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Niavaranis "Interview"-Gäste

Armin Thurnher: "Man muss nicht immer aufzeigen"

07.12.2010 - 16:33
Dass Armin Thurnher, Gründer und Chefredakteur des "Falter", jetzt mit neuen Grasser-Pikanterien an die Öffentlichkeit geht, widerspricht lustvoll dem, was er in der Schule gelernt hat.
© Falter

Michael Niavarani stellt Armin Thurnher seine relevanten Fragen.


Allgemein

Michael Niavarani: Wie heißen Sie?

Armin Thurnher

MN: Wie geht es Ihnen?

Bin ausgeschlafen.

MN: Wie spät ist es?

10:22

MN: Wie ist das Wetter?

Versprochen wurde gefrierender Regen, aber er gefriert nicht einmal.

MN: Wo sind Sie gerade?

Im Büro, vor dem Schirm, schaue in die Augen des Niavarani-Fotos, das mir in die Augen schaut.


Beruf

MN: Was sind Sie von Beruf?

Publizist.

MN: Haben Sie an Ihrer Karriere gezielt gearbeitet, oder hat die Liebe für Ihre Arbeit zu Ihrer Karriere geführt?

Weder noch. Ich bin hineingerutscht.

MN: Der ungerechtfertigte Erfolg eines Konkurrenten oder der eigene ungerechtfertigte Misserfolg - was ärgert Sie mehr und warum?

Der eigene ungerechtfertigte Misserfolg – da habe ich weniger Ärger.

MN: Wie viel Prozent Ihres Jobs würden Sie auch gerne ausüben, wenn Sie dafür kein Geld bekämen?

Den schreibenden Teil, also sagen wir 5 Prozent.


Leben

MN: Sind Sie dort, wo Sie immer hinwollten?

Wenn ich das immer gewusst hätte!

MN: Haben Sie noch ein großes Ziel (welches?), oder reicht Ihnen Ihr momentaner Status?

Ziele schon (Bücher schreiben), aber keine statusmäßigen.

MN: Sind Sie eher glücklich oder eher unglücklich?

Eher glücklich.

MN: Haben Sie manchmal das Gefühl, Sie müssten sich für Ihr Glück rechtfertigen? (Warum?)

Nein.

MN: Wenn alles gerade gut läuft in Ihrem Leben, haben sie dann Angst, dass Sie etwas davon verlieren könnten, oder genießen Sie Ihr Glück, egal, was danach kommen mag? Waren Sie schon immer so?

Ich habe nichts geplant, also bin ich auch weniger besorgt.

MN: Wenn Sie etwas wissen, was wenige Menschen wissen und was auf Ihre Bildung hinweist, müssen Sie das dann den Menschen unbedingt mitteilen?

Offenbar ja.

MN: Haben Sie jemals in der Schule nicht aufgezeigt, obwohl Sie die Antwort wussten?

Ist wohl vorgekommen.

MN: Haben Sie in der Schule irgendetwas für Ihr Leben gelernt? Was?

Man muss nicht immer aufzeigen.

MN: Wenn Ihr Leben verfilmt würde, wie wäre der Titel dieses Films und wen wünschen Sie sich in der Hauptrolle?

Ich. Mich.

MN: Was macht Sie trauriger? Träume, die noch immer unerfüllt sind, oder Träume, die vor langer Zeit schon in Erfüllung gegangen sind?

Weder noch. Eher Träume, an die ich mich nicht erinnere.

MN: Wovor haben Sie mehr Angst: Vor dem Vorgang des Sterbens oder vor der Tatsache, dass sie danach tot sind? Warum?

Vor dem Sterben, weil das oft mit Unbill verbunden ist. Danach wird man ja sehen.

MN: Fürchten Sie sich manchmal vor Dingen mehr als notwendig? Hätten Sie gerne ihre Ängste mehr unter Kontrolle?

Zweimal ja.


