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Michael Gaissmaier: "Gute Menschen und Trottel und sehr viele dazwischen"

17.04.2012 - 15:03
Michael Gaissmaier, dessen Band "Heinz aus Wien" gerade ihr neues Album "Heinz" veröffentlicht hat, über unbezahlte Arbeit, Menschentypen und welche Frage er als leidenschaftlicher nicht-öffentliche-Verkehrsmittel-Benutzer unfair findet.
© Csaky

Michael Niavarani stellt Michael Gaissmaier seine relevanten Fragen.


Allgemein

Michael Niavarani: Wie heißen Sie?

Michael Gaissmaier

MN: Wie geht es Ihnen?

Danke, ausgezeichnet.

MN: Wie spät ist es?

15.58h

MN: Wie ist das Wetter?

Leicht bewölkt, aber für Wiener Verhältnisse eigentlich ganz gut.

MN: Wo sind Sie gerade?

In Wien, 1060


Beruf

MN: Was sind Sie von Beruf?

Hmmm ... Musiker, Projektmanager, PR-Agentur (Kann man das von Beruf sein?)

MN: Haben Sie an Ihrer Karriere gezielt gearbeitet, oder hat die Liebe für Ihre Arbeit zu Ihrer Karriere geführt?

Liebe UND harte Arbeit machten aus mir was ich bin.

MN: Der ungerechtfertigte Erfolg eines Konkurrenten oder der eigene ungerechtfertigte Misserfolg - was ärgert Sie mehr und warum?

Der eigene ungerechtigte Misserfolg würde mehr ärgern, weil es ja schlicht und einfach unfair wäre.

MN: Wie viel Prozent Ihres Jobs würden Sie auch gerne ausüben, wenn Sie dafür kein Geld bekämen?

Gegenfrage: Wie viel Prozent meines Jobs mache ich schon, ohne dafür Geld zu bekommen?


Leben

MN: Sind Sie dort, wo Sie immer hinwollten?

Ich weiß noch nicht, wann und wo ich ankomme.

MN: Haben Sie noch ein großes Ziel (welches?), oder reicht Ihnen Ihr momentaner Status?

Ich bin zufrieden.

MN: Sind Sie eher glücklich oder eher unglücklich?

Eher glücklich.

MN: Haben Sie manchmal das Gefühl, Sie müssten sich für Ihr Glück rechtfertigen? (Warum?)

Ich nicht, aber andere meinen ich sollte das tun.

MN: Wenn alles gerade gut läuft in Ihrem Leben, haben sie dann Angst, dass Sie etwas davon verlieren könnten, oder genießen Sie Ihr Glück, egal, was danach kommen mag? Waren Sie schon immer so?

Ich genieße ... No risk, no fun.

MN: Wenn Sie etwas wissen, was wenige Menschen wissen und was auf Ihre Bildung hinweist, müssen Sie das dann den Menschen unbedingt mitteilen?

Nein.

MN: Haben Sie jemals in der Schule nicht aufgezeigt, obwohl Sie die Antwort wussten?

Ja, zumindest dann wenn ich in der Schule geschlafen habe.

MN: Haben Sie in der Schule irgendetwas für Ihr Leben gelernt? Was?

Es gibt überall gute Menschen und Trotteln und es gibt sehr viele dazwischen.

MN: Wenn Ihr Leben verfilmt würde, wie wäre der Titel dieses Films und wen wünschen Sie sich in der Hauptrolle?

Making of "Fear and Loathing in Vienna"; Johnny Depp

MN: Was macht Sie trauriger? Träume, die noch immer unerfüllt sind, oder Träume, die vor langer Zeit schon in Erfüllung gegangen sind?

Ich bin gar nicht traurig.

MN: Wovor haben Sie mehr Angst: Vor dem Vorgang des Sterbens oder vor der Tatsache, dass sie danach tot sind? Warum?

Weiß ich nicht.

MN: Fürchten Sie sich manchmal vor Dingen mehr als notwendig? Hätten Sie gerne ihre Ängste mehr unter Kontrolle?

Ich bin nicht traurig UND habe keine Angst.


