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Niavaranis "Interview"-Gäste

Fifi Pissecker: "Unser genetisches Korsett ist sehr eng"

11.10.2010 - 10:27
Ob bei "Trautmann" als Boxer im TV, als "Hektiker" auf der Bühne, solo auf dem Jakobsweg oder einen Fragebogen beantwortend. Wolfgang Pissecker ist und bleibt - Fifi. "Natürlich ich!".
© www.pissecker.com

Michael Niavarani stellt Fifi Pissecker seine relevanten Fragen.


Allgemein

Michael Niavarani: Wie heißen Sie?

Wolfgang Fifi Pissecker

MN: Wie geht es Ihnen?

Sehr gut. Danke.

MN: Wie spät ist es?

Irgendwann am Morgen

MN: Wie ist das Wetter?

Strahlender Sonnenschein bei 12 Grad

MN: Wo sind Sie gerade?

In meinem Arbeitszimmer


Beruf

MN: Was sind Sie von Beruf?

Schauspieler, Kabarettist, Autor

MN: Haben Sie an Ihrer Karriere gezielt gearbeitet, oder hat die Liebe für Ihre Arbeit zu Ihrer Karriere geführt?

Die Arbeit, das Schicksal und das Glück.

MN: Der ungerechtfertigte Erfolg eines Konkurrenten oder der eigene ungerechtfertigte Misserfolg - was ärgert Sie mehr und warum?

Natürlich der eigene ungerechtfertigte Misserfolg. Neid ist etwas sehr Dummes. Und ein ungerechtfertigter Misserfolg sowieso.

MN: Wie viel Prozent Ihres Jobs würden Sie auch gerne ausüben, wenn Sie dafür kein Geld bekämen?

300!


Leben

MN: Sind Sie dort, wo Sie immer hinwollten?

Nicht ganz, aber ziemlich in der Nähe.

MN: Haben Sie noch ein großes Ziel (welches?), oder reicht Ihnen Ihr momentaner Status?

Ziele sollte man immer haben. Ich wünsche mir, meine gottgegebenen Talente bestmöglich ein- und umzusetzen.

MN: Sind Sie eher glücklich oder eher unglücklich?

Eher sehr glücklich.

MN: Haben Sie manchmal das Gefühl, Sie müssten sich für Ihr Glück rechtfertigen? (Warum?)

Nein.

MN: Wenn alles gerade gut läuft in Ihrem Leben, haben sie dann Angst, dass Sie etwas davon verlieren könnten, oder genießen Sie Ihr Glück, egal, was danach kommen mag? Waren Sie schon immer so?

Verlustängste sind, denke ich, etwas ganz normales und ich glaube, soweit sie im vertretbaren Rahmen sind, durchaus zulässig. Und zur zweiten Frage: Ja, ich war immer schon so.

MN: Wenn Sie etwas wissen, was wenige Menschen wissen und was auf Ihre Bildung hinweist, müssen Sie das dann den Menschen unbedingt mitteilen?

Wenns passt ja, wenns nicht passt eher nicht so.

MN: Haben Sie jemals in der Schule nicht aufgezeigt, obwohl Sie die Antwort wussten?

Wenn ich mich nur daran erinnern könnte ...

MN: Haben Sie in der Schule irgendetwas für Ihr Leben gelernt? Was?

Ja, dass man in der Schule herzlich wenig fürs Leben lernt, ich habe mein Wissen aus anderen Quellen bezogen.

MN: Wenn Ihr Leben verfilmt würde, wie wäre der Titel dieses Films und wen wünschen Sie sich in der Hauptrolle?

Natürlich Dich. Und heißen würde er: Natürlich ich!

MN: Was macht Sie trauriger? Träume, die noch immer unerfüllt sind, oder Träume, die vor langer Zeit schon in Erfüllung gegangen sind?

Das ist keine Frage von Traurigkeit. Das was war, war wunderbar und das was vielleicht noch kommt ebenfalls.

MN: Wovor haben Sie mehr Angst: Vor dem Vorgang des Sterbens oder vor der Tatsache, dass sie danach tot sind? Warum?

Der Tod an sich hat nichts Schreckliches, weil es ja unser irdischer Letzt-Zustand ist. Der Weg dorthin ist etwas anderes. Ist dieser mit Leid und Schmerz verbunden, habe ich natürlich Angst davor.

MN: Fürchten Sie sich manchmal vor Dingen mehr als notwendig? Hätten Sie gerne ihre Ängste mehr unter Kontrolle?

Vermutlich ja, vermutlich fürchte ich manchmal mehr als notwendig, aber würde ich das kontrollieren können, wäre ich vielleicht nicht mehr ich, und das will ich auch wieder nicht.


Philosophie

MN: Aus irgendeinem Grund (die gute Fee) müssen Sie sich zwischen diesen beiden Lebensweisen entscheiden: 1) Sie werden steinreich (mehrere Milliarden Euro) und bleiben sterblich. 2) Sie müssen mit 700 Euro im Monat auskommen und werden unsterblich. Wie entscheiden Sie sich und warum?

