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Niavaranis "Interview"-Gäste

Claudia Stöckl: "Wieviel Erfüllung geht sich in diesem Leben noch aus????"

10.04.2014 - 19:38
Unlängst war Michael Niavarani zu Gast bei Claudia Stöckls Ö3-Interviewreihe "Frühstück bei mir" zu Gast. Nun die Revanche: Stöckl von "Nia" befragt. Ohne Frühstück. Aber mit Kochpause.
© Suzy Stöckl

Michael Niavarani stellt Claudia Stöckl seine relevanten Fragen.

 

Allgemein

Michael Niavarani: Wie heißen Sie?

Claudia Stöckl.

MN: Wie geht es Ihnen?

Danke gut. Wie immer recht viel zu tun, und der Kopf ist voll, aber es ist schön zuhause zu sein.

MN: Wie spät ist es?

22.15h

MN: Wie ist das Wetter?

Kalt und nieselig. Der Herbst von seiner dunklen Seite.

MN: Wo sind Sie gerade?

Im Wohnzimmer, ZIB 2 läuft.

 

Beruf

MN: Was sind Sie von Beruf?

Ö3-Journalistin und Moderatorin, ehrenamtlich Leiterin der Hilfsorganisation "Zukunft für Kinder-ZUKI".

MN: Haben Sie an Ihrer Karriere gezielt gearbeitet, oder hat die Liebe für Ihre Arbeit zu Ihrer Karriere geführt?

Die Liebe zur Arbeit, zu Menschen, die Liebe zu mehr Wissen und die Antworten auf Fragen. Ganz ohne Ziel, Strategie oder Networking in eine bestimmte Richtung. Zumindest nicht bewusst.

MN: Der ungerechtfertigte Erfolg eines Konkurrenten oder der eigene ungerechtfertigte Misserfolg - was ärgert Sie mehr und warum?

Immer der eigene Misserfolg. Bin leider eine Perfektionistin und habe höchste Ansprüche an mich selber. Wenn dann auch die größten Bemühungen in Misserfolg resultieren, tut das ehrlich gesagt schon ein bisschen weh.

MN: Wie viel Prozent Ihres Jobs würden Sie auch gerne ausüben, wenn Sie dafür kein Geld bekämen?

Für meine karitative Arbeit bekomme ich kein Geld, also da sind es 100%. Bei Ö3 sind das Aufstellen von Gästen, die Vorbereitung und Schnitt meiner Sendung manchmal recht mühsam. Da wären es wohl 50%. Das Gespräch mit meinen Gästen würde ich auch gratis führen.

 

Leben

MN: Sind Sie dort, wo Sie immer hinwollten?

Teilweise. Ich wollte immer große Persönlichkeiten fragen und hinterfragen, Inhalte vermitteln, viele Menschen erreichen und mich sozial engagieren. Das habe ich erreicht. Einen packenden Roman habe ich leider noch immer nicht geschrieben und eine gute Geschäftsidee würde ich auch gerne verwirklichen. Und da wäre noch der Traum vom Haus am Meer ...

MN: Haben Sie noch ein großes Ziel (welches?), oder reicht Ihnen Ihr momentaner Status?

Siehe oben. Mich interessiert leider viel zu viel. Und ich glaube sehr schnell, dass ich Dinge kann (außer beim Schifahren :-))

MN: Sind Sie eher glücklich oder eher unglücklich?

Eher sehr glücklich!

MN: Haben Sie manchmal das Gefühl, Sie müssten sich für Ihr Glück rechtfertigen? (Warum?)

Ja, immer wenn ich wieder in einem Entwicklungsland in den Slums stehe und tief betroffen bin, unter welchen elenden Umständen Hunderttausende Menschen leben müssen. Zuletzt hat mich dieses Gefühl in den Armenvierteln von Addis Abeba befallen, Menschen, die sich mit verseuchtem Wasser im Rinnsal waschen, die in Müllhalden leben. Da denke ich mir: "Und warum habe ich es so gut erwischt?" (Meine Antwort: weil ich anscheinend die Aufgabe habe, zur Umverteilung beizutragen.)

