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Niavaranis "Interview"-Gäste

"Wenn Gott lenkt, müsste man ihn wegen Trunkenheit am Steuer belangen"

27.03.2012 - 16:02
Guido Tartarotti, einer der meistgelesenen Kolumnisten des Landes, gießt seit 2008 seine gedanklichen und verbalen Jonglagen auch in Kabarett. Mit seinem aktuellen - dritten - Solo, "Heini Hemmi", ist er endgültig in der Kleinkunstelite angekommen. Tartarotti antwortet "Nia".
Tartarotti spielt ab 10.4. wieder in der Walfischgasse© www.pertramer.atTartarotti spielt ab 10.4. wieder in der Walfischgasse

Michael Niavarani stellt Guido Tartarotti seine relevanten Fragen.


Allgemein

Michael Niavarani: Wie heißen Sie?

Guido Tartarotti

MN: Wie geht es Ihnen?

Eh. Selber?

MN: Wie spät ist es?

Keine Ahnung, ich hab keine Uhr. Dreiviertel?

MN: Wie ist das Wetter?

Weiß nicht, das ist draußen. Aber ich glaub, es ist ziemlich viel Wetter.

MN: Wo sind Sie gerade?

In Umgebung. Ein e-Mail-Freund fragt mich immer: Wann bist du einmal in Insbruck oder Umgebung? Nun, in Innsbruck nie, aber fast immer in einer Umgebung.


Beruf

MN: Was sind Sie von Beruf?

Journalist und Kabarettist.

MN: Haben Sie an Ihrer Karriere gezielt gearbeitet, oder hat die Liebe für Ihre Arbeit zu Ihrer Karriere geführt?

Weder, noch. Viele Zufälle. Das Zielen führt bei mir nicht zum Ziel. Mein Berufswunsch war: Rockstar. Den habe ich gezielt verfolgt, aber er hat sich nicht einholen lassen.

MN: Der ungerechtfertigte Erfolg eines Konkurrenten oder der eigene ungerechtfertigte Misserfolg - was ärgert Sie mehr und warum?

Beides gleich, ich gebs zu. Ich arbeite daran, ganz viel ungerechtfertigten Erfolg zu haben, dann müssen sich andere ärgern.

MN: Wie viel Prozent Ihres Jobs würden Sie auch gerne ausüben, wenn Sie dafür kein Geld bekämen?

Null.


Leben

MN: Sind Sie dort, wo Sie immer hinwollten?

Ein Freund von mir hat mir erzählt, es gibt ein Lokal, in dem steht auf einem Schild: "Familienaktion - 2 Erwachsene essen 1 Kind gratis". Dort würd ich gern einmal hin, um zu schauen, ob es wenigstens glückliche Kinder aus Bodenhaltung sind. Ansonsten sag ich mit Keith Richards: It's good to be here, but it's good to be anywhere.

MN: Haben Sie noch ein großes Ziel (welches?), oder reicht Ihnen Ihr momentaner Status?

Seit meiner Pubertät würde ich gerne Gitarrist der Rolling Stones werden. Aber für manche Dinge bleibt man ein Leben lang zu jung. Milliardärssohn tät ich auch noch gern werden.

MN: Sind Sie eher glücklich oder eher unglücklich?

Unglücklich. Das ist mein angeborener Aggregatzustand.

MN: Haben Sie manchmal das Gefühl, Sie müssten sich für Ihr Glück rechtfertigen? (Warum?)

Nein. Weil ich ja ... siehe vorige Antwort. Aber ich glaube oft, mich rechtfertigen zu müssen, dass ich unglücklich bin, obwohl es mir gut geht.

MN: Wenn alles gerade gut läuft in Ihrem Leben, haben sie dann Angst, dass Sie etwas davon verlieren könnten, oder genießen Sie Ihr Glück, egal, was danach kommen mag? Waren Sie schon immer so?

Ich kenne Glück nicht. Der Gedanke z. B. an den dummen Tod vertreibt die Glücksgefahr bei mir sehr schnell. Und ja: Ich war schon als Kind so.

MN: Wenn Sie etwas wissen, was wenige Menschen wissen und was auf Ihre Bildung hinweist, müssen Sie das dann den Menschen unbedingt mitteilen?

Ich bin dabei, es mir mühsam abzutrainieren. Ich bin schließlich Lehrerkind! Haben Sie schon gewusst, dass die finnische Sprache 15 Fälle hat? Was machen die mit 15 Fällen? Wir können ja schon vier Fällen nicht unfallfrei handhaben! Oder wie Kommissar Rex auf Isländisch heißt? Lögregluhundurinn Rex. Und dass die Seitenwinde in Estoril besonders gefürchtet sind, weil sie auch von vorne und hinten kommen?

