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Niavaranis "Interview"-Gäste

Robert Kratky: "Unerfüllte Träume sind keine Träume, es sind Pläne"

19.02.2013 - 10:29
Er bezeichnet sich kokett als "Oberkellner in einem riesigen Frühstückslokal". Und als solcher bedient er täglich rund 2 Millionen Gäste. Robert Kratky, Mister "Ö3 Wecker" antwortet Niavarani.
© Ö3

Michael Niavarani stellt Robert Kratky seine relevanten Fragen.

 

Allgemein

Michael Niavarani: Wie heißen Sie?

Robert Kratky

MN: Wie geht es Ihnen?

Danke, ich bin happy. Aber etwas müde ... woran liegt das bloß? ;-)

MN: Wie spät ist es?

Früh genug um aus dem Tag etwas zu machen. Ist es aber beinahe immer.

MN: Wie ist das Wetter?

Kalt, nebelig, auf der Wiese vor meinem Fenster liegt grauer Schnee.

MN: Wo sind Sie gerade?

An meinem Schreibtisch, zuhause in Wien.

 

Beruf

MN: Was sind Sie von Beruf?

Ich bin der Oberkellner in einem riesigen, wunderbaren Frühstückslokal: Kurz, Ö3-Wecker-Moderator.

MN: Haben Sie an Ihrer Karriere gezielt gearbeitet, oder hat die Liebe für Ihre Arbeit zu Ihrer Karriere geführt?

Ich arbeite täglich in einem tollen Team mit großer Liebe sehr gezielt an einem guten Produkt. Das Wort "Karriere" würde ich stets erst rückblickend benutzen ... und dafür hab ich noch zu viel vor.

MN: Der ungerechtfertigte Erfolg eines Konkurrenten oder der eigene ungerechtfertigte Misserfolg - was ärgert Sie mehr und warum?

Gehen diese beiden Zustände nicht Hand in Hand? Ich ärgere mich über das eine, wie über das andere ... und das ärgert mich am meisten.

MN: Wie viel Prozent Ihres Jobs würden Sie auch gerne ausüben, wenn Sie dafür kein Geld bekämen?

50%

 

Leben

MN: Sind Sie dort, wo Sie immer hinwollten?

Teilweise. Aber ich sehe mich mittlerweile in der Lage, nach dem richtigen Weg mit wachem Geist Ausschau zu halten. Es besteht also Grund zur Hoffnung.

MN: Haben Sie noch ein großes Ziel (welches?), oder reicht Ihnen Ihr momentaner Status?

Es gibt zwei Wege zum Glück: Entweder du hast alles oder du brauchst nichts. Ich bin für Letzteres leider ungeeignet. Und da absolute Freiheit für mich somit auch eine Frage finanzieller Sicherheit ist, könnte man diese sicher als eines meiner Ziele bezeichnen. Aber über all dem steht mein ständiger Wunsch, besser zu sein als gestern, und das lebe ich jeden Tag im Hitradio Ö3. Ein Wunsch, der alles andere überwiegt.

MN: Sind Sie eher glücklich oder eher unglücklich?

Das wechselt manchmal innerhalb von Minuten von einem Extrem ins' andere ... aber eher glücklich. Nein, Moment, unglücklich! Nein, halt! Glücklich. :-)

MN: Haben Sie manchmal das Gefühl, Sie müssten sich für Ihr Glück rechtfertigen? (Warum?)

Man trifft – und ja, dies ist eine Eigenschaft die typisch für unsere Breitengrade ist – auf viel Neid. Und ja, manchmal muss man sich sogar rechtfertigen, denn das Glück ist unter den Menschen nicht gerecht verteilt, sonst wäre es ja kein Glück. Aber das zwingt dich manchmal auch zu Reflexion ... und wenn dieser eine gewisse Bescheidenheit folgt, hat sogar Neid seinen Nutzen.

MN: Wenn alles gerade gut läuft in Ihrem Leben, haben sie dann Angst, dass Sie etwas davon verlieren könnten, oder genießen Sie Ihr Glück, egal, was danach kommen mag? Waren Sie schon immer so?

Die Erkenntnis, dass fast alles, was ich habe ... eigentlich MICH hat, ist hart. Und nachdem ich einstmals mit genau Nichts ausgestattet begonnen habe, bewache ich meine bescheidenen Errungenschaften mit Argusaugen. Leider mache ich mir über einen möglichen Verlust stets Gedanken ... zu viele ... und zu oft. Ich würde das gerne ändern.

MN: Wenn Sie etwas wissen, was wenige Menschen wissen und was auf Ihre Bildung hinweist, müssen Sie das dann den Menschen unbedingt mitteilen?