Philosophie

MN: Aus irgendeinem Grund (die gute Fee) müssen Sie sich zwischen diesen beiden Lebensweisen entscheiden: 1) Sie werden steinreich (mehrere Milliarden Euro) und bleiben sterblich. 2) Sie müssen mit 700 Euro im Monat auskommen und werden unsterblich. Wie entscheiden Sie sich und warum?

Variante 1: Sicher ist sicher.

MN: Besitzt der Mensch einen freien Willen? Was führen Sie als Beweis an?

Ja. Ich hätte diesen Fragebogen unausgefüllt lassen können.

MN: Glauben Sie, dass Gott, oder eine andere Instanz, Sie lenkt, oder dass Sie Ihr Schicksal selbst gestalten?

Siehe 2.

MN: Haben Sie manchmal davor Angst, dass Sie sich für Ihr Handeln auf Erden irgendwann an einem anderen Ort verantworten müssen?

Nein.

MN: Ich selbst bin sehr davon beeindruckt, dass der Buddhismus als einzige Weltreligion nicht missioniert. Warum, glauben Sie, ist das so?

Weil Indien anders ist.

MN: Ihr Kind hat einen Mord begangen. Sie haben die Möglichkeit, alle Indizien verschwinden zu lassen. Würden sie das tun?

Nein.

MN: Wie kommen wir der Wahrheit näher? Durch Nachdenken oder durch Nachforschen?

Indem wir versuchen, zwischen klugen und blöden Fragen zu unterscheiden, und die blöden nicht beantworten.


Partnerschaft

MN: Um Ihre Beziehung zu retten, würden Sie eher eine Paartherapie oder einen Romantikurlaub auf den Malediven buchen?

Malediven.

MN: Wie groß ist der Unterschied zwischen Ihrem realen Sexualleben und Ihren sexuellen Fantasien? Sehen Sie eine Chance, diesen Abstand zu verkleinern?

Er ist natürlich groß, aber wieso sollte ich ihn verkleinern? Auf Ansporn verzichten?

MN: Haben Sie schon einmal während des Sex geweint?

Jetzt wird?s zu persönlich.

MN: Wenn Sie die Gewissheit hätten, mit einer bestimmten Person immer guten, aufregenden, gewagten Sex haben zu können – würden sie dafür auf Ihren Führerschein verzichten und stattdessen immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren? Wenn nicht – was wäre ein fairer Deal?

Ich fürchte, Verzicht ist nicht der richtige Weg zu gutem Sex.

MN: Wie leicht fällt es Ihnen, mit einer attraktiven Frau/mit einem attraktiven Mann zu sprechen und sich dabei nicht vorzustellen, wie es mit ihr/ihm im Bett wäre?

Fangfrage: Das schafft niemand.

MN: Glauben Sie, ist sich Ihr Gesprächspartner dessen bewusst?

Siehe 5.


Politik

MN: Halten Sie den Krieg für ein legitimes Mittel, um politische Ziele zu erreichen?

Nein. Obwohl es Umstände geben kann?

MN: In wie vielen Jahren wird es die erste österreichische Bundeskanzlerin geben?

Hatten wir noch keine?

MN: In wie vielen Jahren wird es den ersten österreichischen Bundeskanzler geben, der einen türkischen Nachnamen trägt?

Da kriegen wir vorher noch einen Perser.

MN: Wie erklären sie sich die Tatsache, dass es in jeder Gesellschaft einen rechten Rand gibt?

Schon mal einen Teller betrachtet?


Zum Abschluss

MN: Wie spät ist es jetzt?

10:38

MN: Welche Frage war Ihnen unangenehm?

Keine, aber die Antwort auf die eine Sex-Frage würde mir von der freundlichen Öffentlichkeit lebenslänglich um die Ohren gehauen.

MN: Welche Frage möchten Sie mir stellen?

Sind Sie jetzt zufrieden?

(Niavaranis Antwort folgt.)

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