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Niavaranis "Interview"-Gäste

Rudi Roubinek: "Bin heute auch manchmal noch ein kleines Klugscheißerl"

19.02.2013 - 10:28
Rudi Roubinek wurde als des Kaisers "Obersthofmeister Seyffenstein" einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Weniger publik ist, dass er auch Autor der Show - und erfrischender Schöngeist ist.
© MILENKO BADZIC / picturedesk.com

Michael Niavarani stellt Rudi Roubinek seine relevanten Fragen.

 

Allgemein

Michael Niavarani: Wie heißen Sie?

Rudi Roubinek

MN: Wie geht es Ihnen?

Von den Tagen der Woche ist mir der Montag zwar nicht der liebste, aber recht passabel, danke!

MN: Wie spät ist es?

16.28 Uhr

MN: Wie ist das Wetter?

Trüb, regnerisch und windig

MN: Wo sind Sie gerade?

Hinter meinem Schreibtisch in meinem Büro

 

Beruf

MN: Was sind Sie von Beruf?

Robert Palfrader nennt das "Unterhaltungshandwerker", sehr treffend, wie ich finde. Ich schreibe und stelle dar, auf der Bühne und im TV.

MN: Haben Sie an Ihrer Karriere gezielt gearbeitet, oder hat die Liebe für Ihre Arbeit zu Ihrer Karriere geführt?

Weder noch. In meiner beruflichen Laufbahn ergab irgendwie immer eins das andere. Und lieben tu ich den einen oder anderen Menschen, aber ganz sicher nicht die Arbeit!

MN: Der ungerechtfertigte Erfolg eines Konkurrenten oder der eigene ungerechtfertigte Misserfolg - was ärgert Sie mehr und warum?

Eindeutig b. Kreativ zu sein, heißt etwas schaffen, eine These aufzustellen, etwas zu riskieren. Wenn es nicht angenommen oder negiert wird, hat das etwas Zerstörerisches an sich. Wenn jemand anderer Erfolg hat, obwohl er ein Scharlatan ist, denke ich mir nur das – und nichts weiter.

MN: Wie viel Prozent Ihres Jobs würden Sie auch gerne ausüben, wenn Sie dafür kein Geld bekämen?

0. Im Umkehrschluss: Wenn ich viel Geld hätte, würde ich nicht arbeiten.

 

Leben

MN: Sind Sie dort, wo Sie immer hinwollten?

Ja, das bin ich. Die Arbeit auf der "hellen" Seite der Bühne oder des TV-Studios ist das bisher Aufregendste, was ich beruflich erlebt habe.

MN: Haben Sie noch ein großes Ziel (welches?), oder reicht Ihnen Ihr momentaner Status?

Ich würde gerne einmal eine ernste, tiefgründige, fundamentale Fernsehdiskussion leiten, die noch dazu so fesselnd und kurzweilig ist, dass 300.000 Leute zuschauen.

MN: Sind Sie eher glücklich oder eher unglücklich?

Eher neutral.

MN: Haben Sie manchmal das Gefühl, Sie müssten sich für Ihr Glück rechtfertigen? (Warum?)

Man muss sich immer wieder für sein Glück rechtfertigen, weil es von anderen oft mit anderen Parametern gemessen wird.

MN: Wenn alles gerade gut läuft in Ihrem Leben, haben sie dann Angst, dass Sie etwas davon verlieren könnten, oder genießen Sie Ihr Glück, egal, was danach kommen mag? Waren Sie schon immer so?

Eindeutig b. Waren Sie schon immer so? Ja, für mich ist immer dann der Optimalzustand erreicht, wenn gerade nichts passiert. Das ist wahrer Genuss! Das Morgen kommt eh, ob man will oder nicht ...

MN: Wenn Sie etwas wissen, was wenige Menschen wissen und was auf Ihre Bildung hinweist, müssen Sie das dann den Menschen unbedingt mitteilen?

Ich habe seit der Pubertät sehr an mir gearbeitet, was das betrifft, bin aber heute auch manchmal noch ein kleines Klugscheißerl.

MN: Haben Sie jemals in der Schule nicht aufgezeigt, obwohl Sie die Antwort wussten?

Ja, wenn ich die Antwort für so banal hielt, dass sie eh jeder wusste ...

MN: Haben Sie in der Schule irgendetwas für Ihr Leben gelernt? Was?

Jeden Tag pünktlich wo zu sein. Dinge in sein Hirn reinprügeln, die es gar nicht wissen will. Lehrer sein, ist kein schöner Beruf.

MN: Wenn Ihr Leben verfilmt würde, wie wäre der Titel dieses Films und wen wünschen Sie sich in der Hauptrolle?

"Der Mann, der immer mehr draufkam, dass er gar nicht soviel wusste, wie er ursprünglich dachte und für den es letztlich trotzdem ok war." – Jean Reno

MN: Was macht Sie trauriger? Träume, die noch immer unerfüllt sind, oder Träume, die vor langer Zeit schon in Erfüllung gegangen sind?

Träume machen mich nie traurig, denn darin ist ja alles super!

MN: Wovor haben Sie mehr Angst: Vor dem Vorgang des Sterbens oder vor der Tatsache, dass sie danach tot sind? Warum?

Eindeutig a, b spür ich ja nicht mehr.

MN: Fürchten Sie sich manchmal vor Dingen mehr als notwendig? Hätten Sie gerne ihre Ängste mehr unter Kontrolle?

Ich fürchte mich manchmal, weil ich zu wenig Zutrauen in meine Autorität habe. Aber wenn das nicht mehr so wäre, wäre ich vielleicht überheblich – da hab ich lieber Angst.