Sie meinen, ob ich ein Klugscheißer bin? Ja, leider, manchmal. Aber mit dem Alter kommt die Gelassenheit und verdrängt die Geltungssucht ... hoffentlich.

MN: Haben Sie jemals in der Schule nicht aufgezeigt, obwohl Sie die Antwort wussten?

Sind Sie wahnsinnig? So selten wie ich die Antwort wusste ... NATÜRLICH habe ich aufgezeigt! Bisweilen sogar ohne etwas zu wissen, in der Hoffnung, der Bluff möge gelingen.

MN: Haben Sie in der Schule irgendetwas für Ihr Leben gelernt? Was?

Dass man die Bequemlichkeit hinter sich lassen muss, um etwas zu erreichen.

MN: Wenn Ihr Leben verfilmt würde, wie wäre der Titel dieses Films und wen wünschen Sie sich in der Hauptrolle?

Sehen Sie Edward Norton als R. Kratky in der hinreißenden Komödie: "Der Frühaufsteher".

MN: Was macht Sie trauriger? Träume, die noch immer unerfüllt sind, oder Träume, die vor langer Zeit schon in Erfüllung gegangen sind?

Ich muss erst lernen, erfüllte Träume zu realisieren. Manchmal arbeite ich so hart an Visionen, dass ich nicht einmal bemerke, wenn ich längst am Ziel bin, und das ist eigentlich sehr schade, denn es bringt mich um den Genuss. Unerfüllte Träume hingegen sind keine Träume, es sind Pläne! Und das habe ich nie anders gesehen.

MN: Wovor haben Sie mehr Angst: Vor dem Vorgang des Sterbens oder vor der Tatsache, dass sie danach tot sind? Warum?

Der Vorgang des Sterbens macht mir Angst. Ich will nicht an Kabeln in einem Krankenhausbett elend zugrunde gehen. Ich will keine Schmerzen leiden. Der Tod selbst ist kein Zustand, sondern eine Tatsache. Und darum auch kein Angstthema. Nicht intensiv genug zu leben hingegen schon!

MN: Fürchten Sie sich manchmal vor Dingen mehr als notwendig? Hätten Sie gerne ihre Ängste mehr unter Kontrolle?

Ja, das wäre wirklich schön!

 

Philosophie

MN: Aus irgendeinem Grund (die gute Fee) müssen Sie sich zwischen diesen beiden Lebensweisen entscheiden: 1) Sie werden steinreich (mehrere Milliarden Euro) und bleiben sterblich. 2) Sie müssen mit 700 Euro im Monat auskommen und werden unsterblich. Wie entscheiden Sie sich und warum?

Ich entscheide mich für die Unsterblichkeit. Denn wenn es mir nicht gelänge, mit dem angesammelten Wissen mehrerer Jahrhunderte selbst ein Vermögen von einigen Milliarden aufzubauen ... dann müsste ich schon ein Vollidiot sein. Die Fee soll also die Unsterblichkeit rausrücken (aber schnell! Wer will schon bis zum jüngsten Tage ein Tattergreis sein?) und ihr Geld behalten.

MN: Besitzt der Mensch einen freien Willen? Was führen Sie als Beweis an?

Ich könnte diese Frage vielleicht beantworten. Aber spiegelte sie dann meine ureigene Erkenntnis wieder, oder wäre sie dem Hörensagen von 37 Lebensjahren geschuldet? Mein freier Wille ist: Ich will diese Frage nicht beantworten.

MN: Glauben Sie, dass Gott, oder eine andere Instanz, Sie lenkt, oder dass Sie Ihr Schicksal selbst gestalten?

Ich glaube an das Göttliche in uns Menschen. An eine übergeordnete Kraft, die keineswegs immer gerecht ist. Ich glaube jedoch, dass diese Kraft unser Dasein – wie auch immer es sich gestaltet – einem höheren Sinn zuordnet. Einem Sinn, der sich uns nur mit Glück erschließt.

MN: Haben Sie manchmal davor Angst, dass Sie sich für Ihr Handeln auf Erden irgendwann an einem anderen Ort verantworten müssen?

Nein. Sollte ich?

MN: Ich selbst bin sehr davon beeindruckt, dass der Buddhismus als einzige Weltreligion nicht missioniert. Warum, glauben Sie, ist das so?

Damit habe ich mich noch zu wenig auseinandergesetzt.

MN: Ihr Kind hat einen Mord begangen. Sie haben die Möglichkeit, alle Indizien verschwinden zu lassen. Würden sie das tun?

