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Niavaranis "Interview"-Gäste

Drew Sarich: "Zahnärzte machen mich fertig. Und das offene Meer. Ansonsten bin ich ein Tiger"

18.10.2010 - 10:54
In St. Louis geboren werden und sich irgendwann als Kronprinz Rudolf im Raimundtheater wiederfinden. Was Drew Sarich sonst noch kann: Niavarani die ultimative Comedian-Frage stellen.
© Gene Silvers

Michael Niavarani stellt Drew Sarich seine relevanten Fragen.


Allgemein

Michael Niavarani: Wie heißen Sie?

Andrew Dennis Sarich

MN: Wie geht es Ihnen?

Höchst gespannt.

MN: Wie spät ist es?

21 Uhr. Kinder schlafen, Katze frisst, Daddy hat einen Whiskey. All is good.

MN: Wie ist das Wetter?

Herbstlich. Warm genug, dass man angenehm überrascht aus dem Haus geht. Kalt genug, dass man immer leicht verschnupft zurückkehrt.

MN: Wo sind Sie gerade?

Wohnzimmer. Sofa.


Beruf

MN: Was sind Sie von Beruf?

Schauspieler/Musiker/Musical-Darsteller

MN: Haben Sie an Ihrer Karriere gezielt gearbeitet, oder hat die Liebe für Ihre Arbeit zu Ihrer Karriere geführt?

Ich wusste schon mit 6, als ich Neil Diamond: "Hot August Night Live" hörte, dass ich kein Anwalt werden wollte. Ich habe mit 7 angefangen, im Chor zu singen. Mit 11 entdeckte ich die Gitarre UND das Theater. Hausaufgaben haben zum Zeitplan einfach nicht gepasst.

MN: Der ungerechtfertigte Erfolg eines Konkurrenten oder der eigene ungerechtfertigte Misserfolg - was ärgert Sie mehr und warum?

Mein ungerechtfertigter Misserfolg. Ich kann nur mein eigenes Leben kontrollieren! Wenn sogar das nicht klappt, werde ich ziemlich grantig.

MN: Wie viel Prozent Ihres Jobs würden Sie auch gerne ausüben, wenn Sie dafür kein Geld bekämen?

Bekommt man Geld dafür? Na, toll.


Leben

MN: Sind Sie dort, wo Sie immer hinwollten?

Überhaupt nicht. Ich bin 1999 mit einer Produktion (Disneys "Der Glöckner von Notre Dame" ) nach Berlin gezogen. Die Show sollte neun Monate später ihre Broadway-Premiere haben. In Berlin lernte ich meine Frau kennen, die sagte, "Have you ever been to Vienna? They're doing a Production of 'HAIR'." 2000 bin ich am Spittelberg eingezogen. Inzwischen ist "Der Glöckner..." von Disney längst abgesetzt worden. Ich habe hier eine wunderbare Frau (Ann Mandrella), und Zwillinge. Nicht schlecht.

MN: Haben Sie noch ein großes Ziel (welches?), oder reicht Ihnen Ihr momentaner Status?

Ich glaube, dass kein Künstler jemals zufrieden sein kann. Man sehnt sich schon immer nach Abwechslung. Momentan sind meine Ziele Erfahrungen. Ich würde gern mit meiner Musik auf Tournee gehen. Ein paar Monate das Rock & Roll Leben führen. Ich würde gerne eine Kochschule besuchen, Fallschirmspringen, und vielleicht eine Kunstaustellung mit meinen Werken organisieren.

MN: Sind Sie eher glücklich oder eher unglücklich?

Glücklich.

MN: Haben Sie manchmal das Gefühl, Sie müssten sich für Ihr Glück rechtfertigen? (Warum?)

Niemals. Ich mache genau das, was ich immer machen wollte. Ich habe sehr hart gearbeitet, um da zu sein, wo ich bin.

MN: Wenn alles gerade gut läuft in Ihrem Leben, haben sie dann Angst, dass Sie etwas davon verlieren könnten, oder genießen Sie Ihr Glück, egal, was danach kommen mag? Waren Sie schon immer so?