Natürlich Variante 1. Mit dem Geld könnte ich nachhaltig einiges bewirken und verändern. Würde karitativ alles aufwenden. Was soll ich bitte eine Ewigkeit lang mit 700 Euro? Die sind ja in 100 Jahren genau gar nix mehr wert ...

MN: Besitzt der Mensch einen freien Willen? Was führen Sie als Beweis an?

Ich denke schon, dass der Mensch einen freien Willen hat, aber ich denke auch, dass unser genetisches Korsett sehr eng ist und wir deshalb so sind wie wir sind.

MN: Glauben Sie, dass Gott, oder eine andere Instanz, Sie lenkt, oder dass Sie Ihr Schicksal selbst gestalten?

Ich glaube an eine höhere Macht, an einen Gott. Ich glaube nicht, dass er mich lenkt, ich glaube aber, dass er uns hin und wieder anstupst.

MN: Haben Sie manchmal davor Angst, dass Sie sich für Ihr Handeln auf Erden irgendwann an einem anderen Ort verantworten müssen?

Davor habe ich keine Angst. Gott wird dich nicht fragen, was du alles gemacht hast. Er wird dich fragen, warum du soviel nicht gemacht hast.

MN: Ich selbst bin sehr davon beeindruckt, dass der Buddhismus als einzige Weltreligion nicht missioniert. Warum, glauben Sie, ist das so?

Ich habe keine Ahnung.

MN: Ihr Kind hat einen Mord begangen. Sie haben die Möglichkeit, alle Indizien verschwinden zu lassen. Würden sie das tun?

Das ist schwer zu sagen. Ich habe keine Kinder, aber ich denke: nein!

MN: Wie kommen wir der Wahrheit näher? Durch Nachdenken oder durch Nachforschen?

Vermutlich durch beides. Es kommt auch auf die Wahrheit an. Und auf die Frage, ob man sie überhaupt wissen will.


Partnerschaft

MN: Um Ihre Beziehung zu retten, würden Sie eher eine Paartherapie oder einen Romantikurlaub auf den Malediven buchen?

Ich würde eine Paartherapie auf den Malediven buchen.

MN: Wie groß ist der Unterschied zwischen Ihrem realen Sexualleben und Ihren sexuellen Fantasien? Sehen Sie eine Chance, diesen Abstand zu verkleinern?

Ja. Ich glaube, je mehr man seinem Partner vertraut, umso mehr lassen sich sexuelle Fantasien verwirklichen.

MN: Haben Sie schon einmal während des Sex geweint?

Nein. Ist ja der volle Bremser.

MN: Wenn Sie die Gewissheit hätten, mit einer bestimmten Person immer guten, aufregenden, gewagten Sex haben zu können – würden sie dafür auf Ihren Führerschein verzichten und stattdessen immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren? Wenn nicht – was wäre ein fairer Deal?

Gegenfrage: Wenn Du mit einer Eisbärenleber, destilliertem Wasser und Pfeffer die Weltherrschaft übernehmen könntest (wobei sich die Frage stellt von wem), würdest Du es machen?

MN: Wie leicht fällt es Ihnen, mit einer attraktiven Frau/mit einem attraktiven Mann zu sprechen und sich dabei nicht vorzustellen, wie es mit ihr/ihm im Bett wäre?

Sehr leicht, weil Attraktivität nicht unbedingt sofort etwas mit Sex zu tun haben muss. Wobei ...

MN: Glauben Sie, ist sich Ihr Gesprächspartner dessen bewusst?

Das sollte man den Gesprächspartner fragen.


Politik

MN: Halten Sie den Krieg für ein legitimes Mittel, um politische Ziele zu erreichen?

Nein, sicher nicht. "Bumm-Zack in die Goschen", ist ein cooler Spruch, aber sicher keine Lösung.

MN: In wie vielen Jahren wird es die erste österreichische Bundeskanzlerin geben?

Vielleicht in 10 – 15 Jahren!?

MN: In wie vielen Jahren wird es den ersten österreichischen Bundeskanzler geben, der einen türkischen Nachnamen trägt?

Ich denke in frühestens 3 – 4 Generationen.

MN: Wie erklären sie sich die Tatsache, dass es in jeder Gesellschaft einen rechten Rand gibt?

Wie erklärst Du dir, dass es sieben Milliarden Wirklichkeiten gibt?


Zum Abschluss

MN: Wie spät ist es jetzt?

Irgendwann zu Mittag.

MN: Welche Frage war Ihnen unangenehm?

Diese, weil siehe Antwort. Wenn Sie die Gewissheit hätten, mit einer bestimmten Person immer guten, aufregenden, gewagten Sex haben zu können – würden sie dafür auf ihren Führerschein verzichten und stattdessen immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren? Wenn nicht – was wäre ein fairer Deal?

MN: Welche Frage möchten Sie mir stellen?

Wo kann ich Deine Antworten sehen?

MN: Wenn wir mit diesem Projekt ins Finale gehen, werde ich den letzten Fragebogen beantworten.

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