MN: Wenn alles gerade gut läuft in Ihrem Leben, haben sie dann Angst, dass Sie etwas davon verlieren könnten, oder genießen Sie Ihr Glück, egal, was danach kommen mag? Waren Sie schon immer so?

Ich habe manchmal Angst, Menschen, die ich liebe zu verlieren. Es geht immer um Menschen, nie um Besitz. Aber das sind schnelle, kurze Gedanken. Ansonsten genieße ich mein Leben sehr.

MN: Wenn Sie etwas wissen, was wenige Menschen wissen und was auf Ihre Bildung hinweist, müssen Sie das dann den Menschen unbedingt mitteilen?

Nein.

MN: Haben Sie jemals in der Schule nicht aufgezeigt, obwohl Sie die Antwort wussten?

Ja oft. Ich war immer Klassenbeste und das war schon auffällig genug; um sich den "Streber"-Hohn der anderen nicht in allzu großem Maß zuzuziehen, war ich oft lieber still.

MN: Haben Sie in der Schule irgendetwas für Ihr Leben gelernt? Was?

Ja, sehr viel. Zuallererst Sprachen, und als Klassensprecherin auch die Haltung, für andere zu kämpfen und - im richtigen Moment - auch laut zu sein.

MN: Wenn Ihr Leben verfilmt würde, wie wäre der Titel dieses Films und wen wünschen Sie sich in der Hauptrolle?

Titel: "Die Klippenspringerin"- oft fühle ich mich im freien Fall, der Ausgang der Unternehmung ungewiss. Ich würde mich am liebsten selber spielen.

MN: Was macht Sie trauriger? Träume, die noch immer unerfüllt sind, oder Träume, die vor langer Zeit schon in Erfüllung gegangen sind?

Immer Träume, die noch unerfüllt sind. Den die Schlüssel-Frage lautet: Wieviel Erfüllung geht sich in diesem Leben noch aus????

MN: Wovor haben Sie mehr Angst: Vor dem Vorgang des Sterbens oder vor der Tatsache, dass sie danach tot sind? Warum?

Den Vorgang des Sterbens. Es wird vielleicht sehr schmerzvoll, diese Welt zu verlassen.

MN: Fürchten Sie sich manchmal vor Dingen mehr als notwendig? Hätten Sie gerne ihre Ängste mehr unter Kontrolle?

Nein, Ängste bestimmen mein Leben so gut wie gar nicht. Außer eben die kurzzeitige Panik, geliebte Menschen zu verlieren.

 

Philosophie

MN: Aus irgendeinem Grund (die gute Fee) müssen Sie sich zwischen diesen beiden Lebensweisen entscheiden: 1) Sie werden steinreich (mehrere Milliarden Euro) und bleiben sterblich. 2) Sie müssen mit 700 Euro im Monat auskommen und werden unsterblich. Wie entscheiden Sie sich und warum?

Ich würde gerne sterblich bleiben, weil der Gedanke erschreckend wäre, diese Welt nie zu verlassen. Die Milliarden nehme ich auch gerne, würde mir ein paar kleine Träume erfüllen und dann aus meiner kleinen Hilfsorganisation für Straßenkinder eine Bewegung machen.

MN: Besitzt der Mensch einen freien Willen? Was führen Sie als Beweis an?

Meine Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen.

MN: Glauben Sie, dass Gott, oder eine andere Instanz, Sie lenkt, oder dass Sie Ihr Schicksal selbst gestalten?

Ich glaube an einen großen göttlichen Plan mit der Freiheit, uns im Detail für verschiedene Wege, Handlungen zu entscheiden.

MN: Haben Sie manchmal davor Angst, dass Sie sich für Ihr Handeln auf Erden irgendwann an einem anderen Ort verantworten müssen?

Keine Angst, nur eine beklemmende Gewissheit.

MN: Ich selbst bin sehr davon beeindruckt, dass der Buddhismus als einzige Weltreligion nicht missioniert. Warum, glauben Sie, ist das so?