Ich bin ein Genießer. Ich werde ab und zu unruhig, wenn ich das Gefühl bekomme, ich könnte stagnieren. Aber so eine Unruhe hält einen kreativ und wach. Niemals zu bequem werden!

MN: Wenn Sie etwas wissen, was wenige Menschen wissen und was auf Ihre Bildung hinweist, müssen Sie das dann den Menschen unbedingt mitteilen?

Ich hasse fast nichts mehr als Besserwisser. Ich liebe den Spruch von Mark Twain: "Better to shut your mouth and appear a fool, than to open your mouth and prove it."

MN: Haben Sie jemals in der Schule nicht aufgezeigt, obwohl Sie die Antwort wussten?

Oft.

MN: Haben Sie in der Schule irgendetwas für Ihr Leben gelernt? Was?

Egal wo du hin musst, bring IMMER was zum Schreiben mit.

MN: Wenn Ihr Leben verfilmt würde, wie wäre der Titel dieses Films und wen wünschen Sie sich in der Hauptrolle?

"High Notes/Low Standards: The Drew Sarich Story" Hmmm... und dann machen wir eine Casting-Show à la X Factor. Ich würde in der Jury neben Markus Spiegel und Daniela Katzenberger sitzen! Knaller!

MN: Was macht Sie trauriger? Träume, die noch immer unerfüllt sind, oder Träume, die vor langer Zeit schon in Erfüllung gegangen sind?

Unerfüllte Träume. Man soll in sein kurzes Leben so viel Erfahrung reinstopfen wie möglich. Wer am Ende die besten Geschichten hat, gewinnt!

MN: Wovor haben Sie mehr Angst: Vor dem Vorgang des Sterbens oder vor der Tatsache, dass sie danach tot sind? Warum?

Der Vorgang. Ich bin kein Fan von Schmerz. Ich hasse auch die Idee, dass jemand mein Leben irgendwie aufräumen müsste. Sobald ich weg bin, kann ich mir nur vorstellen, dass mir alles ziemlich wurscht ist.

MN: Fürchten Sie sich manchmal vor Dingen mehr als notwendig? Hätten Sie gerne ihre Ängste mehr unter Kontrolle?

Ich kann ehrlich sagen, dass ich 99% angstfrei bin. Zahnärzte machen mich fertig. Und das offene Meer. Ansonsten bin ich ein Tiger.


Philosophie

MN: Aus irgendeinem Grund (die gute Fee) müssen Sie sich zwischen diesen beiden Lebensweisen entscheiden: 1) Sie werden steinreich (mehrere Milliarden Euro) und bleiben sterblich. 2) Sie müssen mit 700 Euro im Monat auskommen und werden unsterblich. Wie entscheiden Sie sich und warum?

Da ewige Leben kommt mir ziemlich lang vor. Gib mir 88 Jahre und Geld, um das Leben mit meiner Familie zu genießen, und ich werde nicht jammern.

MN: Besitzt der Mensch einen freien Willen? Was führen Sie als Beweis an?

Salat-Bar.

MN: Glauben Sie, dass Gott, oder eine andere Instanz, Sie lenkt, oder dass Sie Ihr Schicksal selbst gestalten?

Ich glaube, wir werden alle mit Wechselreifen, Zange und Stereo-Anlage auf die Autobahn gesetzt. Am Steuer sitzen wir jedoch selbst.

MN: Haben Sie manchmal davor Angst, dass Sie sich für Ihr Handeln auf Erden irgendwann an einem anderen Ort verantworten müssen?

Ich schlafe ziemlich gut, danke!

MN: Ich selbst bin sehr davon beeindruckt, dass der Buddhismus als einzige Weltreligion nicht missioniert. Warum, glauben Sie, ist das so?

Buddhismus ist keine Religion, oder? Eher eine Philosophie. Man wird auch durch das Ablehnen von Buddhismus, nicht persönlich gefährdet.

