist, müssen Sie das dann den Menschen unbedingt mitteilen?

Ich hab keine Bildung, das was ich mehr als andere wissen könnte, lasse ich nur dann und wann fallen, aber nicht um anzugeben, sondern etwas zu pointieren, und das ist leicht, weil die meisten Menschen Langweiler sind und leider ihre Bildung nicht einsetzen können

MN: Haben Sie jemals in der Schule nicht aufgezeigt, obwohl Sie die Antwort wussten?

Ich hatte SIEBEN Fünfen, als ich mit 16 von der Schule flog, wo hätte ich da irgendetwas wissen KÖNNEN?

MN: Haben Sie in der Schule irgendetwas für Ihr Leben gelernt? Was?

Kurz nachdem ich von der Schule geflogen bin, wurde mir klar, dass das alles sinnlos war, vor allem die Angst, die Qual, die Armselig und Hilflosigkeit der Lehrer, und ich war glücklich, in einer lauten Fabrik arbeiten zu können und Geld zu besitzen

MN: Wenn Ihr Leben verfilmt würde, wie wäre der Titel dieses Films und wen wünschen Sie sich in der Hauptrolle?

"Blumen am Arsch der Hölle" mit Gerd Baltus

MN: Was macht Sie trauriger? Träume, die noch immer unerfüllt sind, oder Träume, die vor langer Zeit schon in Erfüllung gegangen sind?

Mich macht ein Douglas Sirk Film traurig, ich selbst mach mich nicht traurig, Träume sind Schwachsinn

MN: Wovor haben Sie mehr Angst: Vor dem Vorgang des Sterbens oder vor der Tatsache, dass sie danach tot sind? Warum?

Den will ich sehen, der Angst davor hat, dass er "nach dem Sterben tot" ist, warum, was soll man sonst sein, eine Riesenparty mit Elvis, Kafka und Hitler? Natürlich macht mir Sterben Angst, aber ich denke mir, man ist dann so schwach und willenlos, dass der "Übergang" fließend ist, und wenn nicht, hat man Pech gehabt, und dann kommt Nelson Munz aus den Simpsons oder Gott persönlich und macht: "Hahá"

MN: Fürchten Sie sich manchmal vor Dingen mehr als notwendig? Hätten Sie gerne ihre Ängste mehr unter Kontrolle?

Ich weiß, woher meine Ängste kommen, und lebe mit ihnen wie mit Flöhen oder Bettwanzen, die wollen ja auch nur leben, manchmal find ich sie sogar ganz amüsant


Philosophie

MN: Aus irgendeinem Grund (die gute Fee) müssen Sie sich zwischen diesen beiden Lebensweisen entscheiden: 1) Sie werden steinreich (mehrere Milliarden Euro) und bleiben sterblich. 2) Sie müssen mit 700 Euro im Monat auskommen und werden unsterblich. Wie entscheiden Sie sich und warum?

Ich nehm' die 700 und will sterben

MN: Besitzt der Mensch einen freien Willen? Was führen Sie als Beweis an?

Nein besitzt er nicht, er ist nur eine Hülle, die Prozesse durchläuft, und die durch diese Hülle laufen, oben wurde ein Kopf raufgeschraubt, damit die Hülle glaubt, sie hätte einen freien Willen

MN: Glauben Sie, dass Gott, oder eine andere Instanz, Sie lenkt, oder dass Sie Ihr Schicksal selbst gestalten?

Ich und meine Gene, wir werden das Ding schon irgendwie schaukeln, Gott, was soll das sein?

MN: Haben Sie manchmal davor Angst, dass Sie sich für Ihr Handeln auf Erden irgendwann an einem anderen Ort verantworten müssen?

Ich richte mein Handeln so aus, dass ich reinen Gewissens sein kann, was kann ich dafür dass es so viele Arschlöcher gibt, das ist ja nicht meine Schuld, die werden alle bestraft, die mit Pappkaffeebechern und Plastikwasserflaschen durch die Gegend laufen

MN: Ich selbst bin sehr davon beeindruckt, dass der Buddhismus als einzige Weltreligion nicht missioniert. Warum, glauben Sie, ist das so?

Keine Ahnung, weiß nicht, wie Buddhismus geht, unsere Religionen fußen ja auf Unterdrückung, Einschüchterung, Erpressung, Vergewaltigung, Mord, vielleicht hat sich der Buddhismus trotzdem ohne diese Instrumente durchsetzen können, wie die Märchen, lullt also die Leute ein

MN: Ihr Kind hat einen Mord begangen. Sie haben die Möglichkeit, alle Indizien verschwinden zu lassen. Würden sie das tun?

Nein, wieso?

MN: Wie kommen wir der Wahrheit näher? Durch Nachdenken oder durch Nachforschen?

Welcher Wahrheit? Nachdenken vermutlich


Partnerschaft

MN: Um Ihre Beziehung zu retten, würden Sie eher eine Paartherapie oder einen Romantikurlaub auf den Malediven buchen?

Aua, beides sinnlos, sinnloser natürlich Malediven

MN: Wie groß ist der Unterschied zwischen Ihrem realen Sexualleben und Ihren sexuellen Fantasien? Sehen Sie eine Chance, diesen Abstand zu verkleinern?

Beides ist so klein, dass ich nicht mal sagen könnte, was von beiden größer ist

MN: Haben Sie schon einmal während des Sex geweint?

Nein, höchstens gelacht, weil es so peinlich ist

MN: Wenn Sie die Gewissheit hätten, mit einer bestimmten Person immer guten, aufregenden, gewagten Sex haben zu können – würden sie dafür auf Ihren Führerschein verzichten und stattdessen immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren? Wenn nicht – was wäre ein fairer Deal?

Ich will ja gar keinen Sex, und hab nicht mal einen Führerschein, also bin ich total überfragt hier. Lass meinen Film in Locarno laufen, dann mach ich den Scheißführerschein, das wäre der Deal, der Film ist übrigens ein Sexfilm

MN: Wie leicht fällt es Ihnen, mit einer attraktiven Frau/mit einem attraktiven Mann zu sprechen und sich dabei nicht vorzustellen, wie es mit ihr/ihm im Bett wäre?

Leicht, ich finde Sex unappetitlich, Worte meistens auch, aber dagegen muss man halt selbst quasseln, dann erübrigt sich der Rest

MN: Glauben Sie, ist sich Ihr Gesprächspartner dessen bewusst?

Bei mir: ja


Politik

MN: Halten Sie den Krieg für ein legitimes Mittel, um politische Ziele zu erreichen?

Ja

MN: In wie vielen Jahren wird es die erste österreichische Bundeskanzlerin geben?

Bald

MN: In wie vielen Jahren wird es den ersten österreichischen Bundeskanzler geben, der einen türkischen Nachnamen trägt?

Nie, zuerst kommt einer oder eine mit einem slawischen Namen

MN: Wie erklären sie sich die Tatsache, dass es in jeder Gesellschaft einen rechten Rand gibt?

Belebt die Politik, ist unterhaltsam, die Leute brauchen das


Zum Abschluss

MN: Wie spät ist es jetzt?

18 Uhr 31

MN: Welche Frage war Ihnen unangenehm?

Keine

MN: Welche Frage möchten Sie mir stellen?

Was sind ihre 3 Lieblingslieder von ABBA, ich frage deswegen, ob sie sich mit meinen decken, aus der Schnittmenge schließe ich meine Schlüsse. Meine sind: Eagle. Move on. Bang a boomerang

(Niavaranis Antwort folgt.)

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