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Niavaranis "Interview"-Gäste

Christina Stürmer: "Mein großes Ziel ist, dass ich meine Flugangst überwinde"

09.05.2014 - 10:57
Christina Stürmer promotet gerade ihr neues Album "Nahaufnahme". Eine solche liefert sich auch hier mit sehr persönlichen Antworten. Christina Stürmer einmal abseits des Star- und Poprummels.
© Erik Weiss / Universal Music

Michael Niavarani stellt Christina Stürmer seine relevanten Fragen.

 

Allgemein

Michael Niavarani: Wie heißen Sie?

Christina Stürmer

MN: Wie geht es Ihnen?

Eigentlich ganz gut – im Moment ist meine Arbeit aber sehr anstrengend, und deshalb bin ich oft sehr müde.

MN: Wie spät ist es?

21 Uhr

MN: Wie ist das Wetter?

Es ist dunkel, und die Jalousien sind schon herunten. Aber am Tag war es sehr schön. Gefühlte 20 Grad ... also ein schöner Spätsommer-Tag.

MN: Wo sind Sie gerade?

Bei mir zu Hause im Weinviertel.

 

Beruf

MN: Was sind Sie von Beruf?

Musikerin ... und gelernte Buchhändlerin

MN: Haben Sie an Ihrer Karriere gezielt gearbeitet, oder hat die Liebe für Ihre Arbeit zu Ihrer Karriere geführt?

Die Liebe zur Musik war auf alle Fälle immer da, aber ich hab nicht gezielt daran gearbeitet, dass ich hauptberuflich Musikerin werde. Es war Zufall.

MN: Der ungerechtfertigte Erfolg eines Konkurrenten oder der eigene ungerechtfertigte Misserfolg - was ärgert Sie mehr und warum?

Mein ungerechtfertigter Misserfolg – ganz klar. Man arbeitet, und trotz aller Mühen und Liebe geht etwas in die Hose. Das ist halt eben richtig ärgerlich.

MN: Wie viel Prozent Ihres Jobs würden Sie auch gerne ausüben, wenn Sie dafür kein Geld bekämen?

50%

 

Leben

MN: Sind Sie dort, wo Sie immer hinwollten?

Ich wollte hier nicht zu 100% hin. Vielleicht habe ich davon geträumt, aber geplant war das hier nicht. Ich kann aber sagen, dass es sehr viel Spaß macht.

MN: Haben Sie noch ein großes Ziel (welches?), oder reicht Ihnen Ihr momentaner Status?

Mein großes Ziel ist, dass ich meine Flugangst überwinde ... dass ich einmal entspannt in ein Flugzeug steigen kann und den Flug genieße!

MN: Sind Sie eher glücklich oder eher unglücklich?

Definitiv glücklich

MN: Haben Sie manchmal das Gefühl, Sie müssten sich für Ihr Glück rechtfertigen? (Warum?)

Nein.

MN: Wenn alles gerade gut läuft in Ihrem Leben, haben sie dann Angst, dass Sie etwas davon verlieren könnten, oder genießen Sie Ihr Glück, egal, was danach kommen mag? Waren Sie schon immer so?

Ich versuche immer alles zu genießen ... aber oft funktioniert das nicht. Oft habe ich Angst, dass jemandem aus meiner Familie oder meinem Bekanntenkreis etwas passiert.

MN: Wenn Sie etwas wissen, was wenige Menschen wissen und was auf Ihre Bildung hinweist, müssen Sie das dann den Menschen unbedingt mitteilen?

Nein.

MN: Haben Sie jemals in der Schule nicht aufgezeigt, obwohl Sie die Antwort wussten?

Ja, aber ich hab ständig gedacht, dass es vielleicht doch nicht stimmen könnte, und dass dann alle über mich lachen.

MN: Haben Sie in der Schule irgendetwas für Ihr Leben gelernt? Was?

Ja, dass Freunde verdammt wichtig sind. Natürlich nicht, was Schummeln oder so angeht :-) Sondern einfach die Gemeinschaft! Zusammen macht alles viel mehr Spaß!

MN: Wenn Ihr Leben verfilmt würde, wie wäre der Titel dieses Films und wen wünschen Sie sich in der Hauptrolle?

"Ich muss gar nichts" wäre ein schöner Titel. Als Hauptrolle würde ich mir Birgit Minichmayr wünschen – sie ist eine großartige Schauspielerin und singen kann sie auch :-)

MN: Was macht Sie trauriger? Träume, die noch immer unerfüllt sind, oder Träume, die vor langer Zeit schon in Erfüllung gegangen sind?

Weder noch ... Es ist doch schön, wenn Träume in Erfüllung gehen ... genauso schön ist es aber, wenn man noch Träume hat!

MN: Wovor haben Sie mehr Angst: Vor dem Vorgang des Sterbens oder vor der Tatsache, dass sie danach tot sind? Warum?

Wenn, dann auf alle Fälle vor dem Vorgang des Sterbens. Dass ich danach tot bin – okay ... das ist nun mal so – aber der Vorgang? Wie wird es sein? Wird es lange dauern oder fall ich einfach um? Ich habe Angst davor, dass ich von anderen abhängig bin, bettlägrig, irgendwie senil, aber doch alles mitbekomme und ich mich nicht dagegen wehren kann.

MN: Fürchten Sie sich manchmal vor Dingen mehr als notwendig? Hätten Sie gerne ihre Ängste mehr unter Kontrolle?

Manchmal JA! Gerade was die Flugangst anbelangt. Ich weiß, dass es ein sehr sicheres Verkehrsmittel ist ... trotzdem hab ich ständig Angst.

