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Niavaranis "Interview"-Gäste

Wolfgang Rosam: "Streber bringen es zumeist zu nichts"

11.10.2010 - 10:26
Wer sich "leidenschaftlicher Zuhörer" nennt, könnte in die Politik gehen. Oder er lässt die Politik zu sich kommen. Wie W. Rosam, der etwa den EU-Beitritt Österreichs PR-mäßig begeitete.
© PEROUTKA Guenther / Wirtschaftsblatt / picturedesk.com

Michael Niavarani stellt Wolfgang Martin Rosam seine relevanten Fragen.


Allgemein

Michael Niavarani: Wie heißen Sie?

Wolfgang Martin Rosam

MN: Wie geht es Ihnen?

Bestens. Ohne Schmäh: Wirklich – Bestens.

MN: Wie spät ist es?

Nicht spät genug, später Nachmittag, also praktisch in der Früh.

MN: Wie ist das Wetter?

Jetzt gerade? Besch ... Dabei war es vorgestern noch so schön.

MN: Wo sind Sie gerade?

In meinem Office, da bin ich selten genug, weil ich dauernd irgendwo unterwegs sein muss.


Beruf

MN: Was sind Sie von Beruf?

Kommunikationsberater, Herausgeber eines Gourmetmagazins und leidenschaftlicher Zuhörer.

MN: Haben Sie an Ihrer Karriere gezielt gearbeitet, oder hat die Liebe für Ihre Arbeit zu Ihrer Karriere geführt?

Alles kam so zufällig und entwickelte sich schnell "total geplant". Wollte halt immer der Erste sein.

MN: Der ungerechtfertigte Erfolg eines Konkurrenten oder der eigene ungerechtfertigte Misserfolg - was ärgert Sie mehr und warum?

Ich orientiere mich nie am Konkurrenten, obwohl ich ihn dringend brauche, damit er meinen eigenen Ehrgeiz anstachelt. Ich gönne anderen den Erfolg, aber mir auch. Also ärgert mich mein Misserfolg – der meistens gar nicht ungerechtfertigt (!) ist - meistens mehr.

MN: Wie viel Prozent Ihres Jobs würden Sie auch gerne ausüben, wenn Sie dafür kein Geld bekämen?

Hätte ich genug Geld, um nicht mehr arbeiten zu müssen, würde ich trotzdem gerne arbeiten. Aber nur mehr die Hälfte. Also 50%.


Leben

MN: Sind Sie dort, wo Sie immer hinwollten?

Ja. Obwohl es jetzt echt kitschig klingt.

MN: Haben Sie noch ein großes Ziel (welches?), oder reicht Ihnen Ihr momentaner Status?

Ich habe immer Ziele. Als nächstes möchte ich nochmals – mit meinen Partnern – Kommunikations-Agenturen aufbauen. Also werde ich noch lange arbeiten.

MN: Sind Sie eher glücklich oder eher unglücklich?

Ich bin wirklich glücklich (dank meiner Familie: Die beste aller Ehefrauen Angelika und die Kids Leni, 2 und Maxi, 5)

MN: Haben Sie manchmal das Gefühl, Sie müssten sich für Ihr Glück rechtfertigen? (Warum?)

Nein. Ich hab's mir verdient und gönne es auch allen anderen.

MN: Wenn alles gerade gut läuft in Ihrem Leben, haben sie dann Angst, dass Sie etwas davon verlieren könnten, oder genießen Sie Ihr Glück, egal, was danach kommen mag? Waren Sie schon immer so?

Das Einzige wovor ich mich fürchte, ist ernsthaft krank zu werden, was ich derzeit Gott sei dank nicht bin.

MN: Wenn Sie etwas wissen, was wenige Menschen wissen und was auf Ihre Bildung hinweist, müssen Sie das dann den Menschen unbedingt mitteilen?

Nein, denn die Gefahr, dass man dabei unsympathisch rüberkommt, ist zu groß.

MN: Haben Sie jemals in der Schule nicht aufgezeigt, obwohl Sie die Antwort wussten?

Nein. Das auch wieder nicht. Aber Schule und Erwachsensein ist zweierlei. Aber ich war auch kein Streber, eher genau das Gegenteil.

MN: Haben Sie in der Schule irgendetwas für Ihr Leben gelernt? Was?

Ja, dass die Streber es zumeist zu nichts im Leben bringen, was mich ungemein befriedigt hat. Und: Dass die Schule auf "kopieren" und leider nicht auf "kapieren" ausgelegt ist.

MN: Wenn Ihr Leben verfilmt würde, wie wäre der Titel dieses Films und wen wünschen Sie sich in der Hauptrolle?

Titel: "Der Mann mit Eigenschaften". Hauptrolle: Georg Clooney (hätten wir wohl alle gerne?).

MN: Was macht Sie trauriger? Träume, die noch immer unerfüllt sind, oder Träume, die vor langer Zeit schon in Erfüllung gegangen sind?

Keines von beiden. Erfüllte Träume machen mich glücklich und unerfüllte Träume, die sich irgendwann einmal erfüllen, auch.

MN: Wovor haben Sie mehr Angst: Vor dem Vorgang des Sterbens oder vor der Tatsache, dass sie danach tot sind? Warum?

Vor beidem nicht! Ich denke nicht ans Sterben! Und glaube an ein Weiterleben nach dem Tod.

MN: Fürchten Sie sich manchmal vor Dingen mehr als notwendig? Hätten Sie gerne ihre Ängste mehr unter Kontrolle?