Weil Buddhisten sich von jeder Form des Besitzstrebens und der Machtdemonstration losgesagt haben.

MN: Ihr Kind hat einen Mord begangen. Sie haben die Möglichkeit, alle Indizien verschwinden zu lassen. Würden sie das tun?

Nein. Es wäre falsch verstandene Liebe. Ein Leben aus der Lüge heraus würde es nicht glücklich machen. Man muss für seine Taten Verantwortung übernehmen.

MN: Wie kommen wir der Wahrheit näher? Durch Nachdenken oder durch Nachforschen?

Unserer persönlichen Wahrheit durch Nachdenken. Subjektive Wahrheit hat auch viel mit Empfinden zu tun. Den großen Wahrheiten in den Naturwissenschaften sicher durch Nachforschen.

 

Partnerschaft

MN: Um Ihre Beziehung zu retten, würden Sie eher eine Paartherapie oder einen Romantikurlaub auf den Malediven buchen?

Eine Paartherapie. Ich gehe allem gerne auf den Grund.

MN: Wie groß ist der Unterschied zwischen Ihrem realen Sexualleben und Ihren sexuellen Fantasien? Sehen Sie eine Chance, diesen Abstand zu verkleinern?

Ich glaube der Unterschied bleibt immer gleich, weil es die Natur der Phantasie ist, die Realität zu übersteigen.

MN: Haben Sie schon einmal während des Sex geweint?

Ja natürlich.

MN: Wenn Sie die Gewissheit hätten, mit einer bestimmten Person immer guten, aufregenden, gewagten Sex haben zu können – würden sie dafür auf Ihren Führerschein verzichten und stattdessen immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren? Wenn nicht – was wäre ein fairer Deal?

Auf den Führerschein verzichten geht gar nicht. Aber warum alles Schöne immer mit Verzicht gekoppelt sein muss. Ich will alles -und das sofort! (hatte schon viel mit Buddhisten zu tun, aber noch ohne Wirkung, wie man merkt :-))

MN: Wie leicht fällt es Ihnen, mit einer attraktiven Frau/mit einem attraktiven Mann zu sprechen und sich dabei nicht vorzustellen, wie es mit ihr/ihm im Bett wäre?

Kommt auf das Gesprächsthema an. Wenn der Intellekt voll gefragt ist, dann geht die Phantasie weniger auf Reisen.

MN: Glauben Sie, ist sich Ihr Gesprächspartner dessen bewusst?

Ich glaube attraktive Männer gehen immer davon aus, dass alle Frauen nach Sex mit ihnen lechzen (ätsch, stimmt nicht!)

 

Politik

MN: Halten Sie den Krieg für ein legitimes Mittel, um politische Ziele zu erreichen?

Nein. Es muss auch friedlich gehen.

MN: In wie vielen Jahren wird es die erste österreichische Bundeskanzlerin geben?

In hoffentlich zehn bis zwanzig Jahren. Wäre spannend, wäre schön (und sie dürfte auch aufregender als Angela sein!)

MN: In wie vielen Jahren wird es den ersten österreichischen Bundeskanzler geben, der einen türkischen Nachnamen trägt?

In zwanzig bis dreißig Jahren. H.C. Strache sollte es noch erleben.

MN: Wie erklären sie sich die Tatsache, dass es in jeder Gesellschaft einen rechten Rand gibt?

Weil die Angst vor dem Fremden in zu vielen Menschen tobt.

 

Zum Abschluss

MN: Wie spät ist es jetzt?

23.35h. Ich habe zwischenzeitlich aber auch gekocht, gegessen und die Küche aufgeräumt.

MN: Welche Frage war Ihnen unangenehm?

Keine. Ich bin mal kochen gegangen, als es intim wurde. Der Vorteil eines Mailinterviews ...

MN: Welche Frage möchten Sie mir stellen?

Natürlich alle. Es wird (schon) wieder Zeit für "Frühstück bei mir"!

MN: Frau Stöckl!!! Jetzt war ich doch eh grad bei Ihnen!!!!

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