Philosophie

MN: Aus irgendeinem Grund (die gute Fee) müssen Sie sich zwischen diesen beiden Lebensweisen entscheiden: 1) Sie werden steinreich (mehrere Milliarden Euro) und bleiben sterblich. 2) Sie müssen mit 700 Euro im Monat auskommen und werden unsterblich. Wie entscheiden Sie sich und warum?

Ich nehm' die mehreren Miliarden Euro und bleibe unsterblich.

MN: Besitzt der Mensch einen freien Willen? Was führen Sie als Beweis an?

Manche Menschen sind so deppad, dass es nur auf "freien Willen" zurückzuführen sein kann, was sie tun.

MN: Glauben Sie, dass Gott, oder eine andere Instanz, Sie lenkt, oder dass Sie Ihr Schicksal selbst gestalten?

Irgendwas dazwischen wahrscheinlich/hoffentlich.

MN: Haben Sie manchmal davor Angst, dass Sie sich für Ihr Handeln auf Erden irgendwann an einem anderen Ort verantworten müssen?

Hmm. Manchmal wäre es wohl nicht schlecht darüber nachzudenken.

MN: Ich selbst bin sehr davon beeindruckt, dass der Buddhismus als einzige Weltreligion nicht missioniert. Warum, glauben Sie, ist das so?

"Missionieren" ist ja eigentlich sowas ähnliches wie "jemanden seinen Glauben aufzwingen" ... und das ist meines Wissens keine der Grundausrichtungen des Buddhismus.

MN: Ihr Kind hat einen Mord begangen. Sie haben die Möglichkeit, alle Indizien verschwinden zu lassen. Würden sie das tun?

Ich denke, man sollte auf jeden Fall darüber nachdenken, sein Kind zu schützen ... mehr kann ich dazu nicht sagen.

MN: Wie kommen wir der Wahrheit näher? Durch Nachdenken oder durch Nachforschen?

Nachforschen. Ich kenne niemanden, dessen Intellekt für umfassendes Nachdenken ausreicht.


Partnerschaft

MN: Um Ihre Beziehung zu retten, würden Sie eher eine Paartherapie oder einen Romantikurlaub auf den Malediven buchen?

Paartherapie.

MN: Wie groß ist der Unterschied zwischen Ihrem realen Sexualleben und Ihren sexuellen Fantasien? Sehen Sie eine Chance, diesen Abstand zu verkleinern?

Gute Frage?

MN: Haben Sie schon einmal während des Sex geweint?

Nicht bewusst.

MN: Wenn Sie die Gewissheit hätten, mit einer bestimmten Person immer guten, aufregenden, gewagten Sex haben zu können – würden sie dafür auf Ihren Führerschein verzichten und stattdessen immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren? Wenn nicht – was wäre ein fairer Deal?

Als leidenschaftlicher nicht-öffentliche-Verkehrsmittel-Benutzer ist diese Frage unfair.

MN: Wie leicht fällt es Ihnen, mit einer attraktiven Frau/mit einem attraktiven Mann zu sprechen und sich dabei nicht vorzustellen, wie es mit ihr/ihm im Bett wäre?

Sehr leicht.

MN: Glauben Sie, ist sich Ihr Gesprächspartner dessen bewusst?

Nicht, wenn sie gerade darüber nachdenkt, wie es mit mir im Bett wäre.


Politik

MN: Halten Sie den Krieg für ein legitimes Mittel, um politische Ziele zu erreichen?

Nein.

MN: In wie vielen Jahren wird es die erste österreichische Bundeskanzlerin geben?

Sehr bald.

MN: In wie vielen Jahren wird es den ersten österreichischen Bundeskanzler geben, der einen türkischen Nachnamen trägt?

Erst nach der Bundeskanzlerin.

MN: Wie erklären Sie sich die Tatsache, dass es in jeder Gesellschaft einen rechten Rand gibt?

Wo sollen sich die Teilnehmer des rechten Rands sonst versammeln?


Zum Abschluss

MN: Wie spät ist es jetzt?

17.20h

MN: Welche Frage war Ihnen unangenehm?

Keine

MN: Welche Frage möchten Sie mir stellen?

Wie heißen Sie? Wie geht es Ihnen? Wie spät ist es? Wie ist das Wetter? Wo sind Sie gerade? Was sind Sie von Beruf? ...


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