Das kommt auf den Hintergrund an. War es Notwehr? Ist ein böser Mensch gestorben? Überlegungen wie diese machen die Antwort sehr schwierig. Prinzipiell attestiere ich gerechten Gesetzen aber eine grundsätzliche Notwendigkeit. Wenn es sich also um einen geplanten, kaltblütigen Mord handelt ... dann täte ich meinem Kind wohl keinen Gefallen, würde ich ihm die Flucht ermöglichen. In einem Land, das Mord mit dem Tode straft, sähe die Sache allerdings anders aus. Denn die halte ich für keine Gerechtigkeit.

MN: Wie kommen wir der Wahrheit näher? Durch Nachdenken oder durch Nachforschen?

Das eine schließt das andere ja nicht aus.

 

Partnerschaft

MN: Um Ihre Beziehung zu retten, würden Sie eher eine Paartherapie oder einen Romantikurlaub auf den Malediven buchen?

DEFINITIV den Urlaub!

MN: Wie groß ist der Unterschied zwischen Ihrem realen Sexualleben und Ihren sexuellen Fantasien? Sehen Sie eine Chance, diesen Abstand zu verkleinern?

Danke, wir sind zufrieden.

MN: Haben Sie schon einmal während des Sex geweint?

Also ... nein, wirklich nicht!!!

MN: Wenn Sie die Gewissheit hätten, mit einer bestimmten Person immer guten, aufregenden, gewagten Sex haben zu können – würden sie dafür auf Ihren Führerschein verzichten und stattdessen immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren? Wenn nicht – was wäre ein fairer Deal?

Es gibt keinen Deal! Ich habe beides und darum stellt sich die Frage nicht. Und wie soll man ohne Führerschein Sex im Auto haben?! ;-)

MN: Wie leicht fällt es Ihnen, mit einer attraktiven Frau/mit einem attraktiven Mann zu sprechen und sich dabei nicht vorzustellen, wie es mit ihr/ihm im Bett wäre?

Gar nicht leicht. Aber alles eine Frage der Konzentrationsfähigkeit. Und so mühen wir uns täglich, bessere Menschen/Männer zu werden, oder?

MN: Glauben Sie, ist sich Ihr Gesprächspartner dessen bewusst?

Gott bewahre!

 

Politik

MN: Halten Sie den Krieg für ein legitimes Mittel, um politische Ziele zu erreichen?

Nein, das tue ich nicht. Allerdings nur im Prinzip, denn das Thema ist komplexer: Sollte eine böse Macht nicht mit allen Mitteln bekämpft werden? Wie würden wir heute wohl leben, hätte die Welt Hitler gewähren lassen? Ich möchte es mir nicht vorstellen. Leider ist die Welt voller Grauzonen ... wir wissen so wenig ... und eine Wahrheit, auf deren Basis sich Gewalt als letztes und gerechtes Mittel rechtfertigen lässt, ist selten klar auszumachen.

MN: In wie vielen Jahren wird es die erste österreichische Bundeskanzlerin geben?

Das ist mir wirklich egal, denn die Ehre einen Staat zu lenken sollte wohl ausschließlich der Qualifikation eines Menschen geschuldet sein und nicht seinem Geschlecht.

MN: In wie vielen Jahren wird es den ersten österreichischen Bundeskanzler geben, der einen türkischen Nachnamen trägt?

Auch hier gilt: Die Fähigkeiten zählen für das Amt. Welcher Nachname, welcher Hintergrund, welche sexuelle Ausrichtung, welches Geschlecht, fesch oder schiach, dick oder dünn, alt oder jung: völlig wurscht! Ihrem Wunsch nach Chancengleichheit für alle Menschen – und darauf zielen diese Fragen ja zweifellos ab - schließe ich mich allerdings von Herzen an!

MN: Wie erklären sie sich die Tatsache, dass es in jeder Gesellschaft einen rechten Rand gibt?

Damit, dass wir Menschen nun einmal so sind. Ich persönlich bin ein Verfechter der Mitte, halte diese aber, in unserer teils so ungerechten Welt voller individueller Bedürfnisse und Ängste, für sehr unrealistisch bzw. wenig mehrheitsfähig. Leider! Besorgt bin ich erst, wenn das Gleichgewicht der Kräfte ins Wanken gerät. Und ich bin z.Z. sehr besorgt.

 

Zum Abschluss

MN: Wie spät ist es jetzt?

18h. Noch immer früh genug um aus dem Tag etwas Gutes zu machen.

MN: Welche Frage war Ihnen unangenehm?

Keine

MN: Welche Frage möchten Sie mir stellen?

Wie finden Sie meine Antworten?

(Niavaranis Antwort folgt.)

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