Nein. Ich bin sicher nicht furchtlos, fürchte mich aber auch nicht.


Philosophie

MN: Aus irgendeinem Grund (die gute Fee) müssen Sie sich zwischen diesen beiden Lebensweisen entscheiden: 1) Sie werden steinreich (mehrere Milliarden Euro) und bleiben sterblich. 2) Sie müssen mit 700 Euro im Monat auskommen und werden unsterblich. Wie entscheiden Sie sich und warum?

Ich entscheide mich für Variante 1 (steinreich), weil Variante 2 (unsterblich) irgendwann sicher stinklangweilig ist.

MN: Besitzt der Mensch einen freien Willen? Was führen Sie als Beweis an?

Ich bin so oft angeeckt in meinem Leben, war und bin unbequem und empfinde es als größten Luxus, meine Meinung zu sagen. Das ist schon ziemlich viel Freiheit.

MN: Glauben Sie, dass Gott, oder eine andere Instanz, Sie lenkt, oder dass Sie Ihr Schicksal selbst gestalten?

Ich glaube an Gott, aber mein Schicksal liegt in meiner Hand.

MN: Haben Sie manchmal davor Angst, dass Sie sich für Ihr Handeln auf Erden irgendwann an einem anderen Ort verantworten müssen?

Nein, keine Angst, aber ich glaube daran, dass wir uns irgendwann irgendwo für unser Tun verantworten müssen.

MN: Ich selbst bin sehr davon beeindruckt, dass der Buddhismus als einzige Weltreligion nicht missioniert. Warum, glauben Sie, ist das so?

Buddhismus ist die weltlichste Religion und sympathisch, weil sie das Glück bereits zu Lebzeiten auf Erden sieht. Schade, wenn sie das nicht "missioniert".

MN: Ihr Kind hat einen Mord begangen. Sie haben die Möglichkeit, alle Indizien verschwinden zu lassen. Würden sie das tun?

Oh Gott, was für eine Frage! Darüber möchte ich erst gar nicht nachdenken.

MN: Wie kommen wir der Wahrheit näher? Durch Nachdenken oder durch Nachforschen?

Durch beides. Zuerst Nachforschen, dann Nachdenken oder umgekehrt.


Partnerschaft

MN: Um Ihre Beziehung zu retten, würden Sie eher eine Paartherapie oder einen Romantikurlaub auf den Malediven buchen?

Weder noch. Ich lade meine Frau zum Shoppen und zum Essen nach New York ein und versuche viel guten Sex mit ihr zu haben.

MN: Wie groß ist der Unterschied zwischen Ihrem realen Sexualleben und Ihren sexuellen Fantasien? Sehen Sie eine Chance, diesen Abstand zu verkleinern?

Läuft ziemlich gut mit meiner Frau, eigentlich sehr gut. Da hat oft die Fantasie das Nachsehen.

MN: Haben Sie schon einmal während des Sex geweint?

Nein, Gott sei Dank, so traurig war's noch nie! Oder meinten Sie "Weinen vor Glück"?

MN: Wenn Sie die Gewissheit hätten, mit einer bestimmten Person immer guten, aufregenden, gewagten Sex haben zu können – würden sie dafür auf Ihren Führerschein verzichten und stattdessen immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren? Wenn nicht – was wäre ein fairer Deal?

Blöde Frage! Guter Sex ist immer aufregend - durchaus auch im Auto.

MN: Wie leicht fällt es Ihnen, mit einer attraktiven Frau/mit einem attraktiven Mann zu sprechen und sich dabei nicht vorzustellen, wie es mit ihr/ihm im Bett wäre?

Was für eine unanständige Frage! Ich bin doch kein Geilspecht! Die attraktivste Frau ist die Meinige!

MN: Glauben Sie, ist sich Ihr Gesprächspartner dessen bewusst?

Siehe vorherige Frage, Antwort fällt aus.


Politik

MN: Halten Sie den Krieg für ein legitimes Mittel, um politische Ziele zu erreichen?

Never ever! Krieg ist die größte Unfähigkeit, Konflikte zu lösen. Lehne ich absolut ab!

MN: In wie vielen Jahren wird es die erste österreichische Bundeskanzlerin geben?

Noch lange nicht. Die Austriacos sind viel zu autoritätsgläubig und männlich orientiert.

MN: In wie vielen Jahren wird es den ersten österreichischen Bundeskanzler geben, der einen türkischen Nachnamen trägt?

Wenn der Attila Dogudan in 15 Jahren antritt, könnte es funktionieren.

MN: Wie erklären sie sich die Tatsache, dass es in jeder Gesellschaft einen rechten Rand gibt?

Durch den Mangel an Toleranz, Großzügigkeit, Menschlichkeit und dem natürlichen Gefühl des Neides und dass "jemand an der eigenen Misere Schuld sein muss".


Zum Abschluss

MN: Wie spät ist es jetzt?

23 Minuten später, seit ich begonnen habe, diese Fragen zu beantworten.

MN: Welche Frage war Ihnen unangenehm?

Ihr Kind hat einen Mord begangen. Sie haben die Möglichkeit, alle Indizien verschwinden zu lassen. Würden sie das tun?

MN: Welche Frage möchten Sie mir stellen?

Beantworten Sie mir einen ähnlichen Fragenkatalog, wenn ich Ihnen diesen zuschicke?

MN: Sehr gerne.

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