 

Philosophie

MN: Aus irgendeinem Grund (die gute Fee) müssen Sie sich zwischen diesen beiden Lebensweisen entscheiden: 1) Sie werden steinreich (mehrere Milliarden Euro) und bleiben sterblich. 2) Sie müssen mit 700 Euro im Monat auskommen und werden unsterblich. Wie entscheiden Sie sich und warum?

Sterblich und steinreich! Wenn nur ICH unsterblich bin ... meine Familie & Freunde aber nicht ... was bringt mir hier die Unsterblichkeit? Nichts!

MN: Besitzt der Mensch einen freien Willen? Was führen Sie als Beweis an?

Puh – beweisen kann ich es nicht ... aber ich glaube trotzdem daran, dass der Mensch einen freien Willen hat.

MN: Glauben Sie, dass Gott, oder eine andere Instanz, Sie lenkt, oder dass Sie Ihr Schicksal selbst gestalten?

Ich glaube, dass ich selbst für mein Leben verantwortlich bin. Was in diesem Leben passiert – das gestalte ich selber. Gleichzeitig glaube ich aber, dass das Sterbedatum schon bei der Geburt von irgendwem festgelegt wird.

MN: Haben Sie manchmal davor Angst, dass Sie sich für Ihr Handeln auf Erden irgendwann an einem anderen Ort verantworten müssen?

Nein, dass glaube ich nicht.

MN: Ich selbst bin sehr davon beeindruckt, dass der Buddhismus als einzige Weltreligion nicht missioniert. Warum, glauben Sie, ist das so?

Soweit ich weiß, sieht sich der Buddhismus ja nicht nur als Religion, sondern auch als Lehre. Vielleicht kommt daher der Ansatz, nicht zu missionieren. Aber eigentlich missioniert doch jeder Mensch indirekt, wenn er über die eigene Lebensauffassung spricht.

MN: Ihr Kind hat einen Mord begangen. Sie haben die Möglichkeit, alle Indizien verschwinden zu lassen. Würden sie das tun?

Ich hoffe, dass ich diese Frage niemals beantworten muss. Im Moment kann ich mich schwer in diese Lage versetzen. Prinzipiell glaube ich aber, dass man aus Liebe zu seinem eigenen Kind zu allem fähig ist.

MN: Wie kommen wir der Wahrheit näher? Durch Nachdenken oder durch Nachforschen?

Durch beides.

 

Partnerschaft

MN: Um Ihre Beziehung zu retten, würden Sie eher eine Paartherapie oder einen Romantikurlaub auf den Malediven buchen?

Kommt auf das Problem in der Beziehung an. Ein Romantikurlaub auf den Malediven kann Wunder wirken, wenn es ein bisschen unrund läuft – aber bei einem gröberen Problem hilft das glaube ich auch nicht mehr. Dann die Paartherapie!

MN: Wie groß ist der Unterschied zwischen Ihrem realen Sexualleben und Ihren sexuellen Fantasien? Sehen Sie eine Chance, diesen Abstand zu verkleinern?

Der Abstand ist ziemlich klein.

MN: Haben Sie schon einmal während des Sex geweint?

Nein

MN: Wenn Sie die Gewissheit hätten, mit einer bestimmten Person immer guten, aufregenden, gewagten Sex haben zu können – würden sie dafür auf Ihren Führerschein verzichten und stattdessen immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren? Wenn nicht – was wäre ein fairer Deal?

Wenn nur der Sex aufregend, gut und gewagt ist – dahinter keine Liebe wäre ... dann würde ich ganz ehrlich den Führerschein behalten. Wenn das natürlich gleichzeitig meine große Liebe ist ... na dann – nur mehr Öffis!

MN: Wie leicht fällt es Ihnen, mit einer attraktiven Frau/mit einem attraktiven Mann zu sprechen und sich dabei nicht vorzustellen, wie es mit ihr/ihm im Bett wäre?

Sehr leicht – ich muss gestehen, dass ich mir das während einem Gespräch noch nie vorgestellt habe.

MN: Glauben Sie, ist sich Ihr Gesprächspartner dessen bewusst?

Keine Ahnung?!

 

Politik

MN: Halten Sie den Krieg für ein legitimes Mittel, um politische Ziele zu erreichen?

Nein.

MN: In wie vielen Jahren wird es die erste österreichische Bundeskanzlerin geben?

Ich glaube bald. Es gibt ja immer mehr Frauen in der Politik ...

MN: In wie vielen Jahren wird es den ersten österreichischen Bundeskanzler geben, der einen türkischen Nachnamen trägt?

Wenn, dann sicher erst nach der ersten Frau Bundeskanzlerin.

MN: Wie erklären sie sich die Tatsache, dass es in jeder Gesellschaft einen rechten Rand gibt?

Keine Ahnung – es ist mir ein Rätsel.

 

Zum Abschluss

MN: Wie spät ist es jetzt?

23 Uhr ... aber ca. 1 Woche später

MN: Welche Frage war Ihnen unangenehm?

Nicht unangenehm, aber ich hab sehr lange überlegt bei der Frage, ob ich in der Schule etwas für mein Leben gelernt habe.

MN: Welche Frage möchten Sie mir stellen?

Wie lange sind Sie gesessen, um diese "relevanten Fragen" zusammen zu stellen?

MN: Ein halbes Jahr hab ich nur einfach so dran gedacht, was ich denn fragen könnte. Und dann war der Fragebogen nach nur 370 Stunden in Wiener Kaffeehäusern plötzlich fertig.

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