MN: Haben Sie jemals in der Schule nicht aufgezeigt, obwohl Sie die Antwort wussten?

Ich habe immer nicht aufgezeigt. Ich habe während der Schule ständig gelesen, meist Thomas Bernhard.

MN: Haben Sie in der Schule irgendetwas für Ihr Leben gelernt? Was?

Nichts. Lesen konnte ich schon vorher. Vielleicht, Schulen zutiefst zu hassen. Schulen sind nurmehr noch Fantasievernichtungsanstalten, naturgemäß!

MN: Wenn Ihr Leben verfilmt würde, wie wäre der Titel dieses Films und wen wünschen Sie sich in der Hauptrolle?

Ich wünsch mir ein Stück, geschrieben von Shakespeare. Vielleicht: Eine Traum-Sommernacht. Ich geh nie ins Kino, ich ertrag den Popcorngestank nicht. Als ich vielleicht der Michael Maertens? Oder Hansi Hintereseers linker Moonboot, der könnte mich auch spielen. Oder Robert Palfrader.

MN: Was macht Sie trauriger? Träume, die noch immer unerfüllt sind, oder Träume, die vor langer Zeit schon in Erfüllung gegangen sind?

Ich mag Träume sehr, deshalb schlafe ich auch so gern und viel. Erfüllt oder unerfüllt: Wurscht. Hauptsache Träume.

MN: Wovor haben Sie mehr Angst: Vor dem Vorgang des Sterbens oder vor der Tatsache, dass sie danach tot sind? Warum?

Vor beidem. Sterben könnte, fürchte ich, weh tun. Totsein klingt blöd, ich hab mich so an mich gewöhnt. Aber zur Beurteilung des Totseins hätte ich gerne noch mehr Informationen, sowie eine zweite Meinung.

MN: Fürchten Sie sich manchmal vor Dingen mehr als notwendig? Hätten Sie gerne ihre Ängste mehr unter Kontrolle?

Meist fürchte ich mich aber vor gar nichts. Was nicht heißt, dass ich mich NICHT fürchte, sondern: Ich fürchte mich grundlos. Und ja: Diese Ängste hätte ich sehr gern unter Kontrolle. Und den Tod fürchte ich sehr. Ich muss dabei immer an Andi Vitásek und den schrecklichen Arzt denken. Der schreckliche Arzt hat dem Andi Vitásek grad erklärt, dass er an einer unheilbaren Tröpfcheninfektion namens "Leben" leidet. Vitásek: Und da kann man nichts machen? Der schreckliche Arzt: Doch. Sie können saufen! Andi Vitásek: Und das hilft? Der schreckliche Arzt: Nein. Aber es ist lustig!


Philosophie

MN: Aus irgendeinem Grund (die gute Fee) müssen Sie sich zwischen diesen beiden Lebensweisen entscheiden: 1) Sie werden steinreich (mehrere Milliarden Euro) und bleiben sterblich. 2) Sie müssen mit 700 Euro im Monat auskommen und werden unsterblich. Wie entscheiden Sie sich und warum?

Unsterblichkeit! Der Tod ist der größte Skandal überhaupt. Und 700 Euro find ich viel Geld, damit komm ich locker aus. Wenn ich unsterblich bin, brauch ich eh nix zum Essen.

MN: Besitzt der Mensch einen freien Willen? Was führen Sie als Beweis an?

Ja. Es steht mir z. B. frei, unsterblich sein zu wollen. Indes ...

MN: Glauben Sie, dass Gott, oder eine andere Instanz, Sie lenkt, oder dass Sie Ihr Schicksal selbst gestalten?

Weder, noch. Wenn man in die Welt schaut, wünscht man sich jedenfalls, dass Gott NICHT lenkt. Ansonsten müsste man ihn nämlich wegen Trunkenheit am Steuer belangen.

MN: Haben Sie manchmal davor Angst, dass Sie sich für Ihr Handeln auf Erden irgendwann an einem anderen Ort verantworten müssen?

Komischerweise ja. Andererseits wünsche ich mir das: Ich will nicht, dass z. B. Hitler so billig davonkommt.

MN: Ich selbst bin sehr davon beeindruckt, dass der Buddhismus als einzige Weltreligion nicht missioniert. Warum, glauben Sie, ist das so?

Keine Ahnung, ich kenn mich nicht aus mit dem Buddismus und misstraue reflexartig jeder Religion. Aber vielleicht sind die Buddisten einfach zu faul? Jedenfalls sehr sympathisch, der Missionierungsverzicht.

MN: Ihr Kind hat einen Mord begangen. Sie haben die Möglichkeit, alle Indizien verschwinden zu lassen. Würden sie das tun?