MN: Ihr Kind hat einen Mord begangen. Sie haben die Möglichkeit, alle Indizien verschwinden zu lassen. Würden sie das tun?

Ich glaube, dass man Verantwortung für seine Taten übernehmen muss. Ich hoffe, ich erziehe meine Kinder so, dass sie das Leben eines anderen Menschen über alles respektieren. Dann stellt sich diese Frage nicht.

MN: Wie kommen wir der Wahrheit näher? Durch Nachdenken oder durch Nachforschen?

Durch beides.


Partnerschaft

MN: Um Ihre Beziehung zu retten, würden Sie eher eine Paartherapie oder einen Romantikurlaub auf den Malediven buchen?

Es gibt irgendwo an diesem Strand eine Bar, oder? Buffet? Reden und streiten macht durstig! Ich bin der Meinung, Spaß rettet vieles in einer Beziehung. Man kann die Liebe über Mai Tais und Sonnencreme diskutieren. Und wenn es zu stressig wird, geht man Spearfishing.

MN: Wie groß ist der Unterschied zwischen Ihrem realen Sexualleben und Ihren sexuellen Fantasien? Sehen Sie eine Chance, diesen Abstand zu verkleinern?

Der richtige Partner macht die Fantasien wahr.

MN: Haben Sie schon einmal während des Sex geweint?

Ja. Ich muss ehrlich gestehen. Ich habe Theater studiert!!! Ich habe dramatische Beziehungen regelmäßig ausgesucht! Irgendwann passiert sowas! Tränen sind nicht negativ. Man wundert sich, wie einen guter Sex zum emotionellen Limit bringen kann! Allerdings, bei häufigen Heulkrämpfen solltest Du zurück zur Bedienungsanleitung gehen. Du machst bestimmt irgendwas falsch.

MN: Wenn Sie die Gewissheit hätten, mit einer bestimmten Person immer guten, aufregenden, gewagten Sex haben zu können – würden sie dafür auf Ihren Führerschein verzichten und stattdessen immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren? Wenn nicht – was wäre ein fairer Deal?

Um... Ja. Meine Frau und ich haben andauernd wilden, gewagten Sex... in der U-Bahn.

MN: Wie leicht fällt es Ihnen, mit einer attraktiven Frau/mit einem attraktiven Mann zu sprechen und sich dabei nicht vorzustellen, wie es mit ihr/ihm im Bett wäre?

Es geht. Glaube ich.

MN: Glauben Sie, ist sich Ihr Gesprächspartner dessen bewusst?

Naja, sie haben immer so ausgesehen als hätten sie sich selbst etwas Aufregendes vorgestellt.


Politik

MN: Halten Sie den Krieg für ein legitimes Mittel, um politische Ziele zu erreichen?

Nein.

MN: In wie vielen Jahren wird es die erste österreichische Bundeskanzlerin geben?

In 7 Jahren.

MN: In wie vielen Jahren wird es den ersten österreichischen Bundeskanzler geben, der einen türkischen Nachnamen trägt?

In Österreich? Good luck!

MN: Wie erklären sie sich die Tatsache, dass es in jeder Gesellschaft einen rechten Rand gibt?

Weil es wesentlich einfacher ist, Menschen mit Hass und Angst zu kontrollieren.


Zum Abschluss

MN: Wie spät ist es jetzt?

23:30

MN: Welche Frage war Ihnen unangenehm?

Ich bin ganz unverletzt rausgekommen.

MN: Welche Frage möchten Sie mir stellen?

Mel Brooks oder Monty Python?

MN: Das ist die schwierigste Entscheidung meines Lebens. Drew!!! Warum tust Du mir das an!!?? O.K. Wenn ich ganz, ganz ehrlich bin - Mel Brooks. Aber kaum habe ich mich entschieden, möchte ich die Entscheidung schon wieder rückgängig machen und laut MONTY PYTHON rufen!!! Ich liebe beide!!!

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