 

Philosophie

MN: Aus irgendeinem Grund (die gute Fee) müssen Sie sich zwischen diesen beiden Lebensweisen entscheiden: 1) Sie werden steinreich (mehrere Milliarden Euro) und bleiben sterblich. 2) Sie müssen mit 700 Euro im Monat auskommen und werden unsterblich. Wie entscheiden Sie sich und warum?

Eindeutig 1. Wahrscheinlich wird total reich sein auch irgendwann fad, dann ist's gut, wenn man weiß, es hat ein End'. Arm sein ist hingegen ziemlich schnell fad, und wenn das dann ewig dauert, na danke!

MN: Besitzt der Mensch einen freien Willen? Was führen Sie als Beweis an?

Eigentlich find ich den Fragebogen schon ein bisschen lang, aber mein freier Wille sagt mir: Du hast es versprochen, jetzt mach's g'scheit fertig und hudel die Antworten nicht runter. Und so mach ich's auch.

MN: Glauben Sie, dass Gott, oder eine andere Instanz, Sie lenkt, oder dass Sie Ihr Schicksal selbst gestalten?

Ich glaube an nichts von alledem, auch nicht an ein Schicksal.

MN: Haben Sie manchmal davor Angst, dass Sie sich für Ihr Handeln auf Erden irgendwann an einem anderen Ort verantworten müssen?

Nein.

MN: Ich selbst bin sehr davon beeindruckt, dass der Buddhismus als einzige Weltreligion nicht missioniert. Warum, glauben Sie, ist das so?

Ich weiß eher wenig über den Buddhismus, aber für mich ist jede Religion Unsinn oder besser Nicht-Sinn, da sie von etwas handelt, was es nicht gibt.

MN: Ihr Kind hat einen Mord begangen. Sie haben die Möglichkeit, alle Indizien verschwinden zu lassen. Würden sie das tun?

Wenn mit "Mord" das vorsätzliche Töten eines anderen Menschen gemeint ist und nicht etwa Notwehr, dann vermutlich nicht. Allerdings habe ich kein Kind und kann mich deshalb emotional nur schwer in diese Situation hinein versetzen.

MN: Wie kommen wir der Wahrheit näher? Durch Nachdenken oder durch Nachforschen?

Der philosophischen durch a, der empirischen durch b.

 

Partnerschaft

MN: Um Ihre Beziehung zu retten, würden Sie eher eine Paartherapie oder einen Romantikurlaub auf den Malediven buchen?

Schwer zu sagen: ich habe weder je eine Therapie gemacht noch war ich auf den Malediven. Wenn man nicht mehr miteinander klar kommt, hilft es dann, wenn einem einer dabei zuhört oder wenn man kurzfristig wo anders ist?

MN: Wie groß ist der Unterschied zwischen Ihrem realen Sexualleben und Ihren sexuellen Fantasien? Sehen Sie eine Chance, diesen Abstand zu verkleinern?

Mal ehrlich, die Dinge, die sich Mann manchmal so vorstellt, will er doch sicher nicht mit seiner Frau machen oder?!

MN: Haben Sie schon einmal während des Sex geweint?

Nein.

MN: Wenn Sie die Gewissheit hätten, mit einer bestimmten Person immer guten, aufregenden, gewagten Sex haben zu können – würden sie dafür auf Ihren Führerschein verzichten und stattdessen immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren? Wenn nicht – was wäre ein fairer Deal?

Mir ist Auto fahren eigentlich lieber als Sex haben –schon allein, weil ich das viel länger aushalte.

MN: Wie leicht fällt es Ihnen, mit einer attraktiven Frau/mit einem attraktiven Mann zu sprechen und sich dabei nicht vorzustellen, wie es mit ihr/ihm im Bett wäre?

Mittlerweile leicht. Ich sag' mir bei dieser Gelegenheit immer: Ist sie attraktiv, dann hat sie einen Typen, Punkt.

MN: Glauben Sie, ist sich Ihr Gesprächspartner dessen bewusst?

Also ich denke schon, dass meine lässige Unverbindlichkeit erkannt und geschätzt wird.

 

Politik

MN: Halten Sie den Krieg für ein legitimes Mittel, um politische Ziele zu erreichen?

Krieg ist niemals legitim, weil immer Menschen dabei zu Schaden kommen, die gar nicht mitmachen wollen.

MN: In wie vielen Jahren wird es die erste österreichische Bundeskanzlerin geben?

Ich bin leider über den politischen Nachwuchs in Österreich nicht informiert. Aber so schwer kann das ja nicht sein, die letzten drei Kanzler wären doch Jausengegner.

MN: In wie vielen Jahren wird es den ersten österreichischen Bundeskanzler geben, der einen türkischen Nachnamen trägt?

Das könnte schon bald sein, Vorraussetzung dafür ist freilich, dass er "total integriert" ist. Er müsste z.B. mindestens so auf die Türken schimpfen wie Nicolas Sarkozy auf die Roma.

MN: Wie erklären sie sich die Tatsache, dass es in jeder Gesellschaft einen rechten Rand gibt?

Weil es immer Menschen gibt, die den Grund für ihre eigene Unzufriedenheit bei anderen suchen anstatt bei sich selbst. Und andere, die das ausnützen, sich auf ein Podest stellen und zu schreien anfangen.

 

Zum Abschluss

MN: Wie spät ist es jetzt?

17.52 Uhr. Ich hab Korrektur gelesen und redigiert, Berufskrankheit.

MN: Welche Frage war Ihnen unangenehm?

Na ja, die mit dem Sexleben. Da bin ich sicherheitshalber ausgewichen und hab nichts von den weißen High Heels erzählt ... :-)

MN: Welche Frage möchten Sie mir stellen?

Schläfst Du eigentlich auch irgendwann?!

MN: Manchmal sogar täglich.

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