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David Schalko: "Ich bin immer dort, wo ich nicht hinwollte"

11.10.2010 - 10:28
David Schalko hat viele Talente. So schafft es etwa der Regisseur und Autor auch, einen Fragebogen auszufüllen und dabei die Zeit rückwärts laufen zu lassen. Lesen Sie selbst!
© erich reismann / SBM / picturedesk.com

Michael Niavarani stellt David Schalko seine relevanten Fragen.


Allgemein

Michael Niavarani: Wie heißen Sie?

David Werner Schalko

MN: Wie geht es Ihnen?

Das ist eine gefährliche Frage, die man nur stellen sollte, wenn man wirklich viel Zeit hat.

MN: Wie spät ist es?

18.30 Uhr

MN: Wie ist das Wetter?

Keine Ahnung, in meinem Zimmer ist es immer gleich.

MN: Wo sind Sie gerade?

In meinem Zimmer.


Beruf

MN: Was sind Sie von Beruf?

Sehen Sie, das frage ich mich seit Jahren.

MN: Haben Sie an Ihrer Karriere gezielt gearbeitet, oder hat die Liebe für Ihre Arbeit zu Ihrer Karriere geführt?

Ich habe völlig ziellos an meiner Karriere gearbeitet, was mich in die missliche Lage gebracht hat, jetzt auch keinen eindeutigen Beruf zu haben.

MN: Der ungerechtfertigte Erfolg eines Konkurrenten oder der eigene ungerechtfertigte Misserfolg - was ärgert Sie mehr und warum?

Wieso sollte mich der gerechtfertigte Erfolg eines Konkurrenten weniger ärgern?

MN: Wie viel Prozent Ihres Jobs würden Sie auch gerne ausüben, wenn Sie dafür kein Geld bekämen?

Zwangsweise. Man bekommt ja in diesem Beruf leider erst gegen Ende der Karriere Geld dafür.


Leben

MN: Sind Sie dort, wo Sie immer hinwollten?

In meinem Zimmer? Nein, ich bin immer dort, wo ich nicht hinwollte. Beginne das aber zu genießen.

MN: Haben Sie noch ein großes Ziel (welches?), oder reicht Ihnen Ihr momentaner Status?

Mein Ziel ist es, mich irgendwann für einen Beruf entschieden zu haben.

MN: Sind Sie eher glücklich oder eher unglücklich?

Ich glaube, ich bin vor allem eher.

MN: Haben Sie manchmal das Gefühl, Sie müssten sich für Ihr Glück rechtfertigen? (Warum?)

Natürlich, ich bin sehr katholisch aufgewachsen. Man wird für alles bestraft, und zwar immer dann, wenn man nicht damit rechnet. Also denke ich immer daran, und dann passiert auch nichts.

MN: Wenn alles gerade gut läuft in Ihrem Leben, haben sie dann Angst, dass Sie etwas davon verlieren könnten, oder genießen Sie Ihr Glück, egal, was danach kommen mag? Waren Sie schon immer so?

Ich genieße das Glück dann, wenn es vorbei ist, weil ich es meistens erst danach als solches erkannt habe.

MN: Wenn Sie etwas wissen, was wenige Menschen wissen und was auf Ihre Bildung hinweist, müssen Sie das dann den Menschen unbedingt mitteilen?

Das hängt ausschließlich vom Alkoholpegel ab. Aber dann hat es auch nichts mehr mit Bildung zu tun.

MN: Haben Sie jemals in der Schule nicht aufgezeigt, obwohl Sie die Antwort wussten?

Diese Größe hatte ich nie. Ich habe allerdings auch selten etwas gewusst.

MN: Haben Sie in der Schule irgendetwas für Ihr Leben gelernt? Was?

Es wird nur das geprüft, was Stoff ist.

MN: Wenn Ihr Leben verfilmt würde, wie wäre der Titel dieses Films und wen wünschen Sie sich in der Hauptrolle?

Titel: Was, jetzt schon? Schauspieler: Ein untalentierter Laie.

MN: Was macht Sie trauriger? Träume, die noch immer unerfüllt sind, oder Träume, die vor langer Zeit schon in Erfüllung gegangen sind?

Da halte ich es mit Oskar Wilde, dass nur eines schlimmer als unerfüllte Träume ist, nämlich die erfüllten.

MN: Wovor haben Sie mehr Angst: Vor dem Vorgang des Sterbens oder vor der Tatsache, dass sie danach tot sind? Warum?

Ich habe eher Angst, dass es zu einem ungünstigen Zeitpunkt stattfinden könnte oder dass ich Opfer eines Missverständnisses werde.

MN: Fürchten Sie sich manchmal vor Dingen mehr als notwendig? Hätten Sie gerne ihre Ängste mehr unter Kontrolle?

Wenn ich meine Ängste unter Kontrolle hätte, müsste ich jetzt nachdenken, zu welchem Zeitpunkt ich sie dann aktivieren würde. Mmmmmh.


Philosophie

MN: Aus irgendeinem Grund (die gute Fee) müssen Sie sich zwischen diesen beiden Lebensweisen entscheiden: 1) Sie werden steinreich (mehrere Milliarden Euro) und bleiben sterblich. 2) Sie müssen mit 700 Euro im Monat auskommen und werden unsterblich. Wie entscheiden Sie sich und warum?

Für die 700 Euro und dann würde ich mich zu einem günstigen Zeitpunkt umbringen.

MN: Besitzt der Mensch einen freien Willen? Was führen Sie als Beweis an?

Der Mensch besitzt solange einen freien Willen, solange es nichts zu entscheiden gibt.

MN: Glauben Sie, dass Gott, oder eine andere Instanz, Sie lenkt, oder dass Sie Ihr Schicksal selbst gestalten?

Weder noch, ich glaube, dass irgendwann jemand kommt und sagt: Bitte kommen Sie mit, es war alles nur ein Missverständnis und wir wollen uns entschuldigen dafür.

MN: Haben Sie manchmal davor Angst, dass Sie sich für Ihr Handeln auf Erden irgendwann an einem anderen Ort verantworten müssen?

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass das Leben auf Erden schon das "sich verantworten" ist, für etwas, das man woanders angestellt hat.

MN: Ich selbst bin sehr davon beeindruckt, dass der Buddhismus als einzige Weltreligion nicht missioniert. Warum, glauben Sie, ist das so?

Ich glaube, es besteht ein Unterschied, ob die Menschen zweitausend Jahre lang auf einen Gekreuzigten oder auf einen lachenden Dicken schauen.

MN: Ihr Kind hat einen Mord begangen. Sie haben die Möglichkeit, alle Indizien verschwinden zu lassen. Würden sie das tun?

Das kommt drauf an, wen das Kind umgebracht hat.

MN: Wie kommen wir der Wahrheit näher? Durch Nachdenken oder durch Nachforschen?

Beides entfernt uns von der Wahrheit.


Partnerschaft

MN: Um Ihre Beziehung zu retten, würden Sie eher eine Paartherapie oder einen Romantikurlaub auf den Malediven buchen?

Ich würde eine Paartherapie auf den Malediven vorschlagen.

MN: Wie groß ist der Unterschied zwischen Ihrem realen Sexualleben und Ihren sexuellen Fantasien? Sehen Sie eine Chance, diesen Abstand zu verkleinern?

Ich weiß nicht, ob es jemals schaffe, meine Fantasie so weit zu entwickeln. (harrharr!)

MN: Haben Sie schon einmal während des Sex geweint?

Ja, vor Freude.

MN: Wenn Sie die Gewissheit hätten, mit einer bestimmten Person immer guten, aufregenden, gewagten Sex haben zu können – würden sie dafür auf Ihren Führerschein verzichten und stattdessen immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren? Wenn nicht – was wäre ein fairer Deal?

Ein fairer Deal wäre, dass immer, wenn ich die öffentlichen Verkehrsmittel betrete, sofort jemand aufregenden, gewagten Sex haben will, dann könnte man über den Führerschein noch mal reden.

MN: Wie leicht fällt es Ihnen, mit einer attraktiven Frau/mit einem attraktiven Mann zu sprechen und sich dabei nicht vorzustellen, wie es mit ihr/ihm im Bett wäre?

Ich glaube, dass man sich auch bei unattraktiven Menschen fragt, wie sie im Bett sind – oft auch mit wem.

MN: Glauben Sie, ist sich Ihr Gesprächspartner dessen bewusst?

Ich gehe davon aus, dass er oder sie das gleiche denkt.


Politik

MN: Halten Sie den Krieg für ein legitimes Mittel, um politische Ziele zu erreichen?

Ich halte bewaffneten Widerstand für legitim.

MN: In wie vielen Jahren wird es die erste österreichische Bundeskanzlerin geben?

Vorher wird es eher einen homosexuellen Bundeskanzler geben.

MN: In wie vielen Jahren wird es den ersten österreichischen Bundeskanzler geben, der einen türkischen Nachnamen trägt?

In zwanzig Jahren. Eine türkische Frau, die für die FPÖ antritt - dann wären viele Probleme gelöst.

MN: Wie erklären sie sich die Tatsache, dass es in jeder Gesellschaft einen rechten Rand gibt?

Naja, es können zwar nicht alle davon an der Aufnahmeprüfung für eine Kunstakademie gescheitert sein, aber irgendetwas Ähnliches wird es schon sein.


Zum Abschluss

MN: Wie spät ist es jetzt?

Seltsam: 18.15 Uhr

MN: Welche Frage war Ihnen unangenehm?

Eigentlich eh alle.

MN: Welche Frage möchten Sie mir stellen?

Kann ich jetzt gehen?

MN: Wohin? Ich komm mit!

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