Für meine Kinder täte ich alles.

MN: Wie kommen wir der Wahrheit näher? Durch Nachdenken oder durch Nachforschen?

Das eine geht ohne das andere nicht. Aber die Wahrheit geht immer im selben Maß von uns weg, wie wir uns ihr nähern wollen. Ich bin ja radikaler Konstruktivist: Die Realität entsteht durch Beobachtung, wird durch unser Hirn konstruiert. Daraus folgt natürlich eine beunruhigende Frage: Wieso konstruiert mein Gehirn sowas wie den HC Strache?


Partnerschaft

MN: Um Ihre Beziehung zu retten, würden Sie eher eine Paartherapie oder einen Romantikurlaub auf den Malediven buchen?

Ich schicke meine Freundin in die Therapie und fahr allein auf die Malediven. Ich misstraue Therapeuten, und auf den Malediven war ich schon, da ist es schön. Ich glaub, wenn man sich diese Frage stellt, ist es eher an der Zeit, einander das Geschenk der Freiheit zu machen. Beziehungen sind nichts, was man "retten" sollte. Der Grund für die vielen Scheidungen ist ja meist die Ehe vorher.

MN: Wie groß ist der Unterschied zwischen Ihrem realen Sexualleben und Ihren sexuellen Fantasien? Sehen Sie eine Chance, diesen Abstand zu verkleinern?

Lustig - jetzt, wo ich drüber nachdenke: Nein, kein Unterschied. Ich hab, was ich will.

MN: Haben Sie schon einmal während des Sex geweint?

Nur, wenn ich während des Sex Zwiebeln schneide.

MN: Wenn Sie die Gewissheit hätten, mit einer bestimmten Person immer guten, aufregenden, gewagten Sex haben zu können – würden sie dafür auf Ihren Führerschein verzichten und stattdessen immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren? Wenn nicht – was wäre ein fairer Deal?

Ich fahr sowieso nicht Auto, weil ich Autofahren hasse. Vielleicht ist meine Belohung dafür, dass ich die Sexualleben-und-Fantasie-Frage so beantworten kann, wie ich sie beantwortet habe.

MN: Wie leicht fällt es Ihnen, mit einer attraktiven Frau/mit einem attraktiven Mann zu sprechen und sich dabei nicht vorzustellen, wie es mit ihr/ihm im Bett wäre?

Ich glaube, ich hab mir das bis jetzt noch nie bewusst vorgestellt. Und ab jetzt werd ich's mir wohl immer vorstellen. Achtung, denken Sie jetzt NICHT an ein lila Flusspferd!

MN: Glauben Sie, ist sich Ihr Gesprächspartner dessen bewusst?

Kommt darauf an, wie betrunken er ist.


Politik

MN: Halten Sie den Krieg für ein legitimes Mittel, um politische Ziele zu erreichen?

Krieg ist die dümmste aller dummen menschlichen Erfindungen. Andererseits: Um z. B. die Nazis zu vertreiben, ist nahezu jedes Mittel legitim.

MN: In wie vielen Jahren wird es die erste österreichische Bundeskanzlerin geben?

Ich will bitte nicht von Maria Fekter regiert werden. Oder von Vera Russwurm. Und auch nicht von Karlheinz Grasser.

MN: In wie vielen Jahren wird es den ersten österreichischen Bundeskanzler geben, der einen türkischen Nachnamen trägt?

Ich warte auf die erste österreichische Bundeskanzlerin mit türkischem Namen. Und mit diebischem Vergnügen freu ich mich auf den ersten österreichischen Abfahrts-Olympiasieger namens Krcic oder Üglümü oder Niavarani - und auf das, was die Krone dann schreiben wird.

MN: Wie erklären sie sich die Tatsache, dass es in jeder Gesellschaft einen rechten Rand gibt?

Weil es in jeder Gesellschaft Idioten und andere Randerscheinungen gibt. Sagt man deshalb: Randalieren? HC Strache hat übrigens unlängst auf Facebook gepostet, er habe das Hauskaninchen Kuschel "mit meinen Kindern im Garten begraben". Ist das nicht illegal?


Zum Abschluss

MN: Wie spät ist es jetzt?

Keine Ahnung, hab immer noch keine Uhr.

MN: Welche Frage war Ihnen unangenehm?

Die Misserfolg-Frage. Und die nach der Uhrzeit.

MN: Welche Frage möchten Sie mir stellen?

Wie zum Henker machst du das??? Und wie kommst du auf die Idee vom Weinen beim Sex? Ist das ein altpersischer Brauch? Und: Wie spät ist es